Konservatismus-Debatte Dobrindt legt sich mit CDU-Spitzenpolitikern an

Alexander Dobrindt will eine konservative Revolution - und wirft Unionskollegen mangelnde Unterstützung vor. Gleich mehrere CDU-Größen dürfen sich angesprochen fühlen.

CSU-Politiker Dobrindt
AFP

CSU-Politiker Dobrindt

Von


Er hat ein neues Lieblingsprojekt: Nachdem CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt Anfang Januar in einem "Welt"-Gastbeitrag eine "konservative Revolution" in Deutschland gefordert hat, legt er nun in derselben Zeitung nach. "Was wir derzeit erleben, ist eine konservative Revolution der Bürger", schreibt Dobrindt, "gewachsen in der Mitte unserer Gemeinschaft, mit einer Besinnung auf Tradition und Werte." Dies umzusetzen, "verstehe ich als Aufgabe von CDU und CSU".

Neu an Dobrindts Beitrag ist allerdings, dass er diesmal auch Teile der Union für ihre - aus seiner Sicht falsche - Positionierung kritisiert. "Die schon in gebückter Haltung, halb entschuldigend geführte vermeintliche Richtungsdebatte zwischen konservativ und christlich führt dabei in die Irre", schreibt der CSU-Politiker. "Das Konservative und das Christliche sind keine Gegensätze, sondern bilden eine unauflösbare Einheit, denn das Christliche ist für das Konservative geradezu konstitutiv."

Damit legt sich der Chef der CSU-Abgeordneten im Bundestag mit führenden CDU-Politikern an, die kürzlich Zweifel an der von Dobrindt geforderten konservativen Ausrichtung der Unionsparteien geäußert hatten.

In erster Linie dürfte sich dabei der stellvertretende Parteichef und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, angesprochen fühlen. Dieser hatte vor dem CDU-Bundesparteitag Anfang dieser Woche klargemacht, dass für ihn das christliche Menschenbild über allem stehe. "Darin finden sich die konservativen, christlich-sozialen und liberalen Kräfte wieder", sagte Laschet.

Fotostrecke

11  Bilder
CDU: Mehrheit für die GroKo, Rekord für AKK

Aber auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, ebenfalls CDU-Vize, dürfte sich von Dobrindts Äußerungen indirekt kritisiert fühlen. Bouffier hatte vor dem CDU-Parteitag gesagt, als "einzig verbliebene Volkspartei" fänden die Christdemokraten ihre "Wähler in der sogenannten Mitte, aber auch rechts und links davon".

Auf dem CDU-Parteitag hatte wiederum die neue Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer vor einem Rechtsruck gewarnt. Diejenigen, die versuchten, die Christdemokraten nur in eine Richtung zu drängen, hätten alles andere im Sinn, "aber keine starke Volkspartei CDU", sagte Kramp-Karrenbauer.

Dobrindt, der momentan wegen seiner Rolle als bisheriger Bundesverkehrsminister in der Diesel-Thematik heftig unter Beschuss steht, hatte zuletzt offen CDU-Chefin Angela Merkel widersprochen. Einen Tag nachdem die geschäftsführende Kanzlerin das Prozedere der Essener Tafel infrage gestellt hatte, wo Ausländer momentan keine Berechtigungsscheine mehr erhalten, verteidigte der CSU-Politiker dieses Vorgehen ausdrücklich.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:




insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Fantastic 02.03.2018
1. Dobrindt
will also eine konservative Revolution. Ist ja der Wahnsinn, was der Mann sich so traut. Und in China ist gerade ein Sack Reis umgefallen.
achim.lehnert 02.03.2018
2. Größenwahn..
..kommt vor dem Fall. Abwarten.
BettyB. 02.03.2018
3. Nun ja,...
Die Spätstanilisten waren eben auch konservativ, allein sehnten sie sich nach einer rotfaschistischen Welt. Die Zusammenarbeit von Welt und Dobrindt ist allein deshalb interessant, weil sie für die politische Speerspitze des Springerkonzerns charakterietisch ist. Weit ab vom aufgeklärten Atheismus der Neuzeit sucht man in dem märchenhaft begründeten Christentum eine Rettung, weil es "ohne Gott ja keine guten Menschen" geben kann, wobei dieser möglichst eben auch römisch-katholisch sein sollte, denn es gibt eben nach Papst Benedikt XVI. nur eine Kirche und viele minderwertige Glaubensgemeinshaften. Dobrindt scheint von Polen lernen zu wollen. Möge der nicht existente Gott uns helfen!
arviaja 02.03.2018
4. Ich kann ja mit anständigen Konservativen
gerne lange und ausführlich diskutieren und meine Weltsicht dadurch bereichern. Aber Dobrindt? Bei dem wunderts mich immer nur, wie der es schafft ohne Rückgrat aufrecht stehen zu können. Muss an der Karotte liegen, die man vor ihm hoch aufgehängt hat....
keine-#-ahnung 02.03.2018
5. "Das Konservative und das Christliche ...
... sind keine Gegensätze, sondern bilden eine auflösbare Einheit ..."?? Das hat Dobrindt wohl eher nicht in der WELT geschrieben :-) . Und ja, unbestritten knicken auch in der CDU-Führung einige Fans of Merkel nach links weg - dass muss die CDU intern klären, ob das so zielführend ist. Aber Merkels Einfluss ist am Schrumpeln ... und es ist höchste Zeit für eine konservative Evolution. Die Revolutionen überlässt man dann doch eher den Linksvertrödelten ... weil die meist schief gehen und blutig sind :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.