Ahmadiyya-Vereinigung in Hessen: Erstmals muslimische Gemeinde mit christlichen Kirchen gleichgestellt
Der Islam gehört zu Hessen: Als erstes Bundesland hat die Landesregierung in Wiesbaden eine muslimische Gemeinschaft rechtlich auf eine Stufe mit den Kirchen gestellt. Damit könnte die Ahmadiyya-Gemeinde künftig eigene Steuern erheben.
Wiesbaden/Hamburg - Hessen schreibt Religionsgeschichte. Das Bundesland hat zum ersten Mal in Deutschland eine muslimische Vereinigung als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt. Das teilte die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) am Donnerstag in Frankfurt am Main mit.
Die AMJ ist nach eigenen Angaben in Deutschland seit den fünfziger Jahren aktiv, hat etwa 225 Gemeinden und mehr als 35.000 Mitglieder, 15.000 davon im Rhein-Main-Gebiet. Bundesweit unterhalte sie 36 Moscheen mit Minarett und Kuppel, im Juni sollen drei weitere in Flörsheim und Fulda sowie im rheinland-pfälzischen Neuwied eingeweiht werden. In Hessen begleitet die AMJ vom nächsten Schuljahr an den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht an Grundschulen.
Die Religionsgemeinschaft der Ahmadiyya entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Indien. Viele Sunniten und Schiiten erkennen sie nicht als Muslime an, weil die Ahmadiyya-Anhänger ihren Religionsgründer Mirza Ghulam Ahmad als Propheten verehren. Besonders in Pakistan werden sie von radikalen sunnitischen Bewegungen, wie etwa den Taliban, verfolgt.
syd/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
