Neue CDU-Vorsitzende Altkanzler Schröder hält Wahl von Kramp-Karrenbauer für Fehler

Seine Partei gratuliert der neuen CDU-Chefin, Gerhard Schröder hätte lieber einen anderen Kandidaten beglückwünscht. Er meint: Mit Kramp-Karrenbauer hat die Union eine Chance vertan.

Altkanzler Gerhard Schröder
FOCKE STRANGMANN/EPA-EFE/REX

Altkanzler Gerhard Schröder


"Sie tritt in große Fußstapfen": SPD-Chefin Andrea Nahles hat der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer sofort gratuliert und "viel Erfolg" gewünscht. Natürlich hat sie gleich Erwartungen an die Zusammenarbeit formuliert und Problemfelder identifiziert: Es gehe darum, "die Zukunft der Renten zu sichern, den Wert der Arbeit anzuerkennen, den Zusammenhalt in Europa zu stärken und vieles mehr". Aber als Erstes stand die Anerkennung für die neue Parteivorsitzende.

Altkanzler Gerhard Schröder fährt einen ganz anderen Kurs. Die Wahl der Saarländerin Kramp-Karrenbauer, sagt er auf einer Veranstaltung des "Handelsblatts" in Stuttgart, sei aus seiner Sicht kein gutes Zeichen: "Die CDU hat einen Fehler gemacht."

Sein Favorit in der Stichwahl, verrät Schröder weiter, sei der Wirtschaftsfachmann Friedrich Merz gewesen. "Merz war eine Chance zu mehr Mut und Herausforderung. Und vor allem wäre Merz die Chance gewesen, dass sich die beiden Volksparteien wieder stärker voneinander abheben und so die Ränder links und rechts wieder schwächer werden. Das wäre nicht nur für CDU und SPD wichtig, sondern für ganz Deutschland."

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Mit dem Gedanken ist Schröder nicht allein - er geht auch in der Union um. Der Sieg von Kramp-Karrenbauer war sehr knapp, eine große Zahl von Delegierten standen hinter dem Gegenkandidaten Merz. Schon bald nach der Wahl machten Gerüchte den Umlauf, die Parteitagsregie habe Merz vorsätzlich behindert: So wird etwa behauptet, dass die Parteitagsregie am Freitagnachmittag das Mikrofon während der Rede von Merz bewusst heruntergedimmt habe. Eine Art Dolchstoßlegende: Das Establishment soll schuld daran sein, dass Merz mit seiner Rede nicht so durchgedrungen ist wie erhofft.

Carsten Linnemann, Bundesfraktionsvize und Chef der Mittelstandsvereinigung MIT, wandte sich am Tag nach der Wahl beinahe flehend an seine Partei: "Wir müssen den Laden zusammenhalten, verdammt noch mal!" Und schob hinterher: "Es wird nicht einfach."

Das wurde wenig später sichtbar, als der neue Generalsekretär zur Wahl stand: Junge-Union-Chef Paul Ziemiak holt mit 62,8 Prozent ein denkbar schlechtes Ergebnis bei den Delegierten. (Ein erstes Porträt des neuen Generalsekretärs finden Sie hier.)

Auch in diesem Fall waren schnell schrille Töne zu hören: Laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" schrieb der Bundesschatzmeister der CDU-Mittelstandsvereinigung MIT, Hermann Hesse, auf Facebook: "Unglaublich, wie man jemanden zum General vorschlagen kann, der noch nie mit bodenständiger Arbeit Geld verdient hat, der keinen vernünftigen Abschluss vorweisen kann und das reale Leben nur aus der Politikbrille kennt. Und ihm das Amt schon vor der Wahl angeboten zu haben, hat mehr als ein Geschmäckle. Offensichtlich haben das viele Delegierte auch so gesehen. Bei einem Ergebnis 503 von 1001 Delegierten würde ich mir ernsthafte Gedanken über meinen Rückhalt in der Partei machen. Das war dann der erste Griff ins Klo von AKK."

oka



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