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29. Januar 2014, 10:06 Uhr

Schelte vom Altkanzler

Schröder wettert gegen Rente mit 63

"Wie soll das finanziert werden?" Gerhard Schröder kritisiert die Rentenpläne der schwarz-roten Koalition scharf. Die Rente mit 63 sei falsch, bemängelt der Altkanzler in einem neuen Buch - und warnt vor steigenden Beiträgen.

Berlin - Gerhard Schröder hat die Rentenpläne der schwarz-roten Koalition scharf kritisiert. Die geplante Rente mit 63 für Arbeitnehmer, die 45 Jahre lang Beiträge gezahlt haben, sei "ein absolut falsches Signal", zitierte die "Bild"-Zeitung aus einem neuen Buch des Altkanzlers, das Mitte Februar erscheinen soll.

Dies gelte "gerade mit Blick auf unsere europäischen Partner, von denen wir ja zu Recht Strukturreformen einfordern", sagte Schröder. Er verstehe zwar, welchen gesellschaftlichen Gruppen man mit den Koalitionsbeschlüssen helfen wolle. "Das ändert aber nichts am zentralen Problem: Wie soll das finanziert werden?"

Ihn wundere, dass sich die Frauen nicht zu Wort gemeldet haben, denn das Ergebnis sei eindeutig, so Schröder: "Der männliche Facharbeiter, relativ gut verdienend, wird das nutzen können, Frauen eher weniger, weil die meistens gar nicht auf die 45 Beitragsjahre kommen."

Rente mit 67 "nach wie vor vernünftig"

Ein weiteres Problem sei noch schwerwiegender, schrieb Schröder weiter: "Die Entscheidungen kosten nicht nur einmal Milliarden, die Ausgaben kommen jedes Jahr wieder. Das führt in einigen Jahren unweigerlich zu der Frage: Müssen wir deswegen die Rentenbeiträge erhöhen?" Dann stehe man wieder vor Entscheidungen wie zu Zeiten der Agenda 2010. "Dann wird es wieder neue, schmerzhafte Rentenreformen geben müssen, damit die Rentenbeiträge für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlbar bleiben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche."

Auf längere Sicht bekämen die Deutschen eher eine Diskussion über eine erneute Verlängerung der Arbeitszeit als darüber, die Grenze wieder herabzusetzen. Er halte die Rente mit 67 Jahren "nach wie vor für vernünftig", so Schröder.

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zur Umsetzung der schwarz-roten Rentenpläne gebilligt. Der Plan sieht die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren sowie Verbesserungen für ältere Mütter und Erwerbsminderungsrentner vor. Gegen dieses Vorhaben gibt es Vorbehalte insbesondere von Arbeitgebern, aber auch von Teilen der Union.

Ein Kritikpunkt ist die Anrechnung von Zeiten des Arbeitslosengeld-Bezugs. Es wird befürchtet, dass Arbeitnehmer sich bereits mit 61 Jahren arbeitslos melden und dann nach zwei Jahren die Rente mit 63 beantragen. Die Koalition will dies jedoch verhindern. Nahles sagte am Mittwoch dazu: "Wir wollen keine Brücke in die Frühverrentung bauen mit diesem Gesetz".

syd/dpa/AFP

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