Alternative für Deutschland Koalitionspolitiker greifen Anti-Euro-Partei an

Raus aus dem Euro - das ist die Kernforderung der neuen Partei Alternative für Deutschland. Die etablierten Parteien sehen darin puren Populismus, führende Politiker von Union und FDP kritisieren das Bündnis scharf. Das zeigt: Die neue Konkurrenz lässt sie nicht kalt.

Werbematerial der neuen Partei: Die etablierten Parteien üben Kritik
REUTERS

Werbematerial der neuen Partei: Die etablierten Parteien üben Kritik


Berlin - SPD, Unionsparteien und FDP sind sich selten einig. In diesem Punkt allerdings schon: Die neu gegründete Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland wolle mit einem falschen Thema punkten. Die etablierten Parteien üben scharfe Kritik. "Die Forderung nach einem Zurück zur D-Mark ist gefährliche Nostalgie", warnte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer, in der "Rheinischen Post". Der Satz "Deutschland braucht den Euro nicht" sei grundfalsch, sagte der CDU-Politiker. Trotz aller Schwierigkeiten könne Deutschland sein Potential nur in einem geeinten Europa voll entfalten.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte im Radiosender ffn: "Ich finde es schon beunruhigend, dass sich eine Vereinigung bildet, die den Eindruck erweckt, als könne Deutschland ohne Schaden für die Ersparnisse und das Vermögen der Deutschen mal so eben seine Währung wechseln. Es ist ein bisschen komplexer."

Die Alternative für Deutschland (AfD) hatte sich am Sonntag in Berlin als Partei gegründet. Sie will zur Bundestagswahl im Herbst antreten. In ihrem Wahlprogramm fordert sie eine "geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebiets". Deutschland brauche den Euro nicht. Die Wiedereinführung der D-Mark dürfe kein Tabu sein. "Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen."

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte der "Bild"-Zeitung, die Alternative für Deutschland sei schon deshalb keine Gefahr für die Union, weil sie keine Alternative sei. "Es ist schon in sich ein Widerspruch, wenn man sich als Alternative bezeichnet, aber keine echten Lösungsvorschläge anzubieten hat. Es reicht nicht, nur Rundumschläge gegen Europa auszuteilen, ohne zu sagen, wie man es besser machen soll."

Auch Kritik aus der SPD

Hessens CDU-Fraktionschef Christean Wagner sagte der Zeitung: "Der Ausstieg aus dem Euro, den die AfD fordert, wäre ein Sprung zurück ins vergangene Jahrtausend. Den Euro-Ausstieg zum zentralen Punkt des Parteiprogramms zu machen, zeigt: Das sind Leute von gestern!" Die Union dürfe jedoch nicht in ihrem Bemühen nachlassen, sich um jeden Einzelnen zu kümmern, der mit der AfD liebäugele.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gibt der neuen Partei keine großen Chancen. Er glaube nicht, "dass eine solche Verweigerungshaltung vielversprechend ist", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die meisten Menschen wüssten, "was sie an Europa und der Europäischen Union haben."

ler/dpa/AFP

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insgesamt 557 Beiträge
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chrimirk 15.04.2013
1. Na endlich!
Zitat von sysopREUTERSRaus aus dem Euro - das ist die Kernforderung der neuen Partei Alternative für Deutschland. Die etablierten Parteien sehen darin puren Populismus, führende Politiker von Union und FDP kritisieren das Bündnis scharf. Das zeigt: Die neue Konkurrenz lässt sie nicht kalt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/alternative-fuer-deutschland-angriff-auf-die-anti-euro-partei-a-894330.html
Die AfD hat voll in den Ameisenhaufen reingelangt! Prima. Aber an der nun offen ausgesprochenen Forderung: "Raus aus dem Euro" kommen die Etablierten nicht vorbei. Jetzt wird die Argumnetation umgekehrt laufen: warum soll D. noch drinn bleiben? Der griffige AfD-Satz:" Deutschland barucht den Euro nicht" ist für die anderen eine schwere Bürde. Noch 160 Tage!
derBob 15.04.2013
2. Zukunft? - Nein Verganganheit
Die AfD wird vermutlich genauso als Spinnerpartei enden wie die Piraten. Mit großen Zielen und Rückenwind der Demoskopen gestartet;als Lachnummer geendet. Besonders freue ich mich auf den Moment, in dem die AfD-Mitglieder, denen die CDU zu weit links ist und die Mitglieder, die unreflektiert kommunistische Parolen nachplappern merken, dass sie in der selben Partei sind.
fort-perfect 15.04.2013
3. Tja,
Zitat von sysopREUTERSRaus aus dem Euro - das ist die Kernforderung der neuen Partei Alternative für Deutschland. Die etablierten Parteien sehen darin puren Populismus, führende Politiker von Union und FDP kritisieren das Bündnis scharf. Das zeigt: Die neue Konkurrenz lässt sie nicht kalt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/alternative-fuer-deutschland-angriff-auf-die-anti-euro-partei-a-894330.html
die Etablierten bekommen Angst um ihre Pfründen.... Keine lauen Jobs in der EU Verwaltung mehr, keine "Nichtanwesenheits" Jobs im EU Parlament mehr, keine überbordende Altersversorgung für in der freien Wirtschaft Gescheiterte mehr...... da kann Man(n) oder Frau Abgeordnete schon Angst bekommen..... Kein Laumannleben auf anderer Leute Kosten mehr, oh je.... wer konnte das auch nur erahnen..... Die Strategie der etablierten Parteien gegen die Alternative kann demzufolge nur lauten, Demagogie, Verleumdung oder einfaches Belügen des Wählers....
valtental 15.04.2013
4. fehlende Volksabstimmungen
Dqs sich die Bundestagsparteien nun von einer Ein-Thema-Partei bedroht fühlen müssen, haben sie sich selbst zu verdanken. Wer es seit Jahren nicht auf die Reihe kriegt eine reglung für Volkabstimmungen (Va) auf Bundesebene einzuführen, muss sich nicht wundern, wenn politische Akteure wegen einem Thema den Bundestag anvisieren. Es bleibt Ihnen ja gar nichts anderes übrig. Hauptsächlich betrifft es die CDU mit ihrer Blockadehaltung zu Va. (Die anderen haben diese Forderung mittlerweile zumindest in ihren Parteiprogrammen verankert, tun aber zu wenig es voranzutreiben.) Die AfD (und ich denke auch die Piraten würde es als Parteigründungen nie geben, wenn deren Unterstützer ihre Anliegen über Va zur Diskussion stellen könnten. Mit der AfD zeigt sich ganz klar die Beschränktheit unseres ausschließlich (!) parlamentarischen Systems, das auf Bundesebene keine direkten Mitbestimmungsmöglichkeiten zulässt. Mehr Demokratie e.V.: Startseite (http://www.mehr-demokratie.de)
masure 15.04.2013
5. Sehr geehrter Christean Wagner
als Jahrgang 1964 vermisse ich das letzte Jahrtausend sehr. Besonders die 80er und 90er Jahre. Wenn Sie die AfD nicht als solche erkennen wollen, dann ist das ihre Sache. Klar erkennbar ist es jedenfalls, dass Sie Anhänger eines Systems sind, dass alle Wesenzüge eines monetären Faschismus trägt.
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