Umstrittener Islamgegner als Bundestagsvize AfD beharrt auf Glaser - und will ihn mehrfach in die Abstimmung schicken

Jeder Fraktion steht ein Posten im Parlamentspräsidium zu, doch alle Kandidaten brauchen eine Mehrheit. Gegen den AfD-Politiker Glaser regt sich breiter Widerstand - doch Fraktionschef Gauland will den Eklat.

AfD-Politiker Albrecht Glaser
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AfD-Politiker Albrecht Glaser


Die rechtspopulistische AfD steuert noch vor der konstituierenden Sitzung des Bundestags am Dienstag auf eine Konfrontation mit den anderen Parlamentsfraktionen zu.

Die Partei plant, den umstrittenen Abgeordneten Albrecht Glaser weiterhin für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten aufzustellen. "Sollte er im ersten Wahlgang scheitern, werden wir ihn erneut aufstellen", sagte AfD-Fraktionschef Alexander Gauland der "Bild am Sonntag".

Bereits kurz nach der Bundestagswahl hatten SPD, FDP, Grüne und Linkspartei im Bundestag erklärt, sie würden Glaser wegen seiner Haltung zum Islam, welche die Religionsfreiheit verletzt, nicht wählen. Jeder Fraktion steht ein Posten als Parlamentsvize zu, die Kandidaten müssen aber eine Mehrheit finden.

Gauland: Glaser vertritt AfD-Position

Glaser erkennt den Islam nicht als Religion an und spricht Muslimen die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit ab. Er hatte den Islam mehrfach als politische Ideologie bezeichnet. Gauland sagte dazu, Glaser vertrete eine Position zum Islam, "die wir alle in der AfD vertreten".

Die stellvertretenden Bundestagspräsidenten werden in der konstituierenden Sitzung des Parlaments gewählt. Als im Jahr 2005 die Linke versuchte, ihren Abgeordneten Lothar Bisky zum Bundestagsvize zu machen, fiel er viermal durch, ehe er aufgab.

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles forderte von Glaser eine Stellungnahme zu seinen umstrittenen Islamzitaten. "Wir werden niemanden wählen, der die Werte unseres Grundgesetzes nicht achtet", sagte Nahles der "Bild am Sonntag". Sie habe einen Brief an Glaser geschrieben mit der Frage, ob er immer noch zu seinen Aussagen stehe. "Bislang hat er nicht geantwortet", sagte die SPD-Politikerin.

Es sei "sehr befremdlich", wenn sich ein Abgeordneter, der als Vizepräsident den gesamten Bundestag repräsentieren solle, den Fragen anderer Fraktionen bereits im Vorfeld verweigere. "Das widerspricht allen Regeln eines Parlaments", so Nahles.

Der Anfang 1942 in Worms geborene Jurist Glaser blickt auf eine lange Karriere als CDU-Kommunalpolitiker zurück: Er war Bürgermeister im baden-württembergischen Waldbronn und zwischen 1997 und 2001 Stadtkämmerer in Frankfurt.

Mit den sogenannten Glaserfonds, einem riskanten Anlagegeschäft, bescherte er der Stadt in der Finanzkrise Millionenverluste. 2001 setzte ihn der Finanzdezernent ab. Der Fall verfolgt Glaser bis heute.

Mit der CDU brach der Merkel-Kritiker 2012 - nach 42 Jahren. Im folgenden Jahr schloss sich Glaser der neu gegründeten AfD an, in der er ultrakonservativen Lager gehört.

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