"Mit Gewissen nicht vereinbar" AfD-Vorstandsmitglied Königer verlässt die Partei

Der Kampf gegen die Destruktiven in der Partei sei "endgültig verloren": Steffen Königer hat erklärt, die AfD verlassen zu wollen. Er hatte allerdings wohl ohnehin keine große Zukunft mehr in der Partei.

Steffen Königer
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Steffen Königer


Das AfD-Vorstandsmitglied Steffen Königer hat seinen Austritt aus der Partei erklärt. Der Brandenburger Landtagsabgeordnete begründete seine Entscheidung mit der Ohnmacht der Gemäßigten gegenüber radikalen Kräften in der AfD. "Die Bürgerlichen in der AfD haben den Kampf gegen die Destruktiven in der Partei in vielen Landesverbänden endgültig verloren", erklärte er.

In der AfD nehme die "Begeisterung über bewusste Grenzübertritte von wenigen Protagonisten nicht ab". Eine möglicherweise drohende Beobachtung durch den Verfassungsschutz werde dabei von vielen Funktionsträgern fahrlässig in Kauf genommen.

"Ein Verbleiben in der Partei kann ich unter diesen Umständen mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren", erklärte Königer. Er hatte sich Mitte November erfolglos für einen der vorderen Plätze auf der Kandidatenliste der AfD für die Europawahl beworben. Dies galt als seine letzte Chance für einen weiteren Aufstieg in der Partei. Dem Landtag will er künftig als fraktionsloser Abgeordneter angehören.

Für die Auseinandersetzung innerhalb der Partei nannte Königer den Umgang mit dem Parteinachwuchs als Beispiel. Einige AfD-Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen, der Jungen Alternative den Status als Jugendorganisation der Partei abzuerkennen - andere, darunter der Thüringer Landeschef Björn Höcke, sind dagegen.

Der RBB hatte über den geplanten Schritt Königers zuerst unter Berufung auf Parteikreise berichtet.

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aev/dpa



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
isi-dor 29.11.2018
1.
Der Herr hat zwar Recht und sein Austritt ist nicht verwerflich, aber warum ist er angesichts der absehbaren Entwicklungen überhaupt eingetreten? Die AfD war klar erkennbar nie "bürgerlich" und wird es auch nie werden.
demwz 29.11.2018
2. Wen wunderts
Wie kann man in eine radikale Partei eintreten und sich dann wundern, dass es dort radikal zugeht. Hat wirklich jemand geglaubt, die wollten nur spielen?
Meconopsis 29.11.2018
3. Glaubwürdigkeit sieht anders aus
Diesen Rücktritt hätte es bestimmt nicht gegeben, wenn Herr Königer auf einen guten Listenplatz für die Europawahlen gesetzt worden wäre. Da lädt er nun seinen Frust ab, weint dem gut dotierten Posten nach und will sich offenbar von der bürgerlichen Elite für seine standhafte ehrenvolle Haltung feiern lassen. Dabei gibt es das Problem mit den Radikalen in der AfD-Jugendorganisation schon sehr lange. Da hätte er schon mal früher zurücktreten können.
haresu 29.11.2018
4. Die AFD hat ja ihren Zweck ja auch längst erfüllt
Ihre Forderungen sind tief in die bürgerlichen Schichten eingedrungen (dort hatten sie ja auch ihren Ursprung) und werden von etablierten Politikern vertreten. Man beachte zum Beispiel das Vorgehen von Friedrich Merz, der erst die AFD als "offen nationalsozialistisch" bezeichnet und sie ein paar Tage später mit seinen Gedanken zur Abschaffung des indivuduellen Asylrechts fast noch rechts überholt. Aber bei ihm ist das natürlich etwas ganz anderes. Viele wollten ja ohnehin nie etwas anderes als eine Kurskorrektur bei den Etablierter. Nachdem dies jetzt weitgehend erledigt ist macht sich so langsam der "gute" Teil der AFD auf den Rückweg in die Löcher aus der er kam. Wer weniger die AFD als deren Denken bekämpfen will kann damit aber nicht glücklich sein.
mannakn 29.11.2018
5. Chapeau, Herr Königer...
...sicherlich keine leichte Entscheidung, vor allem dann nicht wenn man ehrlich was erreichen will. Aber für den Rest der deutschen Politik und Justiz ganz klar ein Signal, die AfD jetzt endlich und flächendeckend vom Verfassungsschutz überwachen zu lassen mit dem Ziel eines Parteiverbots.
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