Nach Rückführung von 69 Afghanen Bundesamt will unrechtmäßig abgeschobenen Asylbewerber zurückholen

Weil ein Afghane rechtswidrig abgeschoben worden sein soll, geriet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in die Kritik. Nun soll der 20-Jährige nach Deutschland zurückgeholt werden.

Startender Flieger am Köln Bonn Airport
picture alliance / Geisler-Fotop

Startender Flieger am Köln Bonn Airport


Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) will einen wohl unrechtmäßig abgeschobenen Asylbewerber aus Afghanistan zurückholen. "Das Bamf will die für die Rückholung nötigen Schritte einleiten", sagte die Sprecherin des Bundesinnenministeriums, Eleonore Petermann, zum Fall des Asylbewerbers, der aus Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern abgeschoben worden war.

Ein Asylbewerber aus Mecklenburg-Vorpommern war laut einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks offenbar illegal nach Afghanistan abgeschoben worden. Der 20-jährige Nasibullah S. soll zu der Gruppe der 69 Menschen gehört haben, die am 3. Juli nach Kabul geflogen worden waren.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte nach der Sammelabschiebung gewitzelt, "ausgerechnet" an seinem 69. Geburtstag seien 69 Afghanen abgeschoben worden. Seine Äußerungen fassten viele als zynisch auf. Am Tag danach wurde bekannt, dass einer der Abgeschobenen nach seiner Ankunft in Kabul Suizid begangen hatte. Jamal Naser Mahmodis Vater erhob im SPIEGEL schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden.

Im Fall von Nasibullah S. ging das Bamf laut NDR trotz eines richterlichen Hinweises davon aus, dass der Asylantrag des Flüchtlings rechtskräftig abgelehnt worden sei. Der Mann hatte laut seiner Anwältin Sonja Steffen aber schon im vergangenen Jahr gegen die Ablehnung geklagt. Dies bestätigte auch das zuständige Verwaltungsgericht in Greifswald. Zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens hätte der Mann nicht abgeschoben werden dürfen, hatte ein Gerichtssprecher im NDR erklärt.

Steffen, die auch für die SPD im Bundestag sitzt, rechnet mit einer baldigen Rückkehr des 20-Jährigen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) "hat sich wegen der Rückholung bei mir nach Kontaktdaten erkundigt", zitiert die Nachrichtenagentur AFP die Anwältin.

Bundesinnenminister Seehofer hatte zuvor von einem "offensichtlichen Behördenfehler" im Fall von Nasibullah S. gesprochen. Nicht einmal die Behörden des Bundeslandes hätten über den Fehler des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) Bescheid gewusst, sagte Seehofer am Mittwoch in Berlin. So habe das Bamf die Identität des Mannes falsch zugeordnet.

Im Video: Gekaufte Asylverfahren - Die Bamf-Affäre in Bremen

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asa/dpa



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