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21. Februar 2000, 10:32 Uhr

AKW Unterweser

Brennelemente mit gefälschten Dokumenten

Im Atomkraftwerk Unterweser sind Brennelemente aus Sellafield mit gefälschten Sicherheitsdokumenten im Einsatz. Es wird jedoch nicht erwogen, sie auszutauschen.

Hannover - Dies sagte der Kraftwerksbetreiber PreussenElektra der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Der britische Hersteller British Nuclear Fuels Limited (BNFL) habe 1996 vier Mischoxid-Brennelemente (Mox) aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield mit gefälschten Unterlagen nach Unterweser geliefert. Die Manipulationen seien seit Herbst 1999 bekannt, sagte PreussenElektra-Sprecherin Angela Ettl der Zeitung.

Da es zu keinen Auffälligkeiten gekommen sei, habe das niedersächsische Umweltministerium die Erlaubnis erteilt, die Brennelemente weiter zu benutzen. "Die Betriebssicherheit ist nicht beeinträchtigt," versicherte Ettl. Auch nach der für den Sommer vorgesehenen Revision sollten die vier Brennelemente weiter eingesetzt werden.

Dagegen fordert die Umweltschutzorganisation Greenpeace Konsequenzen. "Wenn im Atomkraftwerk Unterweser Brennelemente im Einsatz sind, bei deren Sicherheitschecks getrickst und gefälscht wurde, dann müssen die Brennelemente raus aus dem Reaktorkern", sagte Greenpeace-Sprecherin Susanne Ochse. Dafür sieht der Betreiber keinen Anlass. So habe es bei den nach Unterweser gelieferten Brennelementen lediglich Fälschungen im zweiten Prüflauf gegeben.

Öffentlich geworden waren die Vorgänge durch einen Bericht der britischen Atomaufsicht, die am Freitag eine umfassende Neu-Organisation der Aufarbeitungsfabrik gefordert hatte. Gut drei Jahre lang wurden in Sellafield Prüfberichte über aufgearbeitete Brennstäbe gefälscht und Prüfungen bescheinigt, die tatsächlich nie vorgenommen wurden. Die Atomaufsicht hatte dafür vor allem die Führungskräfte des staatlichen Unternehmens BNFL verantwortlich gemacht. Der Atomaufsicht zufolge entstand durch die Datenmanipulationen jedoch kein Sicherheitsrisiko.

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