Verdeckte AfD-Unterstützung Spur führt zu Milliardär August von Finck

Neue Erkenntnisse in der AfD-Spendenaffäre: Recherchen des SPIEGEL und der Schweizer "WOZ" zeigen, wie sich die Rechtspartei auf den notorischen Parteienfinanzierer August von Finck und seine Emissäre einließ.

August von Finck
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In der Spendenaffäre der AfD führt eine Spur zu dem Unternehmer August von Finck. Nach Recherchen des SPIEGEL und der Schweizer Wochenzeitung "WOZ" war ein Bevollmächtigter des Milliardärs offenbar in die Konzeption der AfD-nahen Zeitung "Deutschland Kurier" eingebunden. (Lesen Sie hier die ganze Geschichteim neuen SPIEGEL.)

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Heft 48/2018
Wie geheime Spenden die Rechtspopulisten groß machten

August von Finck, einer der reichsten Deutschen, lebt in der Schweiz. Der scheue Milliardär wurde nicht nur als großzügiger Unterstützer der CSU zu Franz Josef Strauß' Zeiten sowie der FDP (Stichwort: Mövenpick-Spende) bekannt, sondern fördert seit Jahren politische Parteien und Initiativen im rechten und libertären Milieu.

Anfang der 90er Jahre unterstützte er die erste Anti-Euro-Partei "Bund freier Bürger" mit 4,3 Millionen Euro, später bedachte er das Projekt "Bürgerkonvent" um die heutige AfD-Politikerin Beatrix von Storch mit einer weiteren Millionensumme. Seit Gründung der AfD hatte es schon Gerüchte über eine Förderung der AfD durch Finck gegeben; zuerst hatte 2013 die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in einem Dossier über Verbindungen zu dem Milliardär spekuliert. Nun sind erstmals Spuren zu Finck sichtbar.

Demnach traf sich der Geschäftsführer der finckschen Vermögensverwaltung, Ernst Knut Stahl, im März 2017 in München mit einem deutschen Verleger, um über das damals in Planung befindliche Zeitungsprojekt zu beraten. Während der Verleger das Treffen bestätigte, ließ Fincks Bevollmächtigter Stahl eine SPIEGEL-Anfrage unbeantwortet.

Der Chefredakteur des "Deutschland Kuriers", David Bendels, beantwortete konkrete Fragen zur Rolle Fincks und seines Bevollmächtigten nicht. Das Blatt, in dem zahlreiche AfD-Politiker schreiben, wurde von der Partei wiederholt zu Wahlkampfzwecken eingesetzt und wird von anonymen Geldgebern finanziert.

PR-Agentur zahlte Rechnungen für AfD-Veranstaltungen

Zudem deuten Aussagen von Insidern und Dokumente darauf hin, dass Finck 2013 indirekt mehrere AfD-Veranstaltungen gesponsert hat. Die Rechnungen für diese Veranstaltungen wurden demnach nicht von der Partei, sondern von einer Münchner PR-Agentur bezahlt, die enge Beziehungen zu Finck und dessen Bevollmächtigtem Stahl unterhält.

Der damalige Bundesschatzmeister der AfD, Norbert Stenzel, schätzt den Betrag der von der Agentur übernommenen Rechnungen auf "100.000 bis 120.000 Euro". Deren Geschäftsführerin Dagmar Metzger bestätigt, dass sie "in der Anfangsphase der AfD einige Veranstaltungen finanziert" habe, bezifferte die Summe jedoch auf "ca. 35.000 Euro". Die Summe sei ordnungsgemäß im AfD-Rechenschaftsbericht aufgeführt worden. Die Frage, ob ihre Auslagen für die AfD aus dem Vermögen von August von Finck beglichen wurden, ließ Metzger offen.

Ulrich Müller von der Organisation Lobbycontrol fordert eine schonungslose Aufklärung der Vorgänge: "Die Bundestagsverwaltung muss jetzt prüfen, wie Frau Metzger in der Anfangszeit Veranstaltungen für die AfD finanzierte", sagt Müller. "Wenn die Gelder von Dritten wie Herrn von Finck kamen, wären dies klare Verstöße gegen das Parteienrecht."

Lukrativer Goldhandel

Internen Unterlagen zufolge war Finck zudem über seine Handelsfirma Degussa an einem lukrativen Goldhandel beteiligt, mit dem die AfD in den ersten Jahren ihre finanzielle Basis stärkte. Wie eine dem SPIEGEL und der "WOZ" vorliegende Lieferliste der AfD zeigt, war die Degussa einer der Hauptlieferanten des Goldes.

Die AfD wird seit zwei Wochen von einer Spendenaffäre erschüttert. Den Anfang machten Enthüllungen des Recherchenetzwerks von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" über eine Großspende aus der Schweiz an den Kreisverband der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel. Dann folgten weitere Berichte über Zuwendungen einer seltsamen Stiftung aus den Niederlanden. Die Spenden wurden von der Partei zurücküberwiesen, im Falle der Zuwendung aus der Schweiz allerdings erst nach Monaten.

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Konstanz gegen Weidel und drei Parteifreunde wegen möglicher Verstöße gegen das Parteiengesetz. Weidel hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

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insgesamt 194 Beiträge
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Seite 1
florian29 23.11.2018
1. Welche Spende?
Anders als unsere Altparteien, die Spenden bis zum Umkippen einbehielten - ob Kohl, Schäuble, Möllemann, die DDR-SED, Trinekens-SPD und Grüne - hat die AfD jede Großspende ungewisser Herkunft zeitnah auf Heller und Cent zurückgezahlt.
trex#1 23.11.2018
2.
Es wird Zeit, die Spenden von Firmen, Vereinen und Verbänden grundsätzlich zu verbieten und nur noch Spenden von Privatpersonen bis zu einer Höchstgrenze zu genehmigen. Das wird aber nicht kommen, denn die Parteien erhalten von Firmen und Verbänden große Spenden als Gegenleistung für ihren Einsatz. Und darauf werden natürlich die Altparteien als bisherige Hauptprofiteure nie verzichten wollen. Aber mit großen Steinen aus dem Glashaus heraus werfen.
Siebengestirn 23.11.2018
3. Vermutlich wird Frau Weidel erklären,
dass sie Herrn von Finck nicht kennt, insbesondere von diesem aber kein Spendengeld angenommen zu haben. Beweis: Dieser Herr war ja nicht als der Absender des Geldes erkennbar! Unverfrorenheit ist weiter Trumpf! Man kann nur hoffen, dass SPIEGEL und WOZ sehr verdienstvoll weiter recherchieren!
upalatus 23.11.2018
4.
Die Partei der einzig Ehrlichen und Wahrhaftigen, die afd, hat engen Kontakt zum schwerreichen Steueroptimierer mit deshalb Wohnsitz CH und lässt sich von ihm unterstützen. Da müssten im eifrigen Blaunfan doch etliche Fragen und niederschmetternde Erkenntnisse über die Errettungspartei aufwallen....
schelmchen 23.11.2018
5. Ach Adel, integrier' dich endlich in die Demokratie
Welch Überraschung, ein Adliger finanziert eine Bewegung die den Reichsbürgern nahe steht. *ironie off Da Beatrix von Storch die Enkelin von Hitlers Finanzminister ist, wäre es wenig überraschend wenn diese "Partei" mit weiterem Vermögen aus dem Holocaust finanziert wurde. Degussa hat nämlich durch das Einschmelzen von geraubtem Gold ein Vermögen gemacht. Die neue Rechte, sie ist die gleiche die alte Rechte. Die Namen sind immer die gleichen.
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