Berlin - Die Bundeswehr gibt ihren zweitgrößten Afghanistan-Stützpunkt Kunduz nach knapp einem Jahrzehnt auf. Das Lager mit derzeit noch etwa 1100 Soldaten wird nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Lauf des kommenden Jahres geschlossen. Davor wird auch der Außenposten OP (Observation Post) North im Baghlan-Tal dicht gemacht. Dort sind noch etwa 600 Angehörige der Bundeswehr im Einsatz.
Der Abzug der deutschen Kampftruppen vom Hindukusch wird damit immer konkreter. Abgeschlossen sein soll er bis Ende 2014. Das Bundeskabinett hatte dafür diese Woche ein neues Mandat auf den Weg gebracht, dem der Bundestag noch zustimmen muss. Eine Mehrheit gilt als sicher. Im Lauf des nächsten Jahres sollen dann mehr als tausend Soldaten nach Deutschland zurückgeholt werden.
Die Schließung der Stützpunkte war schon seit längerer Zeit erwartet worden. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es bislang aber nicht. Bereits in diesem Jahr wurde der Außenposten Faisabad komplett geräumt. Damit werden die deutschen Truppen praktisch nur noch im Regionalkommando Masar-i-Scharif konzentriert sein.
Das erste Vorauskommando war im Oktober 2003 in Kunduz eingetroffen. Der gesamte Afghanistan-Einsatz dauert bereits seit Dezember 2001. In der Provinz Kunduz wurden 15 deutsche Soldaten bei Anschlägen und Angriffen getötet - mehr als in jeder anderen Region Afghanistans. Insgesamt kostete der Einsatz 52 Angehörige der Bundeswehr das Leben, 34 davon starben bei Anschlägen und Angriffen. Seit anderthalb Jahren jedoch gab es dort keine deutschen Toten mehr zu beklagen.
Auch nach dem Abzug der letzten deutschen Kampftruppen wird die Bundeswehr aber noch in Afghanistan vertreten sein. Experten rechnen damit, dass mindestens tausend deutsche Soldaten im Land bleiben. Derzeit umfasst das gesamte deutsche Kontingent noch etwa 4600 Soldaten.
Oberst Klein wird Brigadegeneral
Der durch die Kunduz-Affäre bekannt gewordene Bundeswehr-Oberst Georg Klein ist derweil befördert worden. Der 51-Jährige werde an diesem Samstag Abteilungsleiter im neuen Bundeswehr-Amt für Personalmanagement in Köln, wie das Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte. Das hat dann in einigen Monaten die Ernennung zum Brigadegeneral zur Folge.
Bei der Veröffentlichung der Pläne im Sommer hatte es Kritik gegeben. Klein hatte vor mehr als drei Jahren in Afghanistan die Bombardierung zweier Tanklastzüge in der Nähe von Kunduz veranlasst. Dabei kamen im September 2009 mehr als hundert Menschen ums Leben, darunter viele Zivilisten. Die juristischen Ermittlungen gegen Klein wurden eingestellt. Auch ein Disziplinarverfahren gab es nicht. Zuletzt war Klein Vizechef der Stammdienststelle der Bundeswehr.
als/dpa/AFP
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