Affären des Bundespräsidenten Merkel bekennt sich zu Wulff

Christian Wulff steht seit Wochen in der Kritik, die Bundeskanzlerin stärkt ihm dennoch weiter den Rücken: Angela Merkel glaubt, der Bundespräsident werde "viele weitere wichtige Akzente" setzen. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das jedoch offenbar anders.

Bundespräsident Wulff, Kanzlerin Merkel: "Größte Legitimität und Autorität"
DPA

Bundespräsident Wulff, Kanzlerin Merkel: "Größte Legitimität und Autorität"


Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht davon aus, dass sich Christian Wulff trotz der Kredit- und Medienaffäre als guter Bundespräsident erweisen wird - und spricht ihm erneut ihr Vertrauen aus. Der "Bild am Sonntag" sagte Merkel auf die Frage, wie viel Zukunft Wulff habe: "Unser Bundespräsident wird viele weitere wichtige Akzente für unser Land und unser Zusammenleben setzen."

Einer möglichen Direktwahl des Bundespräsidenten durch die Bevölkerung erteilte die Kanzlerin eine Absage: "In den USA oder Frankreich, wo der Präsident direkt gewählt wird, ist das Amt mit viel mehr Macht ausgestattet", sagte Merkel. "Der Bundespräsident hat in Deutschland eine ganz andere Rolle, zu der, wie ich finde, die Wahl durch die Bundesversammlung sehr gut passt." Sie gebe ihm "größte Legitimität und Autorität", die Bundesrepublik sei damit "über Jahrzehnte gut gefahren".

Wulff steht seit Wochen wegen eines umstrittenen Immobilienkredits, den er während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident von einem befreundeten Unternehmer annahm in der Kritik - und wegen seines Umgangs mit der Affäre. Zuletzt ging es zudem um die Frage, ob die damalige Landesregierung die umstrittene Veranstaltungsreihe "Nord-Süd-Dialog" unterstützt hat.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier geht davon aus, dass die Affäre dem Ansehen Deutschlands schadet. "Deutschland ist für viele Länder ein Vorbild, was die Sauberkeit der Politik und die Unabhängigkeit ihrer Verantwortungsträger angeht. Die Debatte um Wulff nimmt Deutschland sicherlich einiges von diesem Nimbus", sagte der SPD-Politiker der "Welt am Sonntag".

Mehrheit für Wulff-Rücktritt

Ob Wulff zurücktrete oder nicht, liege "allein in seiner Entscheidung", so Steinmeier. Dabei müsse Wulff sich im Klaren sein, dass die Kernaufgabe des Bundespräsidenten darin bestehe, moralische Orientierung zu geben. "Es wird ein langer Weg für Christian Wulff, die moralische Autorität zurückzugewinnen, die er dafür braucht", sagte Steinmeier. "Wenn er auf dem unsicheren Grund seiner bisherigen Antworten bleibt, dann ist dieser Weg zu lang."

Wulffs Ansehen in der Bevölkerung leidet mittlerweile zunehmend: Nach dem aktuellen ZDF-Politbarometer glauben 75 Prozent der Befragten, dass der Bundespräsident dauerhaft beschädigt ist. Zwei Wochen zuvor waren es noch drei Prozent weniger. 50 Prozent wollen, dass Wulff von seinem Amt zurücktritt. 14 Tage zuvor waren es nur 44 Prozent der Befragten.

Laut Angaben des Senders ist Wulffs Imagewert inzwischen auf den schlechtesten gesunken, der je für einen Bundespräsidenten gemessen wurde: Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf liegt er nur noch bei minus 0,8. Zum Vergleich: Als Wulff sein Amt im Juli 2010 antrat, wurde seine Beliebtheit noch mit 1,9 gemessen.

wit/AFP/dapd

insgesamt 322 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gebetsmühle 28.01.2012
1. wie abartig?
Zitat von sysopChristian Wulff steht seit Wochen in der Kritik, die Bundeskanzlerin stärkt ihm dennoch weiter den Rücken: Angela Merkel glaubt, der Bundespräsident werde "viele weitere wichtige Akzente" setzen. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das*jedoch offenbar*anders. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811925,00.html
merkel bekennt sich zu wulff? normalerweise bekennt man sich allenfalls zu gott. ist wulffen jetz schon göttliches handeln?
Ontologix II 28.01.2012
2. Judaskuss
Zitat von sysopChristian Wulff steht seit Wochen in der Kritik, die Bundeskanzlerin stärkt ihm dennoch weiter den Rücken: Angela Merkel glaubt, der Bundespräsident werde "viele weitere wichtige Akzente" setzen. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das*jedoch offenbar*anders. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811925,00.html
Das hat sie mit Guttenberg auch getan. Kurz darauf war er weg vom Fenster.
freigeist56 28.01.2012
3. Ich glaube...
Zitat von sysopChristian Wulff steht seit Wochen in der Kritik, die Bundeskanzlerin stärkt ihm dennoch weiter den Rücken: Angela Merkel glaubt, der Bundespräsident werde "viele weitere wichtige Akzente" setzen. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das*jedoch offenbar*anders. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811925,00.html
an den Verfassungsschutz und an die heilige katholische Kirche, Ich bin mir sicher sie werden in der Jugendarbeit und bei der Bekämpfung der Antikapitalisten noch viele weitere wichtige zukunftsgerichtete Akzente setzen......
paretooptimal 28.01.2012
4. Merkel vs Bürger
Merkel verliert ihren Realitätssinn, wenn sie auf Wulff setzt. Dieses parteipolitische Agieren ist nur noch zum Kotzen.
copperfish 28.01.2012
5. Akzent
Zitat von sysopChristian Wulff steht seit Wochen in der Kritik, die Bundeskanzlerin stärkt ihm dennoch weiter den Rücken: Angela Merkel glaubt, der Bundespräsident werde "viele weitere wichtige Akzente" setzen. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das*jedoch offenbar*anders. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,811925,00.html
Offenbar soll Wulff uns an die Verkommenheit "unseres" politischen Systems gewöhnen. Ich würde sagen: "Mission erfüllt!"
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.