Büro-Ausstattung: Altpräsidenten sollen bescheidener werden

Von Severin Weiland

Wie viel darf ein Altbundespräsident kosten? Seit dem Rücktritt von Christian Wulff wird darüber diskutiert. Bei den Ex-Staatsoberhäuptern fallen für Mitarbeiter und Büros einige hunderttausend Euro an - klare Regeln gibt es nicht. Das soll sich nun ändern.

Schloss Bellevue in Berlin: Mehr Bescheidenheit nach dem AuszugZur Großansicht
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Schloss Bellevue in Berlin: Mehr Bescheidenheit nach dem Auszug

Berlin - Christian Wulff und seine zwei Mitarbeiterinnen haben bescheidene Büros. Versteckt liegen die drei Räumlichkeiten in einem schlichten Bundestagsbau an der Ecke Wilhelmstraße/Unter den Linden. Hier, im einstigen DDR-Volksbildungsministerium, das nach der Vereinigung modernisiert wurde, koordiniert der frühere Bundespräsident seine Termine.

Es ist, so wie es aussieht, nur eine vorübergehende Lösung. Bis zum Ende des Jahres hat der Haushaltsausschuss des Parlaments diese Räumlichkeiten für Wulff bewilligt - zur "geordneten Aufarbeitung und Abwicklung von Korrespondenzen und Terminen" und "zur Wahrnehmung nachwirkender Verpflichtungen." Was danach kommt, ist noch offen.

Um den 53-Jährigen ist es still geworden, seit er Mitte Februar nach der Kreditaffäre um sein Privathaus in Niedersachsen zurücktrat. Kaum hatte er Schloss Bellevue verlassen, begann eine Debatte über Ehrensold und Ausstattung der Büros der Altbundespräsidenten. Die Versorgung war, nach Gesetzeslage, im Fall Wulff schnell geklärt: Bis zu seinem Lebensende erhält der CDU-Politiker den Ehrensold in Höhe von jährlich rund 200.000 Euro. Das brachte viele Bürger auf - war Wulff doch nur 598 Tage im Amt. So kurz wie keiner seiner Amtsvorgänger.

Was blieb, war für die Haushälter des Bundestags die Frage nach der finanziellen Rundum-Begleitung der künftigen Tätigkeit für ausgeschiedene Bundespräsidenten. Wie Wulff engagieren sich die anderen ehemaligen Staatsoberhäupter weiter, nehmen öffentliche Termine wahr, treten auf Foren und Diskussionsveranstaltungen auf, beantworten Post von Bürgern, die sich mit ihren Sorgen an sie wenden, regeln diskret auch mal Fälle im Hintergrund.

Dafür brauchen sie Mitarbeiter, Büros, vielleicht auch einen Chauffeur und Mittel für Reisen und sonstige anfallende Kosten. Nur - bis heute gibt es keine einheitlichen Regeln, wie viel Geld aus dem Bundesetat ein Altbundespräsident für die Organisation solcher gesellschaftlichen Aufgaben erhalten soll. Der Vizevorsitzende des Haushaltsausschusses, Herbert Frankenhauser (CSU), sagt es ganz lapidar: "Das wurde mal so und mal so entschieden."

Das aber könnte sich bald ändern. Die Haushälter haben erste Überlegungen angestellt. "Eine Gleichbehandlung wäre schon anzustreben", sagt Frankenhauser.

Denn die gibt es nicht. Die Ausgaben aus dem Bundesetat, die für die Büros der Altbundespräsidenten aufgewendet werden, fallen recht unterschiedlich aus:

  • Horst Köhler (CDU), Vorgänger von Wulff, hat zwar die Büros in einer der zentralen Einkaufsstraßen in Berlins Mitte, der Friedrichstraße, von seinem (verstorbenen) Amtsvorgänger Johannes Rau (SPD) übernommen. Doch die Kosten dafür sind in dieser Lage - vergleichsweise - hoch. Für das BüroKöhler werden rund 100.000 Euro im Jahr gezahlt, für seine vier Mitarbeiter weitere rund 200.000 Euro. Insgesamt entfallen auf Köhler für Miete, Mitarbeiter, Reisen, Bürobedarf und die Unterhaltung eines Dienstwagens rund 400.000 Euro.
  • Bei Altbundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU), der Büros in einem Palais in der Nähe der Neuen Wache Unter den Linden unterhält und drei Mitarbeiter beschäftigt, werden jährlich rund 350.000 Euro aus dem Bundesetat gezahlt.
  • Roman Herzog (CDU), der ein Büro in Heilbronn mit zwei Mitarbeitern hat, kommt auf 300.000 Euro.
  • Walter Scheel (FDP) hat sein Büro nicht in Berlin, sondern im Rathaus von Bad Krozingen. Er beschäftigt einen Mitarbeiter, die Kosten belaufen sich auf 240.000 Euro im Jahr.

Die Spreizungen bei den Büroausgaben könnten künftig geringer ausfallen. Der Christsoziale Frankenhauser, der Hauptberichterstatter für den Haushalt des Bundespräsidialamtes ist, hat nach Gesprächen mit seinen Kollegen aus der Koalition und der Opposition eine Neuordnung für die Büroausstattung ins Spiel gebracht. "Das ist noch kein Plan, aber in diese Richtung denken wir", sagt er. Eine der Überlegungen: künftig den früheren Staatsoberhäuptern und ihren Mitarbeitern nur noch Büros in den Bundestagsbauten zur Verfügung zu stellen. "Damit könnten die Mietkosten gemindert werden", so der CSU-Politiker.

Nach der parlamentarischen Sommerpause, bei den Etatberatungen zwischen September und November, wollen die Haushälter ihre Vorschläge konkretsieren. Dass neue Regeln möglicherweise erst den heutigen Amtsinhaber Gauck betreffen, wenn er eines Tages aus dem Amt ausscheidet, gilt intern noch nicht einmal als ausgemacht. Auf die Frage, ob unter der Neujustierung auch die Ausstattungskosten für die Büros der jetzigen Altbundespräsidenten fallen könnten, sagt CSU-Mann Frankenhauser: "Das ist noch offen."

Korrektur: In einer früheren Fassung stand, das Büro Herzog beschäftige drei Mitarbeiter. Es sind aber zwei. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen - die Redaktion.

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insgesamt 54 Beiträge
tix 07.07.2012
ich beneide keinen Politiker der diese Kosten bei den Wählern zu begründen hat. Beispiel Walter Scheel. Herr Scheel wird morgen 93 Jahre alt. Was macht Herr Scheel den heute noch so wichtiges in seinem Alter, das diesen [...]
ich beneide keinen Politiker der diese Kosten bei den Wählern zu begründen hat. Beispiel Walter Scheel. Herr Scheel wird morgen 93 Jahre alt. Was macht Herr Scheel den heute noch so wichtiges in seinem Alter, das diesen Kostenapparat begründet? Herr Scheel bezieht seit 33 Jahre!!! das rundum sorglos Paket auf Kosten des Steuerzahlers. Dafür das er mal 5 Jahre Bundespräsident war von 1974 - 1979. Fragen sie heute mal einen 20 - 30 jährigen nach Walter Scheel, dann kommen so antworten, wer ist das? War das ein Dichter? Dieses Gesetz des Ehrensoldes aus Zeiten von Theodor Heuss gehört komplett reformiert oder auch abgeschafft. Wer 150.000€ und mehr pro Jahr verdient, verdient genug um sich selber eine würdige Altersversorge aufzubauen. Mit 93 Jahre braucht man keine 250.000€ p.a. mehr und auch keinen James und Luxusauto. Da kann man und soll man froh sein das man gesund ist. Dieses Geld ist dann nur noch für die Erben und die brauchen erst recht kein Geld vom Steuerzahler.
Fackus 07.07.2012
Sich über die paar hunderttausend aufzuregen ist ziemlich kleinmütig. Immerhin waren das alles gestandene Staatmänner (bis auf Herrn Wulff). Ackermänner 'verdienen' das in einer Woche - bzw. eigentlich eher nicht. Da gäbs [...]
Zitat von sysopWie viel darf ein Altbundespräsident kosten? Seit dem Rücktritt von Christian Wulff wird darüber diskutiert. Bei den Ex-Staatsoberhäuptern fallen für Mitarbeiter und Büros einige hunderttausend Euro an - klare Regeln gibt es nicht. Das soll sich nun ändern. Altbundespräsidenten: Haushälter wollen Kosten senken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,843009,00.html)
Sich über die paar hunderttausend aufzuregen ist ziemlich kleinmütig. Immerhin waren das alles gestandene Staatmänner (bis auf Herrn Wulff). Ackermänner 'verdienen' das in einer Woche - bzw. eigentlich eher nicht. Da gäbs ganz andere Aufreger: - die 1,5 Mia Steuerbetrug beim VW-Porsche Deal, der als gesetzmässig abgehakt wird. - 500 Mia p.a. für Afghanistan (siehe Parallelartikel) - wofür auch immer - 1 Billion++ zur Rettung hungertuchnagender Banken - Millionen für Schwachsinnsprojekte a la Berliner Fluhafen etc etc... und ein Grossteil der Gelder für die BP-Wohnsitze bleibt sogar noch im Land - für Gehälter, Mieten u.a. Immer noch besser als Zinseszinsen irgendwelcher Bankgauner zu bedienen. Alles Ablenkungsmanöver solche Debatten - denn hunderttausend Euronen kann sich der Bürger noch vorstellen, bei der Billionen hakts dann aus - da geht noch was.
derlabbecker 07.07.2012
... zahlt seinem Angestellten ja ein üppiges Gehalt, wenn er für ein Büro und einen Angestellten 240 K€ pro Jahr benötigt, während Roman Herzog mit 3 Leuten und Büro mit 300 K auskommt.... Alles abschaffen. Die haben den Job [...]
Zitat von sysopWie viel darf ein Altbundespräsident kosten? Seit dem Rücktritt von Christian Wulff wird darüber diskutiert. Bei den Ex-Staatsoberhäuptern fallen für Mitarbeiter und Büros einige hunderttausend Euro an - klare Regeln gibt es nicht. Das soll sich nun ändern. Altbundespräsidenten: Haushälter wollen Kosten senken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,843009,00.html)
... zahlt seinem Angestellten ja ein üppiges Gehalt, wenn er für ein Büro und einen Angestellten 240 K€ pro Jahr benötigt, während Roman Herzog mit 3 Leuten und Büro mit 300 K auskommt.... Alles abschaffen. Die haben den Job nicht mehr, und gut ist. Wenn sie meinen sie müssten nach ihrer Zeit als BP noch was anderes machen sollen sie schauen wie sie das finanzieren. Mein Arbeitgeber zahlt mein Gehalt auch nicht weiter wenn ich die Firma verlasse, auch wenn ich danach ach noch so tolle Dinge machen möchte....
konib 07.07.2012
...die der Bund ansonsten ausgibt, fällt das doch wirklich nicht ins Gewicht. Es gibt sicherlich andere Möglichkeiten, als bei verdienten Politikern (außer Wulf) zu sparen. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass Köhler auf [...]
...die der Bund ansonsten ausgibt, fällt das doch wirklich nicht ins Gewicht. Es gibt sicherlich andere Möglichkeiten, als bei verdienten Politikern (außer Wulf) zu sparen. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass Köhler auf seinen Ehrensold verzichtet.
darpan 07.07.2012
Bei ehemaligen Bundespräsidenten ist die Steuergeldverschleuderung besonders grass. Es ist davon auszugehen, dass diese zu vergebenden Traumjobs im Umfeld nicht für Hinz und Kunz offenstehen. Aber warum brauchen generell [...]
Bei ehemaligen Bundespräsidenten ist die Steuergeldverschleuderung besonders grass. Es ist davon auszugehen, dass diese zu vergebenden Traumjobs im Umfeld nicht für Hinz und Kunz offenstehen. Aber warum brauchen generell Volksvertreter ab einem bestimmtem Level die Statussymbole der Schönen und Reichen wie Dienstkarosse, Chauffeuer, Bodguards usw.? Können die plötzlich nicht mehr selber Autofahren oder sich kein eigenes Auto mehr leisten? Sind diese in der Öffentlichkeit gefährdeter als andere Menschen auch? Gibt es da objektive Zahlen? Könnte es sein, dass mit dem Leben der schönen und Reichen unsere Volksvertreter sich vom Volk entfernen und sich manch Übles so erklären ließe? Bestimmt also doch - zumindest partiell - das Sein das Bewußtsein?
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  • Samstag, 07.07.2012 – 12:14 Uhr
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