Affären FDP schickte Möllemann-Witwe Spendenquittung

Ein halbes Jahr nach dem Tod von Jürgen Möllemann soll dessen Witwe von der FDP eine Spendenquittung über 980.000 Euro bekommen haben. Das seien exakt die Kosten für das umstrittene antisemitische Flugblatt des verstorbenen Spitzenpolitikers, berichtet die "Bild"-Zeitung.


Möllemann: Tod am 6. Juni 2003
DPA

Möllemann: Tod am 6. Juni 2003

Berlin - Der von FDP-Schatzmeister Günter Rexrodt unterschriebene Bescheid sei bei Carola Möllemann-Appelhoff am 24. Dezember eingegangen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die Umgebung der Witwe. Das Schreiben sei an den im Juni 2003 gestorbenen früheren stellvertretenden FDP-Vorsitzenden adressiert gewesen.

Die Summe von 980.000 Euro entspreche exakt den Kosten, die Möllemann für sein umstrittenes anti-israelisches Flugblatt im September 2002 aus seinem Privatvermögen aufgegeben hatte. Die FDP hatte sich von der Aktion distanziert. In dem Spendenbeleg bestätige die Partei, dass das Geld für satzungemäße Zwecke ausgegeben worden sei, hieß es weiter in dem Bericht.

Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef und Möllemann-Freund Wolfgang Kubicki äußerte sich empört über die Ausstellung der Spendenquittung. Es sei unfassbar, dass der Bescheid ein halbes Jahr nach dessen Tod an Möllemann adressiert worden sei. "Damit hat die Partei seiner Witwe am Heiligen Abend das Schlimmste angetan, was vorstellbar ist", sagte Kubicki der "Bild"-Zeitung.

Der stellvertretende FDP-Sprecher Wulf Oehme bestätigte den Vorgang. Er nannte es bedauerlich, dass die Quittung zur Weihnachtszeit bei Möllemanns Witwe eingegangen sei. Oehme verwies aber darauf, dass die FDP wie alle Parteien gesetzlich verpflichtet sei, Spenden aus dem Vorjahr bis zum Jahresende zu quittieren.



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