Analyse von Umfragen AfD-Wähler waren von Anfang an radikaler als andere

Die AfD begann als eurokritische Professorenpartei - doch schon die Ansichten ihrer frühen Anhänger waren nach SPIEGEL-Informationen extremer als die anderer Parteien. Das gilt vor allem für das Thema Zuwanderung.

Sächsisches AfD-Treffen
DPA

Sächsisches AfD-Treffen


Die Wähler der AfD haben seit der Gründungsphase der Partei im Frühjahr 2013 in nahezu allen Themen schärfere Positionen vertreten als alle anderen Wähler. Das zeigt nach Informationen des SPIEGEL eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Dafür werteten die Wissenschaftler Umfragen unter anderem von infratest dimap und ARD Deutschlandtrend ab Oktober 2013 aus. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Schon in dieser frühen Phase, als die AfD sich noch als Professorenpartei präsentierte, die allenfalls eine differenzierte Islamkritik übte, hätten ihre Anhänger mehrheitlich die jeweils extremsten politischen Positionen im Wählerspektrum eingenommen, schreiben die IW-Forscher.

Das gelte für Streitfragen wie die Aufnahme von Flüchtlingen, zu der sich schon Ende 2013 gut 70 Prozent der AfD-Wähler ablehnend äußerten. Ende 2014 stieg dieser Wert auf 83 Prozent - ebenfalls deutlich mehr als in allen anderen politischen Lagern. Aber auch bei harmloseren Themen wie Volksabstimmungen verzeichnen die Umfragewerte im AfD-Milieu viel stärkere Ausschläge als anderswo. Während etwa die Anhänger von Union und SPD zu 34 beziehungsweise 36 Prozent für Volksabstimmungen seien, zeigten AfD-Wähler 88 Prozent Zustimmung.

Randpositionen nehmen die AfD-Anhänger demnach auf fast allen Gebieten ein: Sie haben ein überdurchschnittlich großes Verständnis für Pegida-Demonstranten, eine übergroße Sorge vor der Rückkehr der Finanzkrise und sind überdurchschnittlich kritisch gegenüber türkischen Mitbürgern.

Fast 80 Prozent der AfD-Unterstützer gaben zudem im Frühjahr 2016 an, dass es in Deutschland eher ungerecht zugehe - dieser Wert liegt sogar noch über dem der Anhänger linker Parteien. Auch die negative Haltung gegenüber einer weiteren Vertiefung der Europäischen Union war in Kreisen der Rechtspopulisten nach den IW-Erkenntnissen deutlich stärker ausgeprägt als bei allen anderen Parteien.

Am deutlichsten zeigt sich in den Umfragewerten aber die Ablehnung der Regierungspolitik durch die AfD-Anhänger, die alle Werte anderer Partei-Anhänger übersteigt: Im Oktober 2016 zeigten sich 96 Prozent von ihnen unzufrieden mit der Politik der Bundesregierung, im April 2017 stieg der Wert auf 98 Prozent. Die Werte stellen sogar Linken-Wähler (74 Prozent) in den Schatten.

Dieses Thema stammt aus der neuen SPIEGEL-Sonderausgabe zur Bundestagswahl - erhältlich ab Dienstagmorgen und schon heute ab 15 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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ama



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skurilla 15.07.2017
1. am radikalsten ist die Mitte.
Denn sie schafft mit rasantem Tempo neue Armut in Deutschland durch legalisierte Mittel. Und damit das so bleibt, wird den Bürgern Angst von rechts und links suggeriert.
Kerlenaa 15.07.2017
2.
Wenn man also Verständnis für Pegida-Demonstranten hat - noch dazu ein "überdurchnittlich großes" , wird man dadurch zu einem "Radikalen"? Was für eine Schwachsinnsstudie!
cosmopolitan75 15.07.2017
3. immer eine Frage der Sichtweise
Ich bin auch gegen die AfD und würde mich als politisch in der Mitte bezeichnen. Trotzdem kommen mir die Grünen oder die Linkspartei viel extremer und radikaler vor als die AfD. Wer natürlich selbst extrem links steht, dem kommen rechte Positionen natürlich radikal vor. Das ist auch ein Problem des Journalismus in Deutschland.
ericstrip 15.07.2017
4. Was heute so alles als "radikal" gilt...
...in der heutigen Mainstreamsicht wäre sogar Willy Brandt ein Ausländerfeind. Es geht mal wieder nur um Abwertung von Argumenten, die nicht ins Bild passen, aber auch nicht entkräftet werden können.
KingTut 15.07.2017
5. Was ist radikal?
Die Aussagen im Text mögen ja alle so korrekt sein, wobei ich nichts ehrenrühriges dabei finde, zu einem bestimmten Thema anderer Meinung zu sein. Dieses Recht steht den Linken ja auch vollumfänglich zu. Durch die Überschrift - so empfinde ich es jedenfalls - soll doch jetzt, wo wir über linke Gewalt diskutieren, der Eindruck erweckt werden, die AfD-Anhänger (wozu ja auch Pegida gehört) seien viel Schlimmer. Das stimmt nicht, denn mir ist nicht bekannt, dass ähnliches Unheil wie in Hamburg durch rechtskonservative Zeitgenossen angerichtet wurde. Das trifft auch für die Anti-Pegida Demos zu, wo durch linksradikale Kräfte erheblicher Sachschaden entstand, einschließlich verletzte Polizeibeamte. Eine andere Intention als die von mir empfundene kann ich in dem Artikel nicht sehen.
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