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Afghanistan: Regierung plant Abzug deutscher Soldaten ab Ende des Jahres

Die USA wollen Tausende Soldaten aus Afghanistan nach Hause holen, auch die Bundesregierung hält an ihren Abzugsplänen fest: Sie will ihre Truppen vor Ort ab Ende des Jahres reduzieren - trotz schwerer Anschläge der Taliban in den vergangenen Wochen.

Bundeswehrsoldat in Afghanistan: Truppen vor Ort sollen reduziert werden Zur Großansicht
REUTERS

Bundeswehrsoldat in Afghanistan: Truppen vor Ort sollen reduziert werden

Hamburg - Die Bundesregierung will Soldaten aus Afghanistan abziehen. Man sei zuversichtlich, die Truppen dort ab Ende des Jahres reduzieren zu können, heißt es laut Informationen des SPIEGEL in dem Entwurf des Fortschrittsberichts für Afghanistan, der diese Woche dem Bundestag vorgelegt werden soll. Eine genaue Zahl wird in dem Bericht nicht genannt.

Die Entscheidung solle "im Lichte der dann gegebenen Lage" fallen, heißt es dort lediglich. Die Formulierung ist ein Kompromiss zwischen Außen- und Verteidigungsministerium. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) spricht sich seit längerer Zeit dafür aus, den Abzug zum Jahresende zu starten.

Laut Generalinspekteur Volker Wieker wird der geplante Truppenabbau sich wahrscheinlich in der Größenordnung von 500 Soldaten bewegen. Dies sei ein "Rahmen, an dem man sich orientieren kann", sagte er dem Deutschlandfunk. Damit würde die Bundeswehr jene Zahl an Soldaten wieder zurückholen, die sie im vergangenen Jahr zusätzlich nach Afghanistan entsandt hatte. Das deutsche Kontingent beträgt derzeit 5000 Soldaten plus eine flexible Reserve von 350 Mann für Notfälle.

Aus dem Wehrressort hatten sich zuletzt die Stimmen verstärkt, die eine Reduzierung des deutschen Kontingents gerade in der angespannten und sich weiter verschlechternden Sicherheitslage in Nordafghanistan für unrealistisch halten. Eine Reduzierung der deutschen Truppe hängt laut Wieker noch davon ab, was die USA aus dem Norden abziehen und wie sich die anderen truppenstellenden Nationen verhalten, mit denen die Bundeswehr im Norden Afghanistans zusammenarbeitet. Er werde darüber mit seinen Kollegen im September beraten, kündigte Wieker an.

Unzufrieden zeigte sich der Generalinspekteur über die Ankündigung der USA, bis zum Sommer nächsten Jahres rund 33.000 Soldaten abzuziehen. Dies sei ein ambitioniertes Ziel. "Man hätte vielleicht ein etwas gestreckteres Zeitfenster erwarten können." Es komme nun darauf an, welche Truppenteile die USA nach Hause holten. Letztlich stellten sie im Norden Afghanistans Kernfähigkeiten. Man stehe mit den Amerikanern in engen Verhandlungen, um sicherzustellen, dass die Deutschen und alle übrigen Verbündeten "weiterhin ihren Auftrag erfüllen können".

Die Attacken der Taliban in den vergangenen Wochen bezeichnete Wieker als Rückschläge. Diese dürften aber nicht den Blick verstellen auf die gesamte Entwicklung vor Ort. Hier seien einige Erfolge zu verzeichnen. So seien die Taliban fast nicht mehr in der Lage in "komplexen Angriffen" etwa mit Hand- und Panzerabwehrwaffen die Schutztruppe ISAF und die afghanischen Streitkräfte zu gefährden, die Bevölkerung Repressalien auszusetzen oder Mitläufer zu rekrutieren.

Ineffiziente Truppe?

Die Bundeswehr arbeitet einem Bericht der "Wirtschaftswoche" zufolge im Vergleich zu anderen westeuropäischen Armeen äußerst ineffizient. Während die Zahl der einsatzfähigen deutschen Soldaten bei 7000 liege, seien es in Großbritannien 22.000 und in Frankreich 30.000 Soldaten. Das berichtete die Zeitung am Samstag unter Berufung auf Zahlen der Europäischen Verteidigungsagentur EDA

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte die Zahlen nicht kommentieren. Die Bundeswehr befinde sich gerade in einer Neuausrichtung der Streitkräfte, die diese auch effizienter machen solle, sagte der Sprecher lediglich. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will im Zuge der geplanten Reform den Schwerpunkt von der Landesverteidigung auf ein internationales Engagement und damit mehr Auslandseinsätze verschieben. Trotz verringerter Truppenstärke sollen 10.000 Soldaten statt wie bisher 7000 gleichzeitig in Auslandseinsätze geschickt werden können.

wit/cai/Reuters

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1. Katz und Maus Spiel
papayu 03.07.2011
Alle fremden Soldaten abziehen. Dann wird sich herausstellen, was die Taliban noch wollen oder koennen und was die Bevoelkerung daraus macht. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis, wenn ueberhaupt,die Taliban wieder in der Bevoelkerung "angekommen" sind. Die Regierung duerfte dann "Kante" zeigen. Die Frage ist nur, ob Deutschland dann noch einen Verteidigungsminister benoetigt??
2. Gott sei Dank
Klaus.G 03.07.2011
Die Regierung ist doch noch lernfähig und respektiert den Willen der Mehrheit der Bevölkerung.
3. Ein Teilabzug ist gefährlich und nicht Sinnvoll
aaaaaaaaaa 03.07.2011
Zitat von sysopDie USA wollen Tausende Soldaten aus Afghanistan nach Hause holen, auch die Bundesregierung hält an ihren Abzugsplänen fest: Sie will ihre Truppen vor Ort ab Ende des Jahres reduzieren - trotz schwerer Anschläge der Taliban in den vergangenen Wochen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,771993,00.html
Wenn wir schon die richtige Entscheidung getroffen haben, dann bitte komplett ausführen. Ein Teilabzug würde unsere Soldaten in unnötige Gefhar bringen. Wir müssen nicht unbedingt als letzte Streitkraft das Licht in Afghanistan ausschalten. Diese Ehre können wir den Amerikanern überlassen.
4. Der Schlappen wurde es eben zu viel
achazvonthymian 03.07.2011
Allerdings fragt man sich, welche Logik dahinter steckt: Der Westen ist derzeit noch mit großer Besatzung anwesend und kassiert trotzdem laufend militärische Schlappen. Die Talibans haben schon einige deutsche Soldaten im Zinksarg nach Hause geschickt.´und sind ungebrochen. Jetzt kündigt man den Abzug an und überlässt das afghanische Volk seinem Schicksal. Die Talibans lachen sich kaputt, sie werden anschließend erst recht wieder die Herrschaft übernehmen. Die afghanischen regulären Truppen, soweit es sie überhaupt gibt, werden mit Sicherheit keine Gegner für die Talibans sein. Was wird passieren? Die Afghanen einschl. Häuptling Karsai werden sich vorsorglich schon jetzt mit den neuen/alten Herren, den Talibans, gut stellen, damit sie nach dem Abzug des Westen weiter leben dürfen. Das erklärt auch die vermuteten Verrats und Maulwürfe in den eigenen Reihen "westtreuer" Afghanen. Was bleibt unter dem Strich? Es ist der Zustand wieder wie vor 2001 hergestellt, außer dass deutsche Steuergelder verpulvert wurden und Hunderte deutscher Soldaten ihr Leben gelassen haben. Ein Schildbürgerstreich am Hindukusch.
5. ...
thrasybulos 03.07.2011
Zitat von Klaus.GDie Regierung ist doch noch lernfähig und respektiert den Willen der Mehrheit der Bevölkerung.
Wenn sie das täte, würden gleich alle Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden.
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Fotostrecke
Einsatz in Afghanistan: Abzug aus einem geschundenen Land

Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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