Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Pannen beim A400M: Bundeswehr lässt Transall-Maschinen länger in der Luft

Von

Transall-Transportflugzeug: extrem wartungsanfällig Zur Großansicht
DPA

Transall-Transportflugzeug: extrem wartungsanfällig

Teure Folgen der A400M-Probleme: Die Luftwaffe erwartet weitere Verzögerungen bei dem neuen Transportflieger. Die altersschwachen Transalls sollen deshalb drei Jahre länger als geplant im Einsatz bleiben.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die Bundeswehr muss wegen Problemen beim neuen Airbus-Militärflugzeug A400M die altersschwachen Transall-Transportflieger deutlich länger einsetzen als bisher geplant. In einem vertraulichen Bericht für den Bundestag kündigte das Ministerium an, die Propellermaschinen vom Typ C-160 sollten statt Ende 2018 erst 2021 ausgemustert werden. Das Schreiben von Staatssekretär Ralf Brauksiepe liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Mit dem Notplan will die Bundeswehr verhindern, dass wegen der Lieferverzögerungen beim A400M eine "Fähigkeitslücke beim geschützten taktischen Lufttransport" entsteht - also jahrelang keine gegen Raketenangriffe geschützten Flieger bereitstehen. Der Weiterbetrieb wird teuer: So müsse der Flughafen in Hohn (Schleswig-Holstein) "über das vorgesehene Schließungsdatum hinaus" bis 2022 offen gehalten und weiter Personal sowie Ersatzteile für die Transalls vorgehalten werden.

Die Planungen verdeutlichen, wie sehr die stockende Auslieferung des A400M die Modernisierung der Luftwaffe bremst. Eigentlich wollte Airbus bis 2016 mehrere geschützte A400M an Deutschland ausliefern. Derzeit aber wird im Ministerium damit gerechnet, dass sich dies um ein oder gar zwei Jahre verzögert. Im Verteidigungsausschuss berichtete das Ressort von Ursula von der Leyen, man gehe für September 2015 von einem weiteren A400M aus, sicher sei das aber nicht.

Fotostrecke

3  Bilder
Sevilla: Militärflugzeug A400M abgestürzt
Airbus liegt beim Zeitplan für den A400M deutlich zurück. Deutschland hatte 53 der modernen Transportflieger bestellt, doch die Auslieferung verzögerte sich immer wieder. Gerade die geschützte Variante, die über ein Abwehrsystem gegen Boden-Luft-Raketen verfügt, gilt als taktisch unersetzbar. Die Flieger sind für den Einsatz über Krisengebieten dringend notwendig. Die Transalls haben zwar teilweise solche Systeme, sind aber wegen ihres Alters extrem wartungsanfällig.

Hinweise auf einen Softwarefehler sorgen für große Unruhe

Das Verteidigungsministerium will Airbus nicht so leicht davonkommen lassen. Staatssekretärin Katrin Suder kündigte im Verteidigungsausschuss an, ab Sommer werde mit dem Hersteller über ein ganzes Paket an Schadensersatzleistungen wegen der stockenden Auslieferung verhandelt. Derzeit würden Verspätungen und Mängel gesammelt. Bislang seien 300 Millionen Euro Mehrkosten zusammengekommen. Deshalb werde man hart verhandeln.

Auch andere Staaten, die bei Airbus geordert haben, sind nervös. Zur besseren Kontrolle des A400M-Programms wurde deshalb von den zuständigen Staatssekretären ein "Programme Monitoring Team" (PTM) eingerichtet. Es soll die Verbesserungen bei Produktion und Zeitplan "überwachen und bewerten", dazu sind auch Ortstermine bei den über Europa verteilten Produktionsstätten der diversen A400M-Komponenten geplant.

Die Folgen des Absturzes eines nagelneuen A400M Anfang Mai in Sevilla will das Ministerium zunächst nicht bewerten. Derzeit seien die Konsequenzen "nicht absehbar", das offizielle Untersuchungsergebnis müsse abgewartet werden. Erste Hinweise auf einen Softwarefehler an dem Unglücks-A400M, der bald an die Türkei ausgeliefert werden sollte, sorgen allerdings für große Unruhe. Die Experten im Wehrressort erwarten weitere Verzögerungen für das Programm.

Spanien untersagt Datenaustausch mit der Industrie

Airbus hatte am Dienstag eine dringende Warnung an alle Kunden geschickt, die bereits A400M-Flieger in Betrieb haben und sie zur Kontrolle einer Steuerungs-Software für die Triebwerke aufgefordert. Angeblich sei der Fehler, der zu deren Abschaltung führen kann, nicht durch die Auswertung der Daten der Unfallmaschine, sondern an anderen Flugzeugen entdeckt worden. Der A400M in Sevilla war abgestürzt, nachdem drei der vier Triebwerke sich kurz nach dem Start abschalteten.

Der Unfall wird derzeit von den spanischen Behörden untersucht, im Zentrum steht dabei die Auswertung des Flugschreibers. Die Spanier geben sich verschlossen. So schreibt Staatssekretär Brauksiepe, die lokale Justiz habe sogar verfügt, die Recherchen als streng geheim einzustufen. Jeglicher "Datenaustausch mit der Industrie sowie mit ausländischen Behörden" sei untersagt.

Die Opposition forderte das Ministerium auf, zügig Klarheit zu schaffen. "Die Auswirkungen inklusive der entstehenden Kosten müssen jetzt schnell analysiert werden", forderte der Grünen-Politiker Tobias Lindner. Zudem müsse vor einer Wiederaufnahme der Tests mit dem schon aufgelieferten deutschen Flieger eindeutig geprüft werden, "dass es kein unnötiges Risiko für die A400M-Besatzungen geben darf".


Zusammengefasst: Die Bundeswehr reagiert auf die Pannen beim Transportflieger A400M. Das geht aus einem vertraulichen Bericht für den Bundestag hervor. Weil mit Verspätungen bei der Lieferung gerechnet wird, sollen die alten Transall-Maschinen erst ab 2021 nicht mehr eingesetzt werden.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 48 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schade, dass man nicht....
joG 20.05.2015
.....amerikanisches Fluggerät kaufte. Das war Einsatz erprobt. Es war zuverlässig und viel weniger teuer. Aber wir gehen den Deutschen Weg. Mit dem Kopf durch die Wand. Aber da wir so gut wie keine Einsätze und schon gar nicht in gefährlichem Land.....
2. Aus 5 mach 1 Transall, dann fliegt die auch bis 2025
seneca55 20.05.2015
Warum soll der Oldtimer nur bis 2021 bei der BW Dienst tun. Richtig zusammengeflickt fliegt die letzte auch bei 2025, ff. wie die alten DC3! Natürlich kann sie keine Soldaten mehr befördern, aber zum Fliegen wird die BW die alte Transall noch lange bringen. Für Auslandseinsätze wird ehh russisches oder ukrainisches Flugmaterial genutzt, denn das ist verlässlich und billig.
3.
k70-ingo 20.05.2015
Wie ist bei der Transall eigentlich die Ersatzteillage, aus drei mach eins in Heimarbeit? Ich halte es für unwahrscheinlich, daß der Hersteller heute noch das Originalteileprogramm lieferbar hat.
4. Transall
wahrsager26 20.05.2015
Ja,der Spanier gibt sich verschlossen-prima.,so geht Europäische Zusammenarbeit.Die verblödeten Deutschen müssen ja auch Helme in Spanien kaufen....WIR haben gefälligst eine top Rüstungsindustrie auf die Beine zu stellen,die anderen sollen bei uns einkaufen..bei den Helmen würde ich beginnen!Man wiederholt sich beständig:Frieden schaffen ohne Waffen-schon wenn man diesen Satz für sich selbst spricht erschließt sich einem ,von wem wir regiert werden!!Dann haben wir tollen Deutschen noch die herrliche Eigenart,nämlich unser Geld im Ausland für 'Projekte zu verschleudern-glauben irgendwelche Narren,das wir uns auf diese Weise Beliebtheit einkaufen können?Wenn wir doch immerzu profitieren,warum ist nicht genug Geld für Rüstung da?Ich werde den Werten Lesern ersparen,was ich noch dazu sagen könnte.Danke
5. Die gute alte Transall
drent 20.05.2015
War so in den 70-er, 80-er Jahren immer entspannend, von ihr geschaukelt zu werden. Besonders, wenn dann die Landsberger Crew nach Erreichen der Reisehöhe den Auto machen ließ und sich das Brathendl reinzog. Gute BW alt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: