AfD-Spitzenkandidat Gauland provoziert mit Rede zu Deutschlands Nazi-Vergangenheit

Gegen Alexander Gauland wird bereits wegen Volksverhetzung ermittelt. Jetzt löst der AfD-Spitzenkandidat erneut Empörung aus: In einer Rede verlangte er einen Schlussstrich unter Deutschlands Nazi-Vergangenheit.

Alexander Gauland
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Alexander Gauland


Die Rede hielt Gauland bereits am 2. September, bei einem der sogenannten Kyffhäuser-Treffen der AfD in Thüringen. Darin fordert der AfD-Spitzenkandidat, dass ein "Schlussstrich" unter Deutschlands-Nazi-Vergangenheit gezogen werden müsse - kein anderes Volk habe "so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche". Das Internet-Portal "BuzzFeed" hatte zuerst über die Rede berichtet.

Der AfD wird von Kritikern seit Längerem eine mangelnde Abgrenzung zu rechtsextremistischen Gruppierungen vorgeworfen. Gauland gilt als Exponent des nationalkonservativen Flügels der Partei. Anfang des Jahres hatte bereits AfD-Politiker Björn Höcke eine Rede in Dresden gehalten und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert.

Mit Blick auf die NS-Zeit von 1933 bis 1945 sagte nun Gauland: "Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen."

Gauland forderte außerdem eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen. Wenn Franzosen und Briten stolz auf ihren Kaiser oder den Kriegspremier Winston Churchill seien, "haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen", sagte Gauland in seiner von der AfD auch auf YouTube veröffentlichten Rede.

Zur deutschen Geschichte zählten der Hitler-Attentäter Stauffenberg ebenso wie der General Erwin Rommel oder "das Schlachthaus von Verdun". "Das ist deutsche Geschichte und die lassen wir nicht von einer türkischstämmigen Deutschen entsorgen", sagte Gauland und spielte damit auf seine eigene, vieldiskutierte Aussage an, man möge die Bundesintegrationsbeauftragte Aydan Özoguz in Anatolien "entsorgen".

Gegen Gauland wird wegen Volksverhetzung ermittelt, weil er in einer Rede gefordert hatte, die Staatsministerin Aydan Özuguz zu "entsorgen".

Die Äußerungen sorgten für Empörung: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz schrieb bei Twitter von "ganz alter NPD-Schule". Die SPD-Abgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter nannte Gaulands Aussagen eine "Schande für unser Land".

ehh/AFP

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