Neuer Konkurrenz-Wirtschaftsverband AfD wirbt um CDU-Stammwähler

Die eurokritische AfD will den Mittelstand verstärkt ansprechen, sie gründet deshalb einen eigenen Verband. Vorbild ist die CDU, deren Kernwähler die Partei im Visier hat.

AfD-Landesvorsitzende Frauke Petry: "APO der Mittelständler"
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AfD-Landesvorsitzende Frauke Petry: "APO der Mittelständler"


Hamburg/Berlin - Die AfD will im Januar einen eigenen Wirtschaftsverband gründen - das "Mittelstandsforum der AfD". Die Gruppe ist dem Wirtschaftsrat der CDU nachempfunden und soll die Interessen mittelständischer Unternehmer vertreten, berichtet die "Zeit".

Das Gründungstreffen soll laut der Wochenzeitung am 24. Januar in Kassel stattfinden, die AfD-Bundessprecherin Frauke Petry und Heinrich Weiss, Aufsichtsratschef des Anlagenbauers SMS und ehemaliger BDI-Präsident, wollen die Veranstaltung eröffnen. "Das Forum soll eine APO der Mittelständler werden", sagte Weiss der "Zeit". "Die Unternehmerschaft ist maßlos enttäuscht von der Wirtschaftspolitik der Großen Koalition."

Einladungen an 500 Unternehmer und Manager

Die AfD will nach eigenen Angaben mit ihrem Wirtschaftsverband unter anderem gegen die Frauenquote sowie die Steuer- und Finanzpolitik der schwarz-roten Regierung mobilisieren - und nimmt damit auch die Stammwähler der CDU in den Blick. Zudem will die AfD Unternehmen unterstützen, die von den EU-Sanktionen gegen Russland betroffen seien.

Zurzeit würden Einladungen an etwa 500 Unternehmer und Manager aus ganz Deutschland verschickt, berichtet das Blatt und bezieht sich auf den Düsseldorfer AfD-Vorstand Ulrich Wlecke. Nur zwei Drittel der eingeladenen Unternehmer seien AfD-Mitglieder.

"Politisch Heimatlose" ansprechen

Damit versuche die Partei auch jene anzusprechen, die mit den wirtschaftspolitischen Positionen der AfD sympathisieren, sich aber vom restlichen Programm abgeschreckt fühlen. "Wir dürfen den rechten Extremisten in der AfD nicht das Ruder überlassen", sagte Weiss der "Zeit". Er organisiert das Gründungstreffen "in enger Abstimmung mit dem Bundesvorstand der AfD". Das Forum stehe allen offen, die sich "zur sozialen Marktwirtschaft bekennen, die Grundsätze der AfD mittragen und sich politisch heimatlos fühlen".

Die AfD liegt in Umfragen derzeit bundesweit bei sechs Prozent. Sie ist im Europaparlament sowie in den Landtagen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg vertreten. Die jüngsten Wahlerfolge der eurokritischen AfD treiben die CDU um - die Union tut sich schwer mit der neuen Konkurrenz von rechts. Sie fürchtet, dass die AfD der Union auch die Deutungshoheit auf dem Feld der inneren Sicherheit streitig macht. AfD-Funktionäre hatten zuletzt ihre Unterstützung für die Anti-Islam-Bewegung, die sich unter Namen wie Pegida formiert, bekundet.

heb

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charlybird 10.12.2014
1. Und das ist gar nicht mal so abwegig,
denn es gibt durchaus einen rechten Sumpf in der Kanzlerin-Partei, der sich nicht immer traut zu zeigen, aber eine Gesellschaftsfähigkeit besitzt, die ich selbst hin und wieder stirnrunzelnd erleben darf. Frau Dr. Mutti darf sich zwar über ihren Koalitionspartner gerne ärgern, aber mittelfristig wird ihr die Steuerbordseite des CDU-Kreuzers zu schaffen machen. Das kann man nicht absitzen, schon gar nicht auf einer Backe.
bonngoldbaer 10.12.2014
2. Wozu
Wozu ein eigener Verband, wenn doch die gesamte Partei ausschließlich die Interessen dieses Teils der Bevölkerung vertritt?
chrutchfield 10.12.2014
3. Es ist gar nicht mal so unabwegig...
...einen eigenen Mittelstands'verein' in's Leben zu rufen. Aber: wo sind denn nun die genauen Ziele der AfD. Ausser Phrasen und zusätzlichen Rangeleien in den eigenen Reihen habe ich eigentlich das wahre Ziel der AfD noch nicht erkannt. Es ist wünschenswert und dringend notwendig, wenn Leute versuchen den EU- und Eurowahnsinn zu beenden. Dafür ist die AfD schon mal ein Ansatz. Aber das war es dann bisher ja auch.
RSchubi 10.12.2014
4. Politisch Heimatlose ansprechen...
Na ja, politisch heimatlos sind wohl recht viele Menschen geworden, seit sich die Union alternativlos sozialdemokratisiert hat und keine echte konservative Partei mehr ist. Tatsächlich wildert die AfD bevorzugt im Teich der Union, aber auch der Sozis oder Liberalen. Sogar von den Linken hat sie Wählerstimmen abgegriffen, das läßt auf eine breite Meinungsbasis schließen. Diese neue Partei greift die Stimmung im Lande auf, die die Altparteien längst nicht mehr wahrzunehmen imstande sind. Sie deshalb aber populistisch zu nennen, geht voll daneben. Wir erinnern uns doch hoffentlich alle noch der Grundsätze der Demokratie, nach denen das Volk der Souverän ist und sein Wille beachtet werden muß. Genau hier scheitern aber die Altparteien, zu abgehoben sind sie, haben den Kontakt zum Boden der Tatsachen oft verloren und handeln teils sogar gegen das Volk. Etliche Wachrufe verhallten ungehört, jetzt hat man den Salat und denen fällt nichts besseres ein, als die AfD schlechtzureden. Und aus der Wirtschaft kommen zunehmend Äußerungen, die der AfD zustimmen. Da erscheint es nur logisch, hier Anknüpfpunkte zu finden und die Basis zu verbreitern.
t dog 10.12.2014
5. Eurostabilitätsproblem
Löst das Problem und die AfD löst sich in Luft auf.
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