Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan: Deutschland sichert Kabul langfristige Hilfe zu

Von Matthias Gebauer

Bis Ende 2014 will die Bundeswehr ihren Einsatz beenden, im Stich lassen will Deutschland Afghanistan aber nicht. Deshalb werden Kanzlerin Merkel und der afghanische Präsident Karzai nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ein umfangreiches Partnerschaftsabkommen unterzeichnen.

Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan: Die Isaf-Mission endet 2014Zur Großansicht
dapd

Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan: Die Isaf-Mission endet 2014

Washington/Kabul - Einige Tage vor dem Nato-Gipfel in Chicago wollen Deutschland und Afghanistan in Berlin ein umfangreiches Partnerschaftsabkommen über die langfristige Zusammenarbeit der beiden Länder unterzeichnen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sind Diplomaten beider Länder derzeit in den letzten Zügen der Verhandlungen über den Pakt. Bei einem Besuch des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai Mitte Mai in Berlin soll er von ihm und Bundeskanzlerin Angela Merkel feierlich unterschrieben werden. Das Abkommen, das die Kooperation der beiden Länder auch nach dem Ende der Nato-Mission für Afghanistan Ende 2014 manifestieren soll, war in den letzten zwölf Monaten ausgearbeitet worden.

Die afghanische Regierung begrüßte die Einigung. "Der Präsident und Frau Merkel werden das Abkommen in Berlin unterzeichnen", bestätigte der Sprecher von Hamid Karzai SPIEGEL ONLINE, "damit unterstreichen beide Länder ihre enge Verbundenheit." In dem Text des Pakts werde Deutschland seinen Angaben zufolge weitere Unterstützung beim wirtschaftlichen Aufbau des Landes zusagen.

Ebenso bekräftigt Deutschland in dem Papier seine Absicht, mindestens zehn Jahre beim Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte zu helfen. Konkrete Zahlen, beispielsweise über deutsche Ausbilder für die Armee nach dem Nato-Abzug 2014, sollen jedoch nicht genannt werden.

Mit dem Abkommen verfährt Berlin ähnlich wie die USA, die nach zähen Verhandlungen kürzlich ein strategisches Partnerschaftsabkommen mit Afghanistan geschlossen hatten. Auf dem Nato-Gipfel wird die Zukunft des Krisenlandes eine zentrale Rolle spielen. So wollen die Bündnisstaaten Kabul trotz des Abzugs der Isaf eine langfristige Unterstützung zusagen. Gerungen wird noch um das Budget zur weiteren Unterstützung der afghanischen Armee, die nach US-Berechnungen bis 2024 jährlich rund vier Milliarden Dollar kosten wird. Die USA haben sich bereit erklärt, etwa die Hälfte der Summe zu übernehmen. Berlin hat einen substantiellen Anteil angekündigt, dieser wird vermutlich um die 150 Millionen Euro pro Jahr liegen.

Trotz der Planungen der Nato, die Isaf-Mission Ende 2014 auslaufen zu lassen, werden die USA und auch andere Nationen insgesamt Tausende Soldaten im Land lassen. Zum einen sollen die verbleibenden Einheiten den Aufbau der afghanischen Armee weiter unterstützten, daneben werden Spezialeinheiten auch nach 2014 in Afghanistan Terrorverdächtige und Talibanführer jagen.

Auch die Bundeswehr wird dem Vernehmen nach in den Jahren nach dem Ende der Isaf-Mission weiterhin Soldaten in Afghanistan stationiert haben. Wie viele das sein werden, will jedoch derzeit niemand aus der Bundesregierung oder dem Wehrressort sagen. Gerechnet wird jedoch mit einer Größenordnung von rund tausend Mann.

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insgesamt 14 Beiträge
Das was Deutschland jetzt zusichert, hätte man schon vor diesem Sch... Krieg zusichern können. Das wäre billiger und hilfreicher gewesen und der Reputation Deutschlands zuträglicher. Zusätzlich hätte es einer Nation, die nur [...]
Zitat von sysopBis Ende 2014 will die Bundeswehr ihren Einsatz beenden, im Stich lassen will Deutschland Afghanistan aber nicht. Deshalb werden Kanzlerin Merkel und der afghanische Präsident Karzai nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ein umfangreiches Partnerschaftsabkommen unterzeichnen. Afghanistan: Deutsches Partnerschaftsabkommen mit Kabul - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,831628,00.html)
Das was Deutschland jetzt zusichert, hätte man schon vor diesem Sch... Krieg zusichern können. Das wäre billiger und hilfreicher gewesen und der Reputation Deutschlands zuträglicher. Zusätzlich hätte es einer Nation, die nur eine Verteidigungsarmee wollte, hatte und auch dafür bekannt war, besser gestanden. MfG. Rainer
misprint 06.05.2012
Es ist ein Jammer was mit diesem gebeutelten Land passiert. Unter einer Partnerschaft verstehe ich aber eine Verbindung von der beide Seiten irgendwie profitieren. Vielleicht sollte man das einfach in [...]
Zitat von sysopBis Ende 2014 will die Bundeswehr ihren Einsatz beenden, im Stich lassen will Deutschland Afghanistan aber nicht. Deshalb werden Kanzlerin Merkel und der afghanische Präsident Karzai nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ein umfangreiches Partnerschaftsabkommen unterzeichnen. Afghanistan: Deutsches Partnerschaftsabkommen mit Kabul - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,831628,00.html)
Es ist ein Jammer was mit diesem gebeutelten Land passiert. Unter einer Partnerschaft verstehe ich aber eine Verbindung von der beide Seiten irgendwie profitieren. Vielleicht sollte man das einfach in "Unterstützung" umbenennen, denn ich weiss nicht was Afghanistan uns in seiner jetzigen Verfassung anbieten kann, mal von ihren Bodenschätzen abgesehen, die aber schwer zu erschließen sein werden und wahrscheinlich eh an die USA oder China verramscht werden. Ich hoffe dass das Land irgendwann zur Ruhe kommt und zu alter Pracht - von vor den unzähligen Konflikten und Kriegen - zurückfindet. Ich empfehle die "Afghanistan before the Wars" docu auf youtube. Sollte sich jeder mal anschauen - sehr eindrucksvoll.
DenkZweiMalNach 06.05.2012
ist es, denn da hat man manchmal auch den Eindruck, die Touristen sollten an der Landesgrenze nur das Geld abliefern und dann gleich wieder verschwinden. So scheint die Politik immerhin lernfähig und liefert demnächst nur noch [...]
ist es, denn da hat man manchmal auch den Eindruck, die Touristen sollten an der Landesgrenze nur das Geld abliefern und dann gleich wieder verschwinden. So scheint die Politik immerhin lernfähig und liefert demnächst nur noch das Geld ab. Das schont (nur deutsche) Menschenleben, ändert aber an der Verlogenheit wenig: Man hat kein Rezept. Wer dann von dem Geld profitiert und was dafür gekauft wird, das wird man auch nie ehrlich erfahren.
fortion 06.05.2012
Das ist wahr und ich wäre weniger enttäuscht und verbittert darüber gewesen, wenn die üblichen Verdächtigen deutsche Soldaten, mühsam als Brunnenbohrer getarnt, in Wahrheit aber als Besatzer und Hilfswillige des Großen [...]
Zitat von Rainer HelmbrechtDas was Deutschland jetzt zusichert, hätte man schon vor diesem Sch... Krieg zusichern können. Das wäre billiger und hilfreicher gewesen und der Reputation Deutschlands zuträglicher. Zusätzlich hätte es einer Nation, die nur eine Verteidigungsarmee wollte, hatte und auch dafür bekannt war, besser gestanden. MfG. Rainer
Das ist wahr und ich wäre weniger enttäuscht und verbittert darüber gewesen, wenn die üblichen Verdächtigen deutsche Soldaten, mühsam als Brunnenbohrer getarnt, in Wahrheit aber als Besatzer und Hilfswillige des Großen Bruders an den Hindukusch geschickt hätten. Daß ausgerechnet unsere Arbeiter- und Friedensfreunde die unselige wilhelminische Traditon vom deutschen Wesen, an dem die Welt genesen sollte wieder aufnahmen und dummdreist das Spiel vom lieben gutmütigen und gutwilligen Imperialisten und Menschenschnitzer spielten hat mich der Sozialdemokratie und den spießigen Oliv-Grünen für immer entfremdet. MfG M.
guteronkel 06.05.2012
Abgesehen davon, dass der Begriff Abzug relativ ungenau ist, das Versagen von Bundeswehr und Politik verschleiern, ist es für den deutschen Steuerzahler ein Schlag ins Gesicht, dass da wieder etliche Millionen in den Sand gesetzt [...]
Abgesehen davon, dass der Begriff Abzug relativ ungenau ist, das Versagen von Bundeswehr und Politik verschleiern, ist es für den deutschen Steuerzahler ein Schlag ins Gesicht, dass da wieder etliche Millionen in den Sand gesetzt werden. Ich schlage vor, dass alle Politiker, die den Einsatz befürworteten dorthin deportiert werden und als Dank eine Scheibe Brot bekommen.
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  • Sonntag, 06.05.2012 – 18:01 Uhr
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Beschlüsse der Kabuler Afghanistan-Konferenz
Die afghanische Regierung will spätestens 2014 die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land von den ausländischen Truppen übernehmen. Mitte 2011 will Deutschland beginnen, seine Truppen abzuziehen. Derzeit sind in Afghanistan unter dem Kommando der Nato rund 85.000 Soldaten aus mehr als 40 Ländern stationiert. Um den Abzug zu ermöglichen, werden derzeit afghanische Soldaten und Polizisten ausgebildet. Die internationale Gemeinschaft rechnet damit, dass Afghanistan bis zum Herbst 2011 171.600 Soldaten und 134.000 Polizisten benötigt. Deutschland beteiligt sich an dem Aufbau der afghanischen Armee und bildet zudem mit gut 200 Polizeibeamten die örtlichen Polizisten in bilateralen Programmen aus.

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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Die Positionen der Parteien zum Afghanistan-Einsatz
REUTERS
Für die Union ist klar, dass der Einsatz der Bundeswehr fortgeführt werden soll. "Dieses Mandat ist über jeden vernünftigen völkerrechtlichen oder verfassungsrechtlichen Zweifel erhaben", erklärte CDU-Chefin Angela Merkel. Forderungen nach einem sofortigen Rückzug aus Afghanistan nannte sie "unverantwortlich".

Sie warnte vor "unabsehbaren" Folgen für die Sicherheit der Deutschen und ihrer Verbündeten; Folgen, die "weit verheerender wären" als jene der Anschläge vom 11. September 2001. Zudem würde Afghanistan "in Chaos und Anarchie versinken".

Mit Blick auf den deutschen Einsatz betont die Union, es könne "keinen zivilen Aufbau ohne eine militärische Absicherung geben". Die Union will den Afghanistan-Einsatz zeitlich nicht konkret begrenzen. "Die internationale Gemeinschaft wird ihre militärische Präsenz so lange aufrechterhalten, wie es nötig ist, nicht länger, aber auch nicht kürzer", erklärte Merkel. Es müsse mit der afghanischen Regierung eine "Übergabe in Verantwortung" geben.

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