Personaldebatte in der Union "Schlaue Ratschläge" - Dobrindt attackiert Günther

Nach dem CSU-Debakel in Bayern empfahl CDU-Mann Günther personelle Konsequenzen. CSU-Landesgruppenchef Dobrindt wehrt sich gegen die "Provokation" - und kritisiert den "Genossen Günther" für dessen Position.

Alexander Dobrindt
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Alexander Dobrindt


Die Stimmung in der Union ist nach der Bayernwahl angespannt. Nach dem Debakel der CSU empfahl Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther personelle Konsequenzen. Darauf hat CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt nun reagiert - und zwar sehr ungehalten.

"Ich erkenne natürlich den Versuch der Provokation", sagte Dobrindt vor einer CSU-Vorstandssitzung. Deshalb wolle man darauf nicht einsteigen. Dobrindt fügte aber hinzu: "Was der Genosse Günther auch gerade im Sommer an Positionen verbreitet hat mit möglichem Zusammenarbeiten mit der Linkspartei, das hat weder Vertrauen noch Orientierung gebracht." Wer meine, jetzt "schlaue Ratschläge an die Schwesterpartei geben" zu müssen, solle erstmal über seine eigene Position nachdenken, sagte Dobrindt.

Landtagswahl Bayern 2018

Vorläufiges Endergebnis

Gesamtstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CSU
37,2
-10,5
SPD
9,7
-10,9
Freie Wähler
11,6
+2,6
Grüne
17,5
+8,9
FDP
5,1
+1,8
Die Linke
3,2
+1,1
AfD
10,2
+10,2
Sonstige
5,4
-3,3
Sitzverteilung
Insgesamt: 205
Mehrheit: 103 Sitze
22
38
27
11
85
22
Quelle: Landeswahlleiter

Bei der Landtagswahl war die bisher allein regierende CSU um mehr als zehn Punkte auf nur noch 37,2 Prozent abgestürzt und hat damit die absolute Mehrheit verloren. Die Partei braucht jetzt einen Koalitionspartner.

Günther sagte der "Welt" nach der CSU-Pleite: Ohne personelle Konsequenzen "wird es vermutlich kaum funktionieren". Dabei nannte er sowohl Parteichef Horst Seehofer, als auch Ministerpräsident Markus Söder und auch Dobrindt beim Namen. "Die CSU-Führung hat in den vergangenen Jahren in Gänze Fehler gemacht", sagte Günther. "Da darf man niemanden ausnehmen."

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Seehofer sagte dazu, Äußerungen aus der CDU wolle man nicht öffentlich kommentieren. "Wir sehen jetzt neben der Regierungsbildung in Bayern die große Aufgabe, dass Hessen ein gutes Wahlergebnis mit der CDU bekommt und dass die Große Koalition in Berlin stabil arbeitet." Am 28. Oktober wählt Hessen ein neues Parlament.

Ministerpräsident Söder erfährt in der CSU Unterstützung. Seehofer sagte, die Frage nach einer Ablösung Söders stelle sich nicht. Auch der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein warnte seine Partei vor Personaldebatten. Söder sei eindeutig die stärkste Persönlichkeit, die die CSU für das Amt des Ministerpräsidenten habe, sagte er. "Er hat auch nur sechs Monate Zeit gehabt, also sollten wir ihm da auf jeden Fall das Weiterarbeiten ermöglichen." Der CSU-Vorstand sieht das offenbar ähnlich: Er hat Söder erneut für das Amt des Ministerpräsidenten nominiert.

Beckstein stärkte auch dem CSU-Chef den Rücken: "Horst Seehofer als Parteivorsitzender wird aber nach meiner Einschätzung auch weitermachen, und ich halte das auch für richtig."



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aev/dpa



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