Neue Partei von Ex-AfD-Chef Lucke gründet Allianz für Fortschritt und Aufbruch

Ehemalige AfD-Mitglieder haben in Kassel eine neue Partei gegründet: Die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa). Erster Parteichef ist Bernd Lucke - und sie hat bereits drei Europaabgeordnete.

Ex-AfD-Chef Lucke: Gründet neue Gegen-Partei
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Ex-AfD-Chef Lucke: Gründet neue Gegen-Partei


Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) bekommt Konkurrenz durch eine neue Partei um ihren früheren Chef Bernd Lucke. "Es wird sie nicht überraschen, dass ich zum Vorsitzenden gewählt worden bin", sagte Lucke nach dem Gründungstreffen am Sonntag in Kassel vor Journalisten. Die neue Partei soll Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) heißen.

Lucke rief unter dem Applaus der rund 70 Gründungsmitglieder zu konstruktiver und sachlicher Arbeit auf. Der frisch gekürte Vorsitzende sprach von 5000 Interessenten für die neue Partei. "Es liegt viel Arbeit vor uns, dessen sind wir uns bewusst", sagte er. Das Treffen war nicht öffentlich. Eingeladen waren Mitglieder des von Lucke gegründeten Vereins "Weckruf 2015".

Die Gründer verabschiedeten eine Satzung und ein Parteiprogramm. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehöre "natürlich der Euro", sagte Lucke. Er sprach sich auch für einen Schuldenschnitt für Griechenland aus. Die bisherige Rettungspolitik sei "völlig gescheitert".

Als weitere Themen der neuen Partei nannte er das "Problemfeld" Zuwanderung. Diese müsse nach kanadischem Vorbild reglementiert und Asylmissbrauch "entschieden bekämpft werden". Auch müsse sich Deutschland von "grünen Ideologien" abwenden, mit denen das Land "fortschritts- und technikfeindlich geworden ist".

Fünf der sieben Europaabgeordneten laut Lucke pro Alfa

Der AfD-Gründer war am 10. Juli nach einem Machtkampf aus der AfD ausgetreten. Zuvor hatten sich bei einem außerordentlichen Bundesparteitag die nationalkonservativen Kräfte in der AfD klar durchgesetzt. Zur ersten Vorsitzenden wurde die frühere Co-Vorsitzende Frauke Petry aus Sachsen gewählt. Vorangegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Petry und Lucke, der eher für liberal-konservative Ansichten steht.

Von den einstmals sieben AfD-Abgeordneten im Europaparlament sind der rechtskonservativen Partei nur noch zwei geblieben: der ehemalige NRW-Landeschef Marcus Pretzell und die Petry-treue Berlinerin Beatrix von Storch. Nach Angaben Luckes wollen die fünf anderen - von denen er selbst einer ist - nun die Alfa im Europaparlament vertreten.

Der Europaabgeordnete Bernd Kölmel hat bereits den Posten als Luckes Stellvertreter angetreten, zur Generalsekretärin wählten die Gründungsmitglieder die bisherige "Weckruf"-Vorsitzende und Europaabgeordnete Ulrike Trebesius.

Der Ökonom Joachim Starbatty war nach dem Sieg Petrys über Lucke ebenfalls aus der AfD ausgetreten. Starbatty und auch der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, wollten sich Alfa anschließen, so Lucke. Der Abgeordnete Henkel sagte dem "Handelsblatt", Alfa müsse sich als Anti-Euro-Partei positionieren.

"Neue antieuropäische Splittergruppe ist schnurz"

AfD-Vize Alexander Gauland räumte der Neugründung "keine großen Chancen" ein. "Sie verfügt über kein Alleinstellungsmerkmal, denn in dem politischen Spektrum, wo diese Menschen sich verorten, tummeln sich schon viel zu viele Parteien", erklärte er. Es sei "höchst unwahrscheinlich, dass Menschen Bernd Lucke folgen werden, der gerade fast eine Partei ruiniert hat".

Die AfD war nach den Führungsquerelen in den Umfragen abgestürzt. Derzeit würde sie die Fünfprozenthürde für den Bundestag verfehlen.

Der Grünen-Innenpolitiker Volker Beck warnte im "Handelsblatt" vor einer Unterschätzung der neuen Partei, die sich zu "Ressentiment-Partei-Projekten" am rechten Rand, wie AfD und NPD, geselle. Lucke warf er vor, bei der AfD selber die rechten Geister gerufen zu haben, "die dann das Ruder auf dem Geisterschiff übernommen haben".

SPD-Vize Ralf Stegner sprach der Alfa ab, eine demokratische Partei zu sein. Lucke sei als Politiker eine "gescheiterte Existenz", der mit der AfD genau das geerntet habe, was er selbst angerichtet hatte, sagte er der Zeitung. "Ob er nun eine neue antieuropäische Splittergruppe gründet oder nicht, ist ziemlich schnurz."

vek/kha/sun/AFPdpa



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insgesamt 369 Beiträge
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Seite 1
glaeser97 19.07.2015
1. Sehr schön
Da freu ich mich sehr drüber, schön das er seine gescheite Meinung so durchzieht, und nicht von CDU/SPD beirren lässt! :)
proeuropa 19.07.2015
2. Super Herr Lucke, sie sind der Einzige den ich mit Überzeugung wählen konnte
...bitte vertreten Sie die Interessen der normalen Bürger weiterhin, nicht der Großunternehmen und Banken wie das alle anderen tun (außer vielleicht die Linke)
stand.40 19.07.2015
3. Super !!
Freue mich und wünsche Prof.Lucke alles Gute zum neuen und sicheren Start. Meine Stimme hat er.
esowatcher 19.07.2015
4. AAfD
Alternativ-Alternative für Deutschland.
idags 19.07.2015
5. Das gibt neue Hoffnung
Als Liberalkonservative ohne politische Heimat in den etablierten Parteien freue ich mich über eine neue Partei unter Führung des klugen Professors und seiner bewährten Mitstreiter.
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