Nahles kritisiert Verteidigungsministerin "Bestmögliche Ausrüstung heißt nicht höchstmögliche Aufrüstung"

Verteidigungsministerin von der Leyen beklagt sich über die Haushaltspläne des SPD-geführten Finanzministeriums - und fordert mehr Geld. SPD-Chefin Nahles sieht das völlig anders.

Andrea Nahles
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Der Etatentwurf der Bundesregierung war für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kein Grund zur Freude: Die CDU-Politikern braucht aus ihrer Sicht wesentlich mehr Geld, als ihr Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zur Verfügung stellen will. Nun mischt sich SPD-Parteichefin Andrea Nahles in den Streit ein.

Scholz habe mit seiner Finanzplanung angemessen auf die vielen unbesetzten Stellen in der Truppe und Defizite in deren Ausrüstung reagiert, sagte Nahles der "Neuen Osnabrücker Zeitung." Denn die Ausgaben für die Ausrüstung der Truppe stiegen. Zugleich wandte sie ein: "Bestmögliche Ausrüstung heißt aber nicht höchstmögliche Aufrüstung."

Für die SPD bleibe es dabei, dass sie bei "einer Aufrüstungsspirale" nicht mitmachen werde. Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch Scholz' Haushaltsentwurf für das laufende Jahr sowie die Eckwerte des Haushalts für 2019 und die Finanzplanung bis 2022 beschlossen. Von der Leyen (CDU) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) stimmten dem Haushaltsentwurf nur unter Vorbehalt zu, da sie in den kommenden Jahren deutlich mehr Geld für ihre Ressorts verlange.

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Der SPD-Haushaltsexperte Johannes Kahrs nannte es "erstaunlich", dass die Unionsminister gerade jetzt mehr Geld forderten, nachdem CDU und CSU "in den vergangenen Jahren immer auf der Ausgabenbremse" gestanden hätten, um neue Schulden im Bundeshaushalt zu vermeiden. "Das ist nicht nachvollziehbar", sagte er der "Rhein-Neckar-Zeitung". Zu Beginn der Legislaturperiode hatte der Sozialdemokrat Scholz das zuvor von der Union geführte Finanzressort übernommen.

Kahrs warf von der Leyen zudem vor, ihr zur Verfügung stehende Gelder in den vergangenen Jahren nicht komplett genutzt zu haben, "weil ihr Haus nicht funktioniert und sie die Mittel deswegen gar nicht sinnvoll ausgeben konnte". An Geld sei bislang kein sinnvolles Rüstungsprojekt gescheitert.

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Die Union stelle seit 2005 den Verteidigungsminister. "Doch die Truppe ist in einer so schlechten Verfassung wie seit vielen Jahren nicht mehr. Flugzeuge fliegen nicht, Panzer fahren nicht, U-Boote tauchen nicht", bemängelte der SPD-Politiker. "Erst müssen die riesigen Strukturprobleme beseitigt werden, bevor neue Milliarden eingesetzt werden können." Eine zusätzliche Aufstockung sei daher nicht angemessen.



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mho/dpa



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