Umstrittene Agenda 2010: Trittin macht SPD für soziale Folgen verantwortlich

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Grünen-Fraktionschef Trittin: "Wir hätten heute manches Problem nicht"

Die Grünen gehen auf Distanz zur SPD und Ex-Kanzler Gerhard Schröder: Fraktionschef Jürgen Trittin gibt seinem ehemaligen Regierungspartner die Schuld an den Wirkungen der umstrittenen Reform-Agenda 2010. Es seien die Sozialdemokraten gewesen, die damals einen Mindestlohn blockiert hätten.

Berlin - Die Grünen machen die SPD für die sozialen Konsequenzen der gemeinsamen Reform-Agenda 2010 verantwortlich. Die Sozialdemokraten des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder hätten die Forderung ihres Koalitionspartners nach einem Mindestlohn blockiert, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin der Hannoverschen "Neuen Presse". "Wenn es nach den Grünen gegangen wäre, hätten wir heute manches Problem nicht."

Am 14. März 2003 hatte Schröder dem Bundestag seine Reformvorschläge präsentiert, die als Agenda 2010 bekannt wurden. Umgesetzt wurden die Reformen einschließlich der Hartz-IV-Regelung bis Anfang 2005. Es waren die umstrittensten Sozialreformen der Nachkriegszeit - mit Einschnitten bei der Rente, der Arbeitslosenunterstützung und im Gesundheitssystem.

Trittin war von 1998 bis 2005 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der rot-grünen Bundesregierung.

Hamburgs SPD-Bürgermeister Olaf Scholz sieht die Zunahme von Niedriglohn-Jobs dagegen nicht als Folge der Agenda 2010. "Es ist ja kein deutsches Phänomen, dass der Anteil derer wächst, die sehr wenig, zu wenig Geld verdienen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Entwicklung des Niedriglohnsektors habe eher mit der Globalisierung und der internationalen Arbeitsteilung zu tun.

In der SPD ist die Agenda 2010 bis heute heftig umstritten. Die Sozialdemokraten wollen mit deutlichen Korrekturen der Reformen in den Bundestagswahlkampf ziehen. Der SPD-Vorstand billigte am Montag einstimmig das Programm für die Wahl am 22. September. Es fordert unter anderem einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro und eine bessere Bezahlung für Leiharbeiter. Der Spitzensteuersatz soll auf 49 Prozent steigen. Die Steuermehreinnahmen sollen vor allem in die Bildung fließen. Außerdem will die Partei "den Finanzkapitalismus bändigen".

Verdi-Chef Frank Bsirske will "dafür sorgen, dass die Arbeitswelt zu einem Kernthema im Bundestagswahlkampf gemacht wird". Die schwarz-gelbe Regierung Angela Merkels (CDU) werde allerdings den dringend benötigten Kurswechsel nicht vollziehen. Ein rot-rot-grünes Bündnis nannte er "eine Regierungszukunft für Deutschland", die derzeit aber noch nicht realistisch sei.

Altbundeskanzler Schröder wird an diesem Dienstag erstmals seit 2005 wieder eine Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin besuchen

heb/dpa

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insgesamt 154 Beiträge
.... Sozialdemokraten! leider :-(
.... Sozialdemokraten! leider :-(
fuchs008 12.03.2013
"Die Entwicklung des Niedriglohnsektors habe eher mit der Globalisierung und der internationalen Arbeitsteilung zu tun." Damit hat Olaf Scholz recht. Und genau damit haben die Grünen überhaupt kein Problem. Sie treiben [...]
"Die Entwicklung des Niedriglohnsektors habe eher mit der Globalisierung und der internationalen Arbeitsteilung zu tun." Damit hat Olaf Scholz recht. Und genau damit haben die Grünen überhaupt kein Problem. Sie treiben die Öffnung der Grenzen und den Freihandel genauso voran wie CDU und SPD. Wer die deutschen Umwelt- und Sozialstandards erhalten will muss zwangsläufig mit Zöllen auf importierte Waren arbeiten. Die Lohnstückkosten müssen höher sein, wenn man ein gewisses Maß an Umweltschutz und sozialer Absicherung halten will. Jetzt mit dem Finger auf den Koalitionspartner zu zeigen und zu rufen "Haltet den Dieb" ist billig und typisch für grüne Politiker. Am EEG ist wahrscheinlich auch Frau Merkel schuld...
fatherted98 12.03.2013
....die Grünen als das soziale Gewissen..grade die neue Partei der besserverdienenden Gutmenschen. Die Grünen haben bei vielem zugestimmt was Schröder verzapft hat...nur um an der Macht zu bleiben und würden das wieder tun...sich [...]
....die Grünen als das soziale Gewissen..grade die neue Partei der besserverdienenden Gutmenschen. Die Grünen haben bei vielem zugestimmt was Schröder verzapft hat...nur um an der Macht zu bleiben und würden das wieder tun...sich jetzt aufzuplustern paßt ja voll ins Bild. Davon abgesehen....der Genosse der Bosse ist bei vielen ja schon in Vergessenheit geraten...der Wähler sollte nicht vergessen: Wer hat uns Arbeiter verraten...die Sozialdemokraten!
guteronkel 12.03.2013
Lieber Herr Trittin, mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. So sagt der Volksmund nicht zu unrecht. Es waren auch die Grünen, die kräftig halfen die Agenda 2010 umzusetzen. All die Jahre, in denen sowohl die SPD als auch die [...]
Lieber Herr Trittin, mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. So sagt der Volksmund nicht zu unrecht. Es waren auch die Grünen, die kräftig halfen die Agenda 2010 umzusetzen. All die Jahre, in denen sowohl die SPD als auch die Grünen in der Opposition waren, habe ich nichts gehört -weder von der SPD noch von den Grünen- dass man Korrekturen an der Agenda 2010 vornehmen muss. Jetzt hat es den Anschein als ob Sie viel Kreide gefressen haben, da doch bald Wahlen sind und die Grünen auch nicht allzugut aussehen. Es heißt jetzt, die Früchte zu ernten, die man selbst gesät hat. Das gilt auch für die Grünen. Ich wünsche Ihnen einen kräftigen Reinfall.
striver 12.03.2013
... bis die Grünen die fatalen Folgen der Politik der damaligen Asozialdemokratischen Partei erkannt haben. Schröder war in meine Augen der rechteste Kanzler, den Deutschland seit Kiesinger hatte. Es hat seiner Partei den [...]
... bis die Grünen die fatalen Folgen der Politik der damaligen Asozialdemokratischen Partei erkannt haben. Schröder war in meine Augen der rechteste Kanzler, den Deutschland seit Kiesinger hatte. Es hat seiner Partei den Dolchstoß versetzt. Der erste, der das damals erkannt hat, war Lafontaine. Aber einige SPD-ler halten diesen Cohiba-Fuzzy immer noch hoch. Unwählbar!
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  • Dienstag, 12.03.2013 – 08:08 Uhr
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Schröders Erbe: Die Reformen der "Agenda 2010"
Der Kündigungsschutz wurde flexibilisiert, heißt: Er besteht seit Januar 2004 nur für Betriebe mit mehr als zehn Arbeitnehmern (vorher fünf). Gesellen dürfen nun in einem Großteil der Handwerke nach sechs Jahren im Beruf auch ohne Meisterbrief einen Betrieb gründen. Eingangs- und Spitzensteuersatz sind auf schließlich 15 beziehungsweise 42 Prozent gedrückt worden.

Die Hartz-Reformen
Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer
- arbeitslos ist,
- der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht,
- die Anwartschaftszeit erfüllt,
- sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und
- Arbeitslosengeld beantragt hat.
- Die Dauer des Anspruchs hängt von der Länge der versicherungspflichtigen Beschäftigung und vom Alter ab. Die Höchstgrenze sind 24 Monate.





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