Afghanistan-Einsatz: Bundeswehr schließt Standort Kunduz

Jahrelang war Kunduz der gefährlichste Ort für die deutschen Soldaten in Afghanistan. Doch 2013 wird der Bundeswehr-Stützpunkt im Norden des Krisenlandes geschlossen.

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dapd

Bundeswehr-Feldlager Kunduz: 2013 wird der Standort geschlossen

Berlin - Die Bundeswehr gibt ihren zweitgrößten Afghanistan-Stützpunkt Kunduz nach knapp einem Jahrzehnt auf. Das Lager mit derzeit noch etwa 1100 Soldaten wird nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Lauf des kommenden Jahres geschlossen. Davor wird auch der Außenposten OP (Observation Post) North im Baghlan-Tal dicht gemacht. Dort sind noch etwa 600 Angehörige der Bundeswehr im Einsatz.

Der Abzug der deutschen Kampftruppen vom Hindukusch wird damit immer konkreter. Abgeschlossen sein soll er bis Ende 2014. Das Bundeskabinett hatte dafür diese Woche ein neues Mandat auf den Weg gebracht, dem der Bundestag noch zustimmen muss. Eine Mehrheit gilt als sicher. Im Lauf des nächsten Jahres sollen dann mehr als tausend Soldaten nach Deutschland zurückgeholt werden.

Die Schließung der Stützpunkte war schon seit längerer Zeit erwartet worden. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es bislang aber nicht. Bereits in diesem Jahr wurde der Außenposten Faisabad komplett geräumt. Damit werden die deutschen Truppen praktisch nur noch im Regionalkommando Masar-i-Scharif konzentriert sein.

Das erste Vorauskommando war im Oktober 2003 in Kunduz eingetroffen. Der gesamte Afghanistan-Einsatz dauert bereits seit Dezember 2001. In der Provinz Kunduz wurden 15 deutsche Soldaten bei Anschlägen und Angriffen getötet - mehr als in jeder anderen Region Afghanistans. Insgesamt kostete der Einsatz 52 Angehörige der Bundeswehr das Leben, 34 davon starben bei Anschlägen und Angriffen. Seit anderthalb Jahren jedoch gab es dort keine deutschen Toten mehr zu beklagen.

Auch nach dem Abzug der letzten deutschen Kampftruppen wird die Bundeswehr aber noch in Afghanistan vertreten sein. Experten rechnen damit, dass mindestens tausend deutsche Soldaten im Land bleiben. Derzeit umfasst das gesamte deutsche Kontingent noch etwa 4600 Soldaten.

Oberst Klein wird Brigadegeneral

Der durch die Kunduz-Affäre bekannt gewordene Bundeswehr-Oberst Georg Klein ist derweil befördert worden. Der 51-Jährige werde an diesem Samstag Abteilungsleiter im neuen Bundeswehr-Amt für Personalmanagement in Köln, wie das Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte. Das hat dann in einigen Monaten die Ernennung zum Brigadegeneral zur Folge.

Bei der Veröffentlichung der Pläne im Sommer hatte es Kritik gegeben. Klein hatte vor mehr als drei Jahren in Afghanistan die Bombardierung zweier Tanklastzüge in der Nähe von Kunduz veranlasst. Dabei kamen im September 2009 mehr als hundert Menschen ums Leben, darunter viele Zivilisten. Die juristischen Ermittlungen gegen Klein wurden eingestellt. Auch ein Disziplinarverfahren gab es nicht. Zuletzt war Klein Vizechef der Stammdienststelle der Bundeswehr.

als/dpa/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Warum
duke373 30.11.2012
Zitat von sysopJahrelang war Kunduz der gefährlichste Ort für die deutschen Soldaten in Afghanisten. Doch 2013 wird der Bundeswehr-Stützpunkt im Norden des Krisenlandes geschlossen. Afghanistan-Einsatz: Bundeswehr schließt Standort Kunduz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afghanistan-einsatz-bundeswehr-schliesst-standort-kunduz-a-870310.html)
Schön ist, das es langsam aber sicher zu Ende geht. Warum aber wird noch immer auf Oberst respektive General Klein herumgeritten? Er wurde von keinem deutschen Gericht für schuldig befunden, also sollte doch langsam aber sicher mal genug sein. Er hat absolut richtig gehandelt... auch wenn das der ein oder andere Gutmensch anders sieht. Fraglich bei dem Abzug ist, ob es wirklich notwendig ist jetzt noch die ca. 14 Mio € an Baumassnahmen zu investieren.
2. meine meinung
bo.hanson 30.11.2012
war schon von Anfang an, dass dies die größte Herausforderung der BW wird. Nach 11 Jahren der intensiven Begleitung auf medialer Ebene, bin ich stolz auf die Frauen und Männer die dort ihren Dienst geleistet haben. Denn ich bezweifle, dass den meisten hier im Forum die wirklichen Bedingungen ,(unter denen in diesem extrem rückständigen Land gedient wird) bekannt sind. Und, verdammt noch mal, warum tun wir (politische und militärische Führung) uns immer so schwer mit einer ordentlichen Bewaffnung? Hallo? Hab ich nie verstanden. Soldaten sollten sich doch mindestens selbst verteidigen können. Ich versteh dass nicht. Wir sind nicht mehr die Welteroberer! Im Gegenteil, wir sind letztendlich die Guten! Das mag jetzt einigen im Forum nicht passen. Aber letztendlich ist es so! Also, seit stolz auf Europa und seine Werte! Ich behaupte, mit der Ausnahme von Australien und Neuseeland sind die Lebensumstände nirgendwo besser als hier! Also Ihr ewig nörgelnden Besserwisser, welcome to kongo. ....und ich bin mir ziemlich sicher, ich hätte auch wie Oberst Klein gehandelt. Und nochmals an diese ewigen Nerds: Begreift es!! Solche Entscheidungen werden doch nicht nach Laune befohlen. Hoffentlich kommen alle gut raus.
3. Lange nicht gelacht!
beblein 01.12.2012
Zehn Jahre zu spaet! Wozu ist man eigentlich in Afghanistan? Um Demokratie zu verkaufen? Der Koran kennnt das Wort nicht und die Weiber betrifft es nicht! Man schlaegt sie nach "Gutduenken" tot!
4.
Hans58 01.12.2012
Zitat von duke373.... Fraglich bei dem Abzug ist, ob es wirklich notwendig ist jetzt noch die ca. 14 Mio € an Baumassnahmen zu investieren.
Tja, es gibt in der Bw eine uralte Tradition: Wenn eine Kaserne saniert wird, erfolgt deren Schließung relativ zügig nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen. Warum soll es in AFG anders sein als in der Heimat? Sie haben aber recht, hier müsste Einhalt geboten werden.
5. Nur zur Information ,...
Bördeknüppel 29.03.2013
... unser Kriegsminister lässt den Stützpunkt in DIESEM Jahr noch für über 20 MILLIONEN um-und ausbauen !!! Kommt ja nicht darauf an , denn unsere ach so CHRISTLICHE Merkel-Regierung gibt in JEDEM Jahr über eine MILLIARDE für den Krieg NUR in Afghanistan aus ! PS: Die anderen Kriegsbeteiligungen kosten auch jährlich hunderte von Millionen ! Und es werden immer mehr ! Wir haben`s ja !
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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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