Afghanistan-Einsatz KSK-Soldaten sprühten Wehrmachtssymbol auf Wagen

Soldaten der Bundeswehr-Elitetruppe KSK sollen bei ihrem ersten Afghanistan-Einsatz ab Ende 2001 ein nachgemachtes Wehrmachtssymbol auf Geländefahrzeugen verwendet haben - es erinnert an Hitlers Afrika-Korps. Das Verteidigungsministerium kündigte eine Untersuchung an.


Hamburg - Auf einem "Wolf"-Geländewagen sei das nachgemachte Palmensymbol von Adolf Hitlers deutschem Afrika-Korps aufgesprüht worden, berichtet der "Stern". Ein Foto, das das Symbol auf der Seitentür des Wagens zeige, hätten Soldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) in ihrem Lager auf der omanischen Halbinsel Masirah gemacht. Dort hätten sie sich ab Ende November 2001 auf ihren Einsatz in Afghanistan vorbereitet.

Ein KSK-Soldat sagte dem "Stern": "Ein paar unserer Jungs sind Ewiggestrige und fanden es besonders schick, mit dieser Wehrmachtsinsignie herumzufahren." Er selbst und andere Kameraden hätten das aufgemalte Emblem aber "einfach übel" gefunden. Fahrzeuge mit dem nachgemachten Zeichen des Afrika-Korps hat der Soldat nach seinen Angaben im "Stern" auch nach deren Verwendung in Afghanistan am Heimatstandort des KSK im baden-württembergischen Calw gesehen.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, erklärte zu den im "Stern" abgedruckten Bildern: Es sei auf den Bildern nicht erkennbar, ob das abgebildete Fahrzeug zur Bundeswehr gehöre. Er weise darauf hin, dass die Farbe des Fahrzeuges weiß sei. Im Augenblick gebe es noch keine Anhaltspunkte, dass es sich um ein Fahrzeug der Bundeswehr handele.

"Wir gehen der Sache nach und werden das prüfen", so Raabe. Er gebe zu bedenken, dass das Bild aus dem Jahr 2001 stammen soll und es daher nicht innerhalb von wenigen Stunden zu ermitteln sei, um was für ein Fahrzeug es sich handele.

Die Palme auf dem Foto, das dem "Stern" zugespielt wurde, ist allerdings mit einem Eisernen Kreuz verziert - nicht, wie auf entsprechenden Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg, mit einem Hakenkreuz.

Nach Darstellung des Magazins werden das Foto und die Aussagen des Soldaten möglicherweise den Bundestags-Verteidigungsausschuss beschäftigen, der als Untersuchungsausschuss Misshandlungsvorwürfe des früheren US-Gefangenen Murat Kurnaz gegen KSK-Soldaten sowie Rolle und Tätigkeit der deutschen Spezialkräfte bei ihren streng geheimen Afghanistan-Einsätzen 2001 und 2002 untersuchen soll.

jaf/sev/AFP



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