Gauland vs. Petry Streit um Rechtsaußen Höcke spaltet AfD-Spitze

"Falsch und zutiefst unfair": Mit scharfen Worten greift AfD-Vize Gauland die eigene Parteichefin Petry an. Diese hatte zuvor den Thüringer Landeschef Höcke wegen rassistischer Entgleisungen zum Austritt aufgefordert.

AfD-Spitzenpolitiker Petry (l.), Gauland: "Ausdrücklich keine Maßnahmen beschlossen"
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AfD-Spitzenpolitiker Petry (l.), Gauland: "Ausdrücklich keine Maßnahmen beschlossen"


Der Streit in der Alternative für Deutschland (AfD) über den Umgang mit dem Thüringer Landeschef Björn Höcke sorgt für immer mehr Unruhe in der Parteiführung. Nun stellt sich AfD-Vize Alexander Gauland offen gegen die Vorsitzende Frauke Petry.

Diese hatte Höcke im Sender MDR zum Parteiaustritt aufgefordert. Gaulands Kritik: "Der Bundesvorstand hat ausdrücklich keine Maßnahmen gegen Björn Höcke beschlossen und ihn nicht verurteilt. Ich finde es falsch und zutiefst unfair, dass sie das jetzt umdeutet und etwas anderes vertritt", sagte er der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe).

Der Bundesvorstand hatte einen Parteiausschluss Höckes am Freitag vermieden, ihn aber nachdrücklich aufgefordert "zu prüfen, inwieweit seine Positionen sich noch in Übereinstimmung mit denen der AfD befinden". Das kommt einer Aufforderung zum Austritt schon sehr nahe. Zwischen der AfD-Bundesspitze und Höcke hatte es bereits mehrfach Streit gegeben, weil die Bundesspitze seine Äußerungen als zu rechts empfand.

Anlass der jüngsten Auseinandersetzung war eine Äußerung Höckes über die Reproduktionsstrategie von Afrikanern ("Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.") und seine Gratulation an die französische Rechts-Partei Front National zum Abschneiden bei den Regionalwahlen.

Der bayerische Landesvorsitzende Petr Bystron sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", in der Partei herrsche die Meinung vor, dass Höckes umstrittene Äußerungen keine Ausrutscher gewesen seien. "Wenn er solche Sachen verbreiten will, muss er sich eine andere Plattform suchen."

Äußerung zu Afrikanern sei unglücklich gewesen

Hamburgs AfD-Fraktionschef Jörn Kruse nannte Höcke einen Wiederholungstäter und seine Äußerungen "eindeutig rassistisch". Es müsse einen "öffentlichen Aufruhr" geben, verlangte er. Den Parteivize und brandenburgischen Landeschef Gauland, der Höcke bisher geschont hatte, forderte er auf, "sich von Höcke zu distanzieren, um Schaden von der Partei abzuwenden".

Die Patriotische Plattform vom rechten Parteiflügel attackierte dagegen Petry: "Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass hier die Gelegenheit genutzt werden soll, um einen unliebsamen Konkurrenten zu erledigen." Die Äußerung zu den Afrikanern sei unglücklich gewesen, die Plattform stehe aber "ohne Wenn und Aber zu Björn Höcke".

Scharfe Worte findet der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Er nennt die AfD "eine Bande von Zynikern und geistigen Brandstiftern". Politiker wie Höcke seien "hochgefährliche Vulgär-Rassisten", sagte Oppermann. Zugleich erhob der SPD-Politiker Vorwürfe gegen CDU und CSU wegen des Erstarkens der AfD: "Der Erfolg der AfD ist Ausdruck eines eklatanten Versagens der Union." (Das komplette Interview lesen Sie hier.)

jok/dpa



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