Plutonium-Schiff in Niedersachsen Umweltaktivisten blockieren Kernkraftwerk Grohnde

Acht plutoniumhaltige Brennelemente sind per Schiff nach Niedersachsen gebracht worden. Hunderte Demonstranten versuchten, den Weitertransport ins AKW Grohnde zu verhindern - zu Lande und zu Wasser.

DPA

Nordenham/Grohnde - Proteste von Umweltschützern haben am Sonntag den umstrittenen Transport plutoniumhaltiger Mischoxid-Brennelemente (Mox) zum Atomkraftwerk Grohnde verzögert. In Nordenham, wo das Transportschiff "Atlantic Osprey" mit der heiklen Fracht am Nachmittag angekommen war, räumte die Polizei mehrere Sitzblockaden von Atomkraftgegnern.

Direkt über der Laderampe des Schiffsanlegers demonstrierten Greenpeace-Aktivisten mit Transparenten. Mitglieder von Robin Wood versperrten die Straße zum Anleger mit einem mobilen Dreibein. Drei Personen seien in Gewahrsam genommen worden, sagte eine Polizeisprecherin.

An den Protesten im Hafengebiet beteiligten sich nach Angaben von Bürgerinitiativen etwa 150 Menschen. Einige Aktivisten demonstrierten mit Paddelbooten und Schlauchbooten in der Unterweser. Das Greenpeace-Schiff "Beluga II" fuhr dicht an die "Atlantic Osprey" heran und setzte mehrere Schwimmer im Wasser ab, wie die Umweltorganisation mitteilte. Begleitet von Polizeifahrzeugen verließen die beiden Lastwagen mit jeweils vier Mox-Brennelementen am Abend Nordenham. Über die Route nach Grohnde machten die Behörden keine Angaben.

Rangeleien mit der Polizei

Am Atomkraftwerk Grohnde hatten Mitglieder örtlicher Bürgerinitiativen schon am Freitagabend ein Protestcamp errichtet. Unterstützung erhielten sie von etwa 50 Landwirten aus dem Wendland mit ihren Traktoren. Mehrere Trecker blockierten am Samstag eine Unterführung beim Kraftwerk. Am Sonntag war zeitweise auch die Hauptzufahrt zum AKW durch Schlepper und Sitzblockaden versperrt. Am Abend forderte die Polizei die Demonstranten auf, die blockierte Straße freizugeben.

Zwischenzeitlich kam es nach Angaben von Atomkraftgegnern zu Rangeleien. Sie kritisierten, dass Pressevertreter nicht zu der Blockade durchgelassen worden seien. Die Polizei habe auch einen Lastwagen der Umweltschützer sichergestellt und abschleppen lassen, sagte Tobias Darge von der Regionalkonferenz "Grohnde abschalten". Insgesamt demonstrierten bis Sonntagabend mehrere hundert Menschen gegen den Mox-Transport.

Die Mox-Brennelemente enthalten jeweils etwa 17 Kilogramm Plutonium. Greenpeace forderte den niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) auf, den Einsatz der acht Brennelemente im Atomkraftwerk Grohnde zu verhindern. Die Brennelemente gehörten als Atommüll entsorgt bevor sie zur Gefahr für die Menschen würden, sagte der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital.

Max Eckart/dapd/dkr

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Seite 1
digitalesradiergummi 18.11.2012
1. Es gibt Gerüchte
Zitat von sysopdapdAcht plutoniumhaltige Brennelemente sind per Schiff nach Niedersachsen gebracht worden. Hunderte Demonstranten versuchten, den Weitertransport ins AKW Grohnde zu verhindern - zu Lande und zu Wasser. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/akw-grohnde-transportschiff-atlantic-osprey-liefert-brennelemente-a-867944.html
dass man in Fukushima in der kritischen Anfangsphase überwiegend versucht hat diesen Reaktor 3 zu retten, naiverweise. Es gingen aber dann alle Reaktoren hoch. Der ging zuvor durch die Nuklearen Investorgazetten, man sei in der Lage eine Uralt-Reaktor umzurüsten, und erfolgreich mit MOX-Elementen zu betreiben, ohne kostspielige Anti-Aging Kur des Reaktors. Diese Mox-Elemente sind viel teurer, als die aus frischem Uran, aber sie erübrigen den Marktauftritt des AKW-Betreibers. Und sie sorgen für Deckungsbeiträge für die Wiederaufbreitungsanlagen, sodass Koppelgeschäfte lohnend scheinen, unterm Strich sind die es natürlich nicht. Ohne das genau zu wissen, sage ich, dass MOX-Elemente in den USA verboten sind, nur die aus Atomwaffen recycelten sind erlaubt. In Deutschland kann man ganz gut mit den MOX-Elementen umgehen, deshalb jetten die Deutschen Forscher auch um die ganze Welt, auf Staatskosten natürlich, gerade die aus dem KIT. Den wenn sich das durchsetzt mit den MOX-Elementen, kann man endlch wieder Brüter bauen. Plutonium ist eine harmlose Strahlenquelle, aber es ist extrem giftig, schon in kleinsten Mengen, sobald es in den Körper kommt. es ist auch nicht so, dass normale abgenutze Brennstäbe kein Plutonium enthalten. Gut, von den 100-tausenden eingesiedelten Russlanddeutschen sollten etwa einige hundert ein unregistrierte Herzschrittmacherbatterie aus Plutonium haben, aber auch welche aus der DDR vielleicht, wenn die in Krematorium kommen, oha.
tripleeight 18.11.2012
2. Es ist doch langsam mal gut...
Der Ausstieg ist beschlossen, die ältesten Reaktoren abgeschaltet und es werden ganz alte bereits abgebaut. Jetzt sollte man sich doch eher Sorgen um die Asse oder Reaktoren im Ausland machen....
nerevar 18.11.2012
3. Die Ironie
daran ist doch, wenn das Plutonium nicht nach Grohnde kommt, steht es auf diesem Schiff und richtet genauso viel Schaden an... Ich wohne in Sichtweite von Grohnde, und im Ernst, ich mach mir überhaupt keine Sorgen.
ANDIEFUZZICH 18.11.2012
4. Plutonium ist überall
Zitat von sysopdapdAcht plutoniumhaltige Brennelemente sind per Schiff nach Niedersachsen gebracht worden. Hunderte Demonstranten versuchten, den Weitertransport ins AKW Grohnde zu verhindern - zu Lande und zu Wasser. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/akw-grohnde-transportschiff-atlantic-osprey-liefert-brennelemente-a-867944.html
In D ist die Kernkraft nicht mehr gesellschaftsfähig, aus guten Gründen, siehe Asse usw. Da war Fukushima nur der Tropfen auf dem heissen Stein. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Atomkraft hat hier die längste Tradition, da wir ja auch andererseits keine Atomwaffen haben. Solche Prozesse fangen in Japan gerade erst mal an, und in den USA erfolgt das Umdenken eher von oben her, wobei man die Medienfreiheit in den USA durchaus bewundern muss. Es gibt dort allerdings nur eine kleine Widerstandsgruppe, angeführt von einem Ex NRC Advisor, sozusagen die amerikanische Version von Traube. CCTV Live at Five with Margaret Harrington and Arnie Gundersen | Fairewinds Energy Education (http://www.fairewinds.com/content/cctv-live-five-margaret-harrington-and-arnie-gundersen)
NuclearSavety 18.11.2012
5. Warum will Greenpeace möglichst viel Atommüll produzieren?
Es ist mir nie klar geworden, warum Greenpeace möglichst viel Plutonium-haltigen Abfall produzieren will anstatt das Plutonium zu recyclen. Man kann ja für oder gegen Kernenergie sein, aber solange die Kraftwerke laufen sollte man sie auch möglichst intelligent nutzen. Das Plutonium endzulagern, und stattdessen Natururan-Brennelemente einzusetzen, um dann am Ende noch mehr Plutonium zu haben, erscheint "echten" Umweltschützern nun etwas kontraintuitiv.
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