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Bau neuer Stromtrassen: Altmaier will Bürgerbeteiligung schnell umsetzen

Das Gelingen der Energiewende hängt maßgeblich vom Bau neuer Stromtrassen ab. Bundesumweltminister Altmaier will die Bürger an den Kosten direkt beteiligen - und zwar noch vor der Bundestagswahl. 15 Prozent der Gesamtsumme sollen so finanziert werden.

Windenergieanlagen in Brandenburg: Südländer haben wenig Interesse an Nordstrom Zur Großansicht
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Windenergieanlagen in Brandenburg: Südländer haben wenig Interesse an Nordstrom

Berlin - Hochspannungsleitungen sind nicht eben beliebt, bei den Bürgern - besonders bei jenen, die ganz in der Nähe solcher Trassen wohnen. In Zeiten überbordender Staatsschulden und kriselnder Banken stellt auch die Finanzierung der teuren Stromautobahnen eine Herausforderung dar. Immerhin würde der Bau neuer Leitungen, die den Strom der Offshore-Windkraftwerke an der Küste nach Süden transportieren, zwischen 20 und 37 Milliarden Euro kosten.

Für beides glaubt Bundesumweltminister Peter Altmaier jetzt eine passende Antwort gefunden zu haben: Er will den Bürgern die Chance geben, sich an den Großprojekten zu beteiligen. Die Einlage soll mindestens 500 Euro, die Verzinsung fünf Prozent betragen. Die Bürger würden auf diese Weise an den Gewinnen beteiligt, "die die Energiewende produzieren wird", sagte Altmaier. Noch vor der Bundestagswahl 2013, versprach er im Interview mit dem "Tagesspiegel am Sonntag", werde er einen entsprechenden Gesetzentwurf einbringen. Altmaier schwebt vor, rund 15 Prozent der Anteile an Stromleitungen für die Bürger zu reservieren, vor allem für Anlieger entlang der Leitungen.

Das Kalkül dahinter liegt auf der Hand. Die gut verzinste Geldanlage lockt viele, die Sicherheit für ihr Erspartes suchen - und reduziert die Zahl der Gegner, weil sich auf diese Weise die Gewinne der großen Stromriesen zumindest in Maßen sozialisieren lassen. Experten glauben dennoch nicht, dass der Plan aufgeht. Die Zahl der Gegner solcher Leitungen ließe sich damit kaum reduzieren, mutmaßt der Essener Energieökonom Manuel Frondel.

Außerdem werden die Zweifel immer größer, ob die Anstrengung überhaupt nötig ist. Denn bislang reagieren die südlichen Bundesländer auf die Idee eher mit Widerwillen, sich von den Windstromlieferungen aus Norddeutschland abhängig zu machen. Bayerns Ministerpräsident Seehofer will lieber Milliarden in die regionale Energieversorgung stecken und würde sogar eine Zusammenarbeit mit dem russischen Energiemulti Gazprom Chart zeigen vorziehen.

Die großen Energieversorger sind deshalb skeptisch, ob die Nord-Süd-Leitungen noch gebraucht werden, wenn sie in zehn Jahren in Betrieb gehen. Bayern und Baden-Württemberg würden längst nicht so viel Strom importieren, wie es die Ausbauziele der Bundesregierung vorsehen, heißt es in den Strategieabteilungen von RWE und Co.

Auch die Bundesnetzagentur hat Zweifel. In einem Gutachten kommt die Behörde zu dem Schluss, dass statt in Großkraftwerken künftig viel mehr Energie in kleineren, dezentralen Anlagen erzeugt wird.

mik/dapd

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1.
Maya2003 11.11.2012
Zitat von sysopDPADas Gelingen der Energiewende hängt maßgeblich vom Bau neuer Stromtrassen ab. Bundesumweltminister Altmaier will die Bürger an den Kosten direkt beteiligen - und zwar noch vor der Bundestagswahl. 15 Prozent der Gesamtsumme soll so finanziert werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/altmaier-verspricht-gesetz-zur-buergeranleihe-fuer-starkstromleitungen-a-866530.html
.... und wenn das nicht funktioniert, was zu erwarten ist, wird nach der Wahl die Stromsteuer erhöht oder eine neue Sonderabgabe aufgelegt. Fehlt nur noch ein angemessener Name für die "Massnahme" - Zukunftsabgabe z.B. oder Alternativlose-Abgabe-zur-Unterstützung-des-Stromkartells.
2. Die Bundesnetzagentur hat Recht
deb2011 11.11.2012
Wozu ein aufgeblasenes "Energiekonzept" einer Zentralregierung, wenn dieses bei den Landesregierungen eh nicht gewollt ist. Bayern und Baden Württemberg werden selber wissen,m wie sie den Energiebedarf ihrer Einwohner decken können. Und Altmaier braucht nun wirklich kein Mensch, da der Typ nur herumlabert und nichts auf die Kette bringt. Schmeißt den raus unfd gut ist.
3. politiker versagen bei der energiewende
wuxu 11.11.2012
Wie war das noch? Die südlichen Länder wollen doch ihre eigenen WKA bauen, Herr Altmaier. Sie konnten sich doch nicht durchsetzen. Wozu brauchen wir jetzt noch teure Stromtrassen? Liegt es daran, dass Polen demnächst die Überschüsse aus WKA-Strom nicht mehr ohne weiteres zulassen wird? Haben Sie Angst, dass der der ganze WKA Strom, wie jetzt schon oft, zunehmend weniger eingespeist wird? Herr Altmaier, in zehn Jahren wird der Strom im Süden auch nicht mehr gebraucht. Werden Sie persönlich die Kosten für diese Fehlinvestition tragen?
4. Altmaier will Bürgerbeteiligung schnell umsetzen
erich.chlebeck 11.11.2012
Eine sehr gute Idee von Herrn Altmaier, die Bürger an seinem Plan teilhaben zu lassen. Sicherlich wird der Bürger, wie bei anderen politischen Projekten für die Anschubfinanzierung wieder einmal missbraucht. So bereits geschehen beim Ökobenzin E 10, bei der Ökoabgabe etc.
5. "Bürgerbeteiligung", das klingt so positiv
ehf 11.11.2012
Hurra, die Bürger werden beteiligt! Wie schön! Zwar an den Kosten, aber immerhin! Wir bräuchten eine Erfassung des Wahlverhaltens. Und dann bitte explizit die grünen Atomangsdhasen zur Kasse bitten. Aber nein, die lassen sich lieber von der ärmeren Bevölkerung ihre Solardächer finanzieren.
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