Andrea Nahles wird Mutter Politik in anderen Umständen

Spitzenpolitikerin und Mutter - das geht, sagt Andrea Nahles. Die SPD-Generalsekretärin ist schwanger und will nach der Geburt ihres Kindes schnell zurück in den Job. Sie ist kein Einzelfall: Prominente im In- und Ausland haben es vorgemacht.

SPD-Politikerin Nahles: Ihr erstes Kind wird im Januar erwartet
dapd

SPD-Politikerin Nahles: Ihr erstes Kind wird im Januar erwartet

Von und Dominik Peters


Berlin - Sie sind selten: Spitzenpolitikerinnen mit Babybauch. Andrea Nahles wird bald dazu gehören, die SPD-Generalsekretärin ist schwanger. Ihr erstes Kind erwartet die 40-jährige Nahles im Januar. Bis dahin will sie weiterarbeiten - und nach der Geburt schnellstens zurückkehren in die Bundespolitik. Denn 2011 stehen wichtige Landtagswahlen an: in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. Sogar ein Wickeltisch soll angeblich in der SPD-Zentrale eingerichtet werden, damit Nahles ihr Neugeborenes so oft wie möglich ins Büro mitnehmen kann.

Frauen, die versuchen, Kind und Politikkarriere zu vereinbaren, gibt es auch in anderen Ländern und Parteien (siehe Fotostrecke).

Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin posierte 2005 mit nacktem Babybauch für den "Stern". Der Titel lautete: "Mein Bauch provoziert." Sie wolle das als ein "dramatisches Zeichen der Emanzipation" verstanden wissen, sagte Koch-Mehrin damals. "In Deutschland ist eine schwangere Politikerin, die weiter Karriere machen will, ein Politikum an sich", so Koch-Mehrin. Inzwischen ist sie zum dritten Mal Mutter geworden. Ihrer Karriere hat es nicht geschadet: Seit 2009 ist die 39-Jährige Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments.

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Schwangere Spitzenpolitikerinnen: Politik in anderen Umständen

Ein Jahr lang hielt die damalige französische Justizministerin Rachida Dati ihr Land in Atem. Die Grande Nation fragte sich: Wer ist der Vater des Kindes? Die heute 44-jährige Dati schwieg - und kehrte nur fünf Tage nach der Kaiserschnittentbindung in ihr Ministerium zurück. Die junge Mutter tappte allerdings in viele politische Fettnäpfchen, die Medien spotteten über sie, Nicolas Sarkozy schob seine ehemalige Star-Ministerin ins Abseits. Im Juni 2009 - weniger als ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter - kandidierte sie erfolgreich für das EU-Parlament und verließ das Kabinett.

Im siebten Monat nach Afghanistan

Die Spanierin Carme Chacón schrieb 2008 Geschichte: Sie wurde nicht nur als erste Frau des Landes zur Verteidigungsministerin ernannt, sondern brachte auch als erste spanische Ministerin in ihrer Amtszeit ein Kind zur Welt. Bei ihrem Amtsantritt war sie im siebten Monat schwanger, reiste zu ihren Truppen nach Afghanistan und in den Libanon und schritt die Truppenformationen gekonnt ab. Nach 16 Wochen Schwangerschaftspause nahm sie ihre Amtsgeschäfte entschlossen wieder auf. Erste Handlung: die Ablösung der Führungsspitze des Militärs.

In Österreich zog die heutige Grünen-Chefin Eva Glawischnig 2005 das komplette Medienprogramm durch: Verkündung der Schwangerschaft in einer Radiosendung, Fototermin vor dem Geschäft für Babykleidung, Babybauch auf der Titelseite. Für diesen Medienrummel um das Mutterglück wurde sie scharf kritisiert. Die Frage nach der Vereinbarkeit mit ihrer Karriere konterte sie mit einer Gegenfrage: "Würden Sie das auch einen Mann fragen?" Im vergangenen Jahr war sie erneut schwanger - und ging wieder in die Offensive. Den EU-Wahlkampf im Frühjahr 2009 bestritt sie mit Babybauch.

Manchmal steigen die Politikerkinder später sogar selber in die große Politik ein. Kurz vor ihrer Wahl zur Premierministerin Pakistans brachte Benazir Bhutto 1988 ihren Sohn Bilawal zur Welt. Seit dem Tod seiner Mutter im Dezember 2007 führt der heute 21-Jährige die Pakistanische Volkspartei.

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