Schröder und Schmidt über Steinbrück: "Niemand ist fehlerfrei"

Altkanzler Schmidt (l.) und Schröder: "Nicht fair" Zur Großansicht
REUTERS

Altkanzler Schmidt (l.) und Schröder: "Nicht fair"

"Er kann es", hat Helmut Schmidt über SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gesagt. Nun äußert sich der Altkanzler im gemeinsamen SPIEGEL-Gespräch mit Gerhard Schröder vorsichtiger: Steinbrück kann es - aber er muss diplomatischer auftreten.

Hamburg - Die beiden Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder haben den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Peer Steinbrück wegen seiner Äußerungen über italienische Politiker kritisiert. "Wenn man über ausländische Kollegen spricht, muss man bedenken, dass man mit denen unter Umständen als Kanzler arbeiten muss", sagte Schröder in einem gemeinsamen SPIEGEL-Gespräch mit Schmidt. Schmidt sagte, er habe vor kurzem etwas Kritisches über den malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir geschrieben. "Das darf ein Kanzler, der Mahathir im Amt übermorgen treffen muss, heute nicht sagen."

Steinbrück hatte sich nach der italienischen Parlamentswahl Ende Februar abschätzig über Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und den Komödianten Beppe Grillo geäußert, der als Spitzenkandidat der Protestbewegung "5 Sterne" angetreten war. "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", hatte Steinbrück gesagt - und dafür viel Kritik einstecken müssen.

Auch sonst steht Steinbrück in den Medien häufig unter Druck. Altkanzler Schmidt spricht im SPIEGEL gar von einer "Kampagne" gegen den Kanzlerkandidaten. "Niemand ist fehlerfrei", sagte Schröder. "Aber dass im Moment nur geschaut wird, ob er etwas Missverständliches sagt, ist nicht fair."

Zu den Aussichten der SPD für die Bundestagswahl im September äußerten sich die beiden Altkanzler zurückhaltend. "Alle, die meinen, die Wahl sei schon gelaufen, irren", sagte Schröder. "Wenn es gelingt, die eigenen Leute zu mobilisieren, würde ich die Flinte nicht ins Korn werfen."

Schmidt lobt Schröder - und sorgt sich um die Einwanderungspolitik

Schmidt lobte in dem Gespräch die Agenda-Politik Schröders. "Sie war notwendig, weil das Land sie brauchte; nicht weil die Partei sie brauchte", sagte Schmidt. Auch die Entscheidung, nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 Neuwahlen im Bund anzustreben, hält Schmidt im Rückblick für richtig. "Wenn er das nicht gemacht hätte, hätte er die Wahl auch verloren", sagte Schmidt über Schröder.

Beide Altkanzler mahnten ihre Partei, offener auf die Veränderungen in Deutschland und der Welt zu reagieren. Schröder beklagte, dass in unseren Gesellschaften "die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen", nachgelassen habe. Die Sozialdemokratie müsse den Leuten sagen: "Wenn wir angesichts der sich verändernden Wirklichkeiten die politisch-sozialen Systeme nicht anpassen, geht das schief", so Schröder gegenüber dem SPIEGEL.

Doch nicht in allen Punkten sind die beiden Altkanzler einer Meinung. Schmidt äußerte sich verhalten über die Aussichten, muslimische Migranten in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. "Ich bin sehr skeptisch, was die Einwanderung aus islamischen Kulturen angeht", sagte er. "Bei den Türken, bei den Leuten aus dem Libanon und den islamischen Staaten insgesamt" sehe er ein Problem. Viele der Zugewanderten lebten in Ghettos, "und das Ghetto verstärkt die Binnenkultur".

Schröder widersprach dieser Ansicht. "Die Türkei hat sich so verändert, dass wir mit der türkischen Einwanderung ohne Probleme fertigwerden", sagte Schröder dem SPIEGEL. Deutschland brauche Einwanderung und müsse jungen Leuten mit Migrationshintergrund die gleichen Chancen gewähren.

Themen im neuen SPIEGEL
Sie wollen wissen, was in der neuesten SPIEGEL-Ausgabe steht? Melden Sie sich jetzt einfach für den SPIEGEL-Brief an. Die Redaktion des Magazins informiert Sie persönlich und kostenlos per Mail.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Bundestagswahl 2013
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Mehr dazu im SPIEGEL