Nächster Flug nach Kabul "Pro Asyl" fordert Abschiebestopp nach Afghanistan

Am Abend soll in München der nächste Flug nach Kabul starten. Menschenrechtler drängen Bund und Länder erneut, die Abschiebungen nach Afghanistan wegen der Gefahrenlage am Hindukusch einzustellen.

Abschiebeflugzeug (Archivaufnahme)
DPA

Abschiebeflugzeug (Archivaufnahme)


Die Fortsetzung von Abschiebeflügen nach Afghanistan ist nach Ansicht von Pro Asyl unverantwortlich. Nach Informationen des Bayerischen Flüchtlingsrats soll am Dienstagabend erneut eine Chartermaschine starten - nicht wie zunächst vermutet vom Flughafen Düsseldorf, sondern vom Airport München aus.

Die Menschenrechtsorganisation fordert vor dem zehnten Abschiebeflug nach Kabul erneut einen Stopp. Die jüngsten internationalen Berichte zeigten, dass Afghanistan zerfalle. "Über zehntausend zivile Opfer in einem Jahr, Anschläge selbst in der hochgesicherten Hauptstadt Kabul zeigen die Eskalation."

Zugleich warf Pro Asyl Bund und Ländern vor, die Augen zu verschließen und sich hinter Schutzbehauptungen zu verstecken. Ablehnungen in Asylverfahren und Abschiebungsentscheidungen gründeten auf einem veralteten Lagebericht des Auswärtigen Amts vom Oktober 2016.

Mindestens 29 Tote bei Taliban-Überfällen und Explosion

Bei zahlreichen Überfällen der radikalislamischen Taliban auf Sicherheitskräfte sowie einer mysteriösen Explosion in einem Hotel in Ostafghanistan kamen derweil in Afghanistan insgesamt mindestens 29 Menschen ums Leben.

In der westafghanischen Provinz Farah starben bei Angriffen auf zwei Polizeiposten 16 Polizisten. Das Gefecht, das am frühen Dienstagmorgen im Bezirk Bala Bulok begann, habe stundenlang gedauert, berichteten der Chef des Provinzrats, Faridullah Bachtawar, und örtliche Medien. Gleichzeitig seien bei einem Überfall auf einen Posten innerhalb der Provinzhauptstadt fünf Polizisten gestorben, vier seien vermisst, sagte Bachtawar.

Ein Sprecher der Provinzregierung, Mohammad Naser Mehri, sagte, dass insgesamt bei den drei Vorfällen acht Polizisten getötet worden seien. Afghanische Regierungssprecher sind bekannt dafür, Opferzahlen für die Öffentlichkeit kleinzuhalten.

Schon in der Nacht waren nach offiziellen Angaben in der südafghanischen Provinz Helmand mindestens fünf Polizisten getötet und sechs verletzt worden, als Taliban einen Sicherheitsposten im Bezirk Nadali angriffen. Die Taliban bekannten sich zu allen Überfällen.

als/dpa/AFP



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