Verletzter Bürgermeister Angriff auf den Kümmerer von Altena

Andreas Hollstein ist Bürgermeister von Altena - und Opfer eines Attentats. Der CDU-Mann wurde mit einem Messer angegriffen, offenbar wegen seiner engagierten Flüchtlingspolitik.

imago/ Müller-Stauffenberg

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Deutsche Politiker werden immer öfter beschimpft, manchen wird mit Enthauptung gedroht, andere werden tätlich angegriffen. Vor zwei Jahren rammte ein Mann der damaligen Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker ein Messer zehn Zentimeter tief in den Hals, an einem Wahlkampfstand. Die Politikerin überlebte. Der Täter bezeichnete sie als "linksradikale Schickimicki-Ideologin".

Nun ist auf Andreas Hollstein ein Attentat verübt worden. Ein 56-jähriger Mann attackierte den Bürgermeister der Kleinstadt Altena im Sauerland am Montag mit einem Messer. Er soll dabei lautstark über die liberale Flüchtlingspolitik des CDU-Politikers geschimpft haben. Dann habe der Mann ihm das Messer an den Hals gehalten, das Hollstein aber selbst wegdrücken konnte. Mittlerweile hat er das Krankenhaus wieder verlassen können, seine leichte Schnittverletzung sei geklebt worden.

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Andreas Hollstein: Anschlag in Altena

Wer ist Andreas Hollstein?

Der verheiratete Vater von vier Kindern ist seit 1999 hauptamtlicher Bürgermeister von Altena im Märkischen Kreis, rund 30 Autominuten von Dortmund entfernt. Der promovierte Jurist ist Verfechter der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung unter Angela Merkel (CDU).

Als etwa Erika Steinbach im Januar dieses Jahres aus Protest gegen ebendiese Politik aus der CDU austrat, twitterte er: "Gut, dass sich die CDU verändert hat. Gut, dass sie unsere CDU nicht mehr belastet. Schade, dass sie Mandat behält!!"

Hollstein, der von 1995 bis 1999 unter anderem als Referent der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Sozialhilfe und Asylbewerberleistungsgesetz gearbeitet hat, wurde für seine klare Haltung - und die daraus resultieren Politik in Altena - erst in diesem Jahr ausgezeichnet.

Angela Merkel verlieh der Kommune im Sauerland für ihre gute Flüchtlingsarbeit den Nationalen Integrationspreis. Hollstein hatte sich dafür eingesetzt, dass die 18.000-Einwohner-Stadt mehr Flüchtlinge aufnimmt als vorgesehen - auch um den starken Bevölkerungsschwund zu stoppen. Sehen Sie hier eine Videoreportage dazu.

Sara Maria Manzo / bento

In Altena kümmern sich seitdem ehren- und hauptamtliche Helfer um Sprachvermittlung, die Unterbringung in Wohnungen. Auf jede Flüchtlingsfamilie kommt ein Betreuer.

Das Projekt "Vom Flüchtling zum Altenaer Mitbürger" hat aber auch viele Gegner. Hollstein berichtete bei der Preisverleihung in Berlin, er habe Hassmails erhalten. Der Angriff auf ihn ist zudem nicht der erste Vorfall in dem Ort.

"Diese Verrohung bringt uns nicht weiter"

In einer Pressekonferenz am Dienstag, dem Tag nach der Tat, sagte Andreas Hollstein, er wolle sein Engagement fortsetzen: "Ich werde mich einsetzen, für Flüchtlinge, aber auch für andere sozial Schwache."

Polizeischutz lehnte er ab - dann müsse man das Bürgermeisteramt und Parlamente "auflösen". Er fügte hinzu: "Es bringt uns nicht weiter, wenn wir unterschiedliche politische Meinungen mit Hass rüberbringen. Diese Verrohung bringt uns nicht weiter."

Hollstein, der von dem Angreifer attackiert wurde, als er in einem Imbiss Döner holen wollte, lobte den Einsatz des Imbissbesitzers, der ihm zur Seite gesprungen sei. Er sei nicht sicher, ob er andernfalls noch am Leben wäre.

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Beleidigt, bedroht, bekämpft: Attacken und Hass gegen Lokalpolitiker

Bereits im Oktober 2015 hatte es einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft gegeben. Zwei Männer schlichen sich in das Gebäude und legten Feuer auf dem Dachboden. (Lesen Sie hier mehr darüber) Einer der beiden zu sechs Jahren Haft verurteilten Täter war Feuerwehrmann.


Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Täter habe auf Andreas Hollstein eingestochen. Inzwischen hat sich Hollstein zum genauen Ablauf des Angriffs und der Art der Verletzung geäußert. Demnach hatte der Angreifer dem Politiker ein Messer an den Hals gehalten, das er selbst wegdrücken konnte. Seine leichte Schnittwunde habe nur geklebt werden müssen, so Hollstein. Wir haben die Textstelle entsprechend angepasst.

Mit Material von dpa



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