Afrika-Einsatz Merkel will Bundeswehr in den Kongo schicken

Die Bundesregierung soll nun doch zu einer größeren Beteiligung der Bundeswehr an der EU-Mission im Kongo bereit sein. Kanzlerin Merkel wolle bis zu 500 Soldaten in das Krisengebiet entsenden, berichtet die "Welt". Kampftruppen sind jedoch nicht vorgesehen.


Berlin - Angela Merkel wolle mit der Entsendung ein Signal der Zusammenarbeit mit Frankreich geben, berichtet die "Welt" unter Berufung auf Mitglieder des Verteidigungsausschusses des Bundestages. In der Bundeswehr-Führung seien bereits mehrere Szenarien für den Kongo-Einsatz erarbeitet worden. Eines dieser Szenarien sehe die Entsendung von 300 bis 500 Soldaten vor.

Damit würde Deutschland ebenso viele Soldaten stellen wie Frankreich. Allerdings sollen zum deutschen Kontingent keine Kampftruppen gehören. Kampftruppen sollen nur von Frankreich gestellt werden. Der deutsche Beitrag werde neben Lufttransport-Einheiten aus Fernmeldern, Sanitätern, Pionieren und Logistik-Kräften bestehen. Das Einsatzgebiet soll sich auf die Hauptstadt Kinshasa und die nähere Umgebung beschränken.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) habe erklärt, er könne sich vorstellen, dass die Bundeswehr mit einem Drittel der Kräfte in den Kongo gehe, während zwei Drittel außerhalb des Landes stationiert seien, berichtet das Blatt unter Berufung auf Teilnehmer einer Sitzung des Verteidigungsausschusses.



Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wollte den Bericht heute in der Bundespressekonferenz nicht bestätigen. Die Regierung werde erst nach dem Bericht der EU-Erkundungskommission über eine deutsche Beteiligung an der Kongo-Mission entscheiden.



Der Einsatz der Bundeswehr in der Demokratischen Republik Kongo steht zur Debatte, nachdem die Uno die EU im vergangenen Jahr zur Entsendung von Truppen - zur Absicherung der für Juni geplanten Wahlen - aufgefordert hatte. Die EU erklärte sich in der vergangenen Woche prinzipiell zu dem Einsatz bereit.



FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger kritisierte, die Regierung wisse nicht, was sie wolle. Noch in der vorigen Woche sei nur von Transportflugzeugen und Sanitätern geredet worden. Homburger forderte Jung auf, die Spekulationen zu beenden: "Die Soldaten brauchen Klarheit."

Jung hatte noch vergangenen Monat eine größere Beteiligung der Bundeswehr im Kongo abgelehnt. Die Wahrscheinlichkeit, dass deutsche Soldaten in größerer Zahl dort Dienst tun könnten, werde immer geringer, sagte er damals.

als/afp/ddp



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