Neuer SPD-Landeschef in Baden-Württemberg Castellucci verliert gegen Stoch

Nach einigem Hin und Her hat die SPD in Baden-Württemberg einen neuen Chef: Andreas Stoch. Vor ihm liegt keine leichte Aufgabe: Die SPD kommt im Südwesten nur noch auf 11 Prozent der Wählerstimmen.

Andreas Stoch (r.), SPD-Vorsitzender in Baden-Württemberg, Lars Castellucci (l.)
DPA

Andreas Stoch (r.), SPD-Vorsitzender in Baden-Württemberg, Lars Castellucci (l.)


Die ganze Zerrissenheit der SPD war sichtbar bei der Kampfabstimmung im Landesverband Baden-Württemberg. Erst zog sich die Landesvorsitzende Leni Breymaier zurück, obwohl sie im Mitgliedervotum mehr Stimmen als ihr Herausforderer Lars Castellucci hatte. Und jetzt verliert dieser Herausforderer auch noch gegen einen dritten Kandidaten.

Nun also Fraktionschef Andreas Stoch. Er ist neuer Vorsitzender der SPD in Baden-Württemberg. Und das denkbar knapp: mit acht Stimmen Unterschied. Stoch bekam 159 Stimmen (50,64 Prozent), auf Castellucci entfielen 151 Stimmen (48,09 Prozent).

Stoch hatte in seiner Bewerbungsrede gesagt, die Südwest-SPD müsse einen Wandel schaffen - weg von einer Kultur des Misstrauens und des Vorwurfs hin zu einer Kultur der Wertschätzung und der Solidarität. Die Partei habe ihre Kraft in den vergangenen Jahren viel zu sehr darauf verwendet, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die SPD müsse wieder Selbstvertrauen entwickeln - dann vertrauten ihr auch die Menschen im Land auch wieder, dass sie deren Probleme löse.

Castellucci hatte für sich geworben mit den Worten, er könne nicht tatenlos zusehen, wie die SPD zerbrösele. Die SPD müsse Schluss machen mit der Selbstbeschäftigung und den internen Flügelkämpfen. Jetzt sei die Zeit für Mut, für Überzeugung und für Tatkraft.

Die SPD ist in Baden-Württemberg bei 11 Prozent

Die bisherige Landesvorsitzende Leni Breymaier hatte nach zwei Jahren im Amt nicht wieder kandidiert. Sie hatte zwar das Mitgliedervotum zum Vorsitz knapp gewonnen. Aber sie warf das Handtuch, weil sie ihren Rückhalt in der Partei als zu gering empfand.

Der Landesverband ist schwach, die SPD im Südwesten in einer desolaten Situation. Bei der Landtagswahl 2016 hatte sie hier mit 12,7 Prozent bereits einen Tiefschlag erlitten. In einer Umfrage vom September kam sie gar nur noch auf elf Prozent. Und trotzdem oder gerade deswegen steht das Führungschaos hier symbolisch für die Zerrissenheit der ganzen Partei.

sth/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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genugistgenug 24.11.2018
1. SPD Baden-Württermberg interessiert nicht mal die Gesamt SPD
Oder wieso reden die immer nur davon, dass sie in den letzten beiden Landtagswahlen die Ernete ihres Versagens eingefahren haben? Denn es waren drei, begonnen mit BW, als man das Ergebnis halbierte. Doch danach brauchte es 2,5 Jahre bis nach Bayern/Hessen Wahl die Führungssozen die Realität nicht mehr ignorieren konnten. Immerhin haben die BW Sozen die große Chance wieder die 40 gar 45 zu erreichen - allerdings als Promille nicht als Prozente. PS die damalige Lichtgestalt der Sozen der Finanz-Wirtschaftsminister Nils Schmid wurde für diese Superleistung mit einem sicheren Listenplatz und Bundestagsmandat belohnt.
claus7447 24.11.2018
2.
Man hat Es nicht leicht im Südwesten. Die Wirtschaft boomt, die SPD strauchelt. Grabenkämpfe und in Berlin schielt man nur auf Posten und Pfründe. Breymaier hatte kein Profil, Nahles unterläuft mit Personalpolitik wünsche der Landespolitik. Stock ist pragmatiker. Vielleicht gibt man ihm die Chance den laden wieder zu vereinen. Aber solange die parteispitze in Berlin lediglich willfährig unter dem Argument lieber regieren als Opposition jeden Mist von den letzten Vollpfosten der CSU mitmacht wird es böse enden. Treten Sie zurück Frau Nahles. Es ist zwar viel Personal verschlissen worden, aber sie werden es nicht packen!
quod licet jovi.. 24.11.2018
3. Gestern standen wir noch am Abgrund, ... heute ...
Ach der Stoch. Erinnern wir uns doch. Das war doch der Kultusminister, der seine eigenen Kinder auf eine Privatschule schickte, weil ... Das war doch der, der mit der GEW als Einflüstererin eine hirnrissige "Reform" nach der anderen in BW losgetreten und Lehrer und Schulleiter zur Verzweiflung gebracht hat. Das war doch der, der die sog. ideologische Gemeinschaftsschule mit allen Mitteln ins System drückte, negative wissenschaftliche Expertisen darüber als fake-news bezeichnete und die Gemeinschaftsschule als "seine" Errungenschaft des Jahrhunderts verkaufte. Und wo er sonst noch überall herumge stoch ert hat. Der, ausgerechnet der soll.... Ich fass es nicht.
Kreklova 24.11.2018
4. Kein Programm, kein Inhalt
Der SPIEGEL berichtet zutreffend: lauter wohlklingende aber leere Worthülsen bei beiden Bewerbern. Programmatische Festlegungen wurden vermieden bzw. nicht gewagt. Diese Sorte Politiker wird die ehemals stolze SPD nicht retten.
mirage122 24.11.2018
5. Volle Zustimmung
"Das Führungschaos in BW ist symbolisch für die Zerrissenheit in der SPD"! Das ist genau der Punkt, an dem die Sozen kränkeln. Das fängt bei Andrea Nahles an und hört in der "Malocher"-Ebene auf. Damit meine ich die armen Schweine, die die Infostände bestücken und bei Wind und Wetter Plakate kleben. Die müssen die Wut der Bürger aushalten. Die Groko 2.0 hat der SPD das Genick gebrochen und die die mitmischen wollten, haben sich von Frau Merkel vorführen lassen. Wann wird endlich aufgewacht und die Konsequenzen gezogen? Ansonsten wird eine 11%tige Zustimmung bei der Wählerschaft auch auf Bundesebene traurige Wirklichkeit.
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