"Sanierungsfall"-Debatte: Altkanzler Schmidt sieht tiefe Krise der EU

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Helmut Schmidt: Deutliche Worte vom Altkanzler zum Zustand der EU-Institutionen

Der Brüsseler Kommissar Oettinger spricht von einem "Sanierungsfall", jetzt kritisiert auch Altkanzler Helmut Schmidt die Europäische Union. Bei einem Treffen in Paris sagte er, es gebe zwar keine Euro-Krise, aber eine Krise der Institutionen in Europa.

Berlin - Um deutliche Worte ist Altkanzler Helmut Schmidt nie verlegen: Der SPD-Politiker bescheinigt der EU tiefe institutionelle Probleme. Es gebe keine Euro-Krise, sondern eine Krise der "europäischen Institutionen", sagte der 94-Jährige am Mittwochabend bei einem Gespräch mit dem früheren französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing in Paris. Dieser pflichtete dem früheren Bundeskanzler bei. Die einzige Institution, die funktioniere, sei die Europäische Zentralbank.

Erst am Mittwoch hatte EU-Energiekommissar Günther Oettinger mit einer Rede zum Zustand der EU für Wirbel gesorgt, die er am Dienstag in Brüssel gehalten hatte. Dabei bezeichnete er die EU als "Sanierungsfall" und bescheinigte einigen Ländern, "im Grunde genommen kaum regierbar" zu sein. Oettingers Kritik wurde aus einigen Mitgliedsländern scharf zurückgewiesen, unter anderem von Frankreichs Präsidenten François Hollande.

Giscard d'Estaing warnte bei dem Gespräch mit Schmidt außerdem vor einem "Desaster" bei den Europawahlen im kommenden Jahr, sollte es bis dahin keine Verbesserung geben. Der ehemalige französische Präsident schlug die Einrichtung einer Gruppe unter deutsch-französischem Vorsitz vor, die ein monatliches Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone organisiert. Das Treffen der beiden Politiker, die als Gründungsväter einer europäischen Gemeinschaftswährung gelten, fand in der deutschen Botschaft in Paris statt.

Schmidt, der im Rollstuhl saß und wie gewohnt eine Zigarette nach der anderen rauchte, sagte zudem, dies sei wohl sein letzter Besuch in Frankreich. Danach werde er sich nicht mehr bewegen, fügte der 94-Jährige hinzu.

Schmidt war von 1974 bis 1982 Kanzler. Giscard d'Estaing war fast zur selben Zeit (1974 bis 1981) französischer Staatspräsident.

flo/AFP

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insgesamt 221 Beiträge
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1.
kopenhagen 30.05.2013
Zitat von sysopDer Brüsseler Kommissar Oettinger spricht von einem "Sanierungsfall", jetzt kritisiert auch Altkanzler Helmut Schmidt die Europäische Union. Bei einem Treffen in Paris sagte er, es gebe zwar keine Euro-Krise, aber eine Krise der Institutionen in Europa. Altkanzler Helmut Schmidt sieht EU-Institutionen in der Krise - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/altkanzler-helmut-schmidt-sieht-eu-institutionen-in-der-krise-a-902711.html)
Ich schätze Herrn Schmidt sehr, aber das ist doch für die Bürger nichts neues. Naja, vielleicht kommt ja so ein bisschen etwas in Bewegung.
2. ...........
janne2109 30.05.2013
ohne Frage -- ein kluger Mann, aber ob er wirklich anders als die Regierung zur Zeit reagieren würde?? Ich halte seine Einwände für Wahlkampfhilfe für die SPD und wir sollten uns nichts vormachen, seine "Kunstpausen" zwischen Fragen und Antworten sind das Ringen um Worte und nicht eine Attitüde, wie viele denken.
3. Ich halte jede
theodorheuss 30.05.2013
Zitat von sysopDer Brüsseler Kommissar Oettinger spricht von einem "Sanierungsfall", jetzt kritisiert auch Altkanzler Helmut Schmidt die Europäische Union. Bei einem Treffen in Paris sagte er, es gebe zwar keine Euro-Krise, aber eine Krise der Institutionen in Europa. Altkanzler Helmut Schmidt sieht EU-Institutionen in der Krise - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/altkanzler-helmut-schmidt-sieht-eu-institutionen-in-der-krise-a-902711.html)
Wette das mit diesen Beiden genannten Politikern das Eurodisaster ganz entschieden anders gehandhabt werden würde. Solche Köpfe fehlen halt in Brüssel. Dort sitzen zum überwiegendem Teil Bürokraten, selbstverliebte Laienschauspieler mit viel Intelligenz und wenig Passion. Gut ausgebildete, wortgewandte Menschen, die zerfressen vom eigenen Ehrgeiz evtl. noch die Interessen der eigenen Nation im Blick haben, aber das gemeinsame Haus Europa nur am ganz entfernten Rande wahr nehmen. Im Sprachgebrauch nennt man diese Haltung dekadent, und genau das ist der Unterbau der Europäischen Institutionen, selbstverliebt und vollgefressen. Westerwelle und Hollande gehören genau in diese Schublade von Nichtskönnern die unablässig hohle Sprechblasen absondern ohne jegliche Substanz.
4. Verstehe ich nicht
mehrgedanken 30.05.2013
Zitat von sysopDer Brüsseler Kommissar Oettinger spricht von einem "Sanierungsfall", jetzt kritisiert auch Altkanzler Helmut Schmidt die Europäische Union. Bei einem Treffen in Paris sagte er, es gebe zwar keine Euro-Krise, aber eine Krise der Institutionen in Europa. Altkanzler Helmut Schmidt sieht EU-Institutionen in der Krise - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/altkanzler-helmut-schmidt-sieht-eu-institutionen-in-der-krise-a-902711.html)
Verstehe ich nicht Ich verstehe ihn nicht ganz. Die Institutionen haben sicher ein gewaltiges Problem, nicht zuletzt wegen ihrer fragwürdigen demokratischen Legitimation. Insofern stimme ich Giscard d'Estaing absolut zu, die Europawahl wird ein Desaster. Aber liegt es nicht in Wirklichkeit am €-Konstrukt an sich dass sich ein Problem bedrohlich aufs andere setzt? Wenn die Lösung sein sollte € ja mit Institutionen a la Vereinigte Staaten von Europa wird das an den Bürgern scheitern.
5. sag´ ich doch dauernd
Hilfskraft 30.05.2013
die brüssler Beamten sind die Krise. Und ... na ja Madame Merkel, die sowieso nicht weiss, wo hinten und wo vorne ist. Brüssel auflösen, die Beamten in die Wüste schicken und jedes Land macht miteinander Verträge. So lief das früher auch, und zwar bestens. Dazu braucht man allerdings Finanzfachleute und nicht Tante Merkels Kindergarten. Ich wünsche Helmut Schmidt, das er eine Wende zum Guten noch erlebt. Uns auch!
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