Allensbach-Studie: Junge aus der Unterschicht sehen kaum Aufstiegschancen

Junge Erwachsene aus einfachen Verhältnissen glauben nur selten an einen sozialen Aufstieg in Deutschland. Das geht aus einer vergleichenden Studie des Allensbach Instituts für Meinungsforschung hervor. Im Gegensatz zu den Schweden glauben die Deutschen kaum an Erfolg durch Bildung.

Berlin/Allensbach - Mehr als die Hälfte der aus einfachen Verhältnissen stammenden Deutschen unter 30 Jahren glaubt nicht, dass ein Aufstieg in eine höhere soziale Schicht möglich ist. Das geht aus einer Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie hervor.

Für die von der Zeitschrift "Bild der Frau" in Auftrag gegebene Studie befragten die Meinungsforscher insgesamt 2800 Menschen in Schweden und Deutschland zu Betreuung, Förderung und Erziehung von Kindern. Mehr als ein Drittel der Deutschen ist überzeugt davon, dass Leistung sich nicht lohnt und allein das Elternhaus zählt. Nur 19 Prozent glauben, dass man es durch persönliche Anstrengungen in der Regel auch "zu etwas bringt". Besonders pessimistisch sind der Studie zufolge die Ostdeutschen. So denkt nur ein Drittel der Menschen in den neuen Bundesländern, dass man mit genügend Anstrengung sozial aufsteigen kann. In Westdeutschland ist rund die Hälfte dieser Meinung.

Bildungsverantwortung zu stark an Eltern übertragen

Ganz anders sieht es in Schweden aus: Laut der ländervergleichenden Studie sind dort unabhängig von der sozialen Schicht zwei von drei jungen Erwachsenen überzeugt davon, dass jeder alles werden kann. Hierzulande werde die Verantwortung für die Bildung der Kinder stark den Eltern übertragen, sagte die Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher. In Schweden zeigen sich die Eltern laut Umfrage deutlich entspannter und delegieren Bildungsaufgaben eher an den Staat.

Die Bildungssoziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger, macht für den Pessimismus auch das dreigliedrige deutsche Schulsystem verantwortlich. Es sei sehr starr und nicht durchlässig genug. Sie kritisierte, dass die Herkunft von Schülern bei der Beurteilung ihrer Chancen oft eine zu große Rolle spiele.

fhu/dpa/dapd/Reuters

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