Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Afghanistan: Bundeswehrverband sieht keine Alternative zum Kampfeinsatz

Als unverzichtbar hat der Chef des Bundeswehrverbands, Gertz, den Einsatz eines deutschen Kampfverbands im Norden Afghanistans bezeichnet. Die Bundeswehr trage dort bereits die Verantwortung. Die Nato will bald über eine schnelle Eingreiftruppe für die Region entscheiden.

Berlin - Bernhard Gertz sieht keinerlei Alternative zum Einsatz eines deutschen Kampfverbands im Norden Afghanistans. In dieser Region hätten deutsche Soldaten bereits die Verantwortung, sagte Gertz der "Passauer Neuen Presse". Zudem habe sich keiner der Partner für die Aufgabe beworben, die noch von der norwegischen Armee erfüllt werde. Gertz nannte den geplanten Einsatz unverzichtbar. Die Aufgaben der Eingreiftruppe umschrieb er mit der Formulierung "das Feuer löschen, wenn es brennt".

Deutsche Soldaten in Afghanistan: "Feuer löschen, wenn es brennt"
AP

Deutsche Soldaten in Afghanistan: "Feuer löschen, wenn es brennt"

Gestern war bekannt geworden, dass auf die Bundeswehr in Afghanistan möglicherweise schon bald neue Aufgaben zukommen: Die Bundeswehr prüft derzeit eine Anfrage der Nato, im Norden des Landes den Job einer schnellen Eingreiftruppe zu übernehmen, einer Quick Reaction Force. Das sagte Thomas Raabe, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, welche Nation die Quick Reaction Force stellen soll, werde die Nato Ende Januar entscheiden.

Gertz hatte es bereits gestern als sicher beschrieben, dass die Bundeswehr diese Aufgabe übernehme. Er warnte aber vor dem Risiko: Bei diesem Einsatz könnten auch Soldaten sterben. Sie müssten kämpfen, sobald eigene Truppen in Bedrängnis geraten. "Man muss davon ausgehen, dass es solche Situationen geben wird. Und man kann nicht von vornherein darauf vertrauen, dass das ohne Opfer abgeht."

Ministerium hält Bundestagsbeschluss für unnötig

Ein neuer Einsatzbeschluss des Bundestags soll nicht nötig sein. Ministeriumssprecher Raabe sagte, die neuen Aufgaben passten "natürlich" in das existierende Isaf-Mandat zur Stationierung der Bundeswehr im Norden Afghanistans. Die schnelle Eingreiftruppe habe die Funktion einer taktischen Reserve für das deutsche Kommando in Nordafghanistan.

Der neue Verband würde die Aufgaben von norwegischen Soldaten übernehmen, die seit Frühjahr 2006 in dieser Funktion im Einsatz sind. Norwegen will seine Truppen dieses Jahr abziehen, daher braucht es eine Entscheidung.

Vor allem die USA hatten Deutschland wiederholt zu einer Beteiligung an Kampfeinsätzen in Afghanistan aufgefordert. Erst an diesem Mittwoch entbrannte in der Nato ein neuer Streit - US-Verteidigungsminister Robert Gates kritisierte: "Die meisten europäischen Truppen, Nato-Truppen, sind für Einsätze gegen Rebellen nicht ausgebildet."

ler/ddp/Reuters/AP/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: