Berlin - Die Nato sucht nach einer neuen Strategie für Afghanistan, Deutschland beklagt den Tod von drei Bundeswehrsoldaten bei Kunduz, und in der Bevölkerung wächst der Wunsch nach einem schnellen Abzug der deutschen Truppen.
Rückzugsforderungen erteilt der ehemalige Verteidigungsminister und heutige SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck allerdings eine klare Absage. "Ich sehe keinen Grund, jetzt aufzugeben und zu sagen: Es tut mir leid, die über 30 deutschen Soldaten sind leider umsonst gestorben, wir gehen raus", sagte Struck dem SPIEGEL. Er befürchte, dass der Abzug der Deutschen "noch zehn Jahre dauern" könne.
Im Streitgespräch mit dem Kriegskritiker Jürgen Todenhöfer plädierte Struck für eine intensivere Suche nach diplomatischen Lösungen - und für direkte Kontakte zu den aufständischen Islamisten. "Ich habe in Kunduz schon mit Taliban gesprochen", betonte Struck, "wir müssen alle einbeziehen - jedenfalls die gemäßigten Taliban. Jemanden wie Mullah Omar würde ich ausschließen. Ich habe mir seinen Lebenslauf angesehen. Das ist ein Massenmörder."
Auch Pakistan müsse eingebunden werden: "Es muss uns gelingen, die pakistanische Regierung dazu zu bringen, gemeinsam mit den Afghanen die Taliban zu bekämpfen. Angesichts der geografischen Gegebenheiten halte ich eine militärische Lösung allerdings für ausgeschlossen."
Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Todenhöfer forderte hingegen, jeder Abgeordnete, der für den Krieg stimme, solle vier Wochen mit an die Front: "Die sollten einmal in einem Schützenpanzer die Gefahr spüren, die sie unseren Soldaten und den Afghanen zumuten. Die Zahl der Kriege würde dramatisch sinken."
Todenhöfer kritisierte scharf den "Bombenterror der USA": "Für ein muslimisches Kind macht es keinen Unterschied, ob es von einem al-Qaida-Selbstmordattentäter oder von einer amerikanischen Bombe zerfetzt wird. Die Bush-Regierung hat viel mehr muslimische Zivilisten getötet als al-Qaida westliche Zivilisten."
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