Umgang mit Stasi-Vergangenheit Holm verliert auch seinen Posten an der Universität

Am Montag trat er als Staatsekretär in Berlin zurück. Nun verliert Andrej Holm auch seinen Arbeitsplatz an der Humboldt-Universität.

Andrej Holm
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Die Berliner Humboldt-Universität (HU) will Andrej Holm als wissenschaftlichen Mitarbeiter entlassen. Das teilte die Uni-Präsidentin Sabine Kunst auf einer Pressekonferenz mit. Das Arbeitsverhältnis an der Universität werde "ordentlich gekündigt", sagte Kunst.

Sie hätte Holm gern gehalten, hätte jedoch so entscheiden müssen, berichtet der "Tagesspiegel". Zu Beginn der Pressekonferenz soll es im Senatssaal der HU zu Protesten von Studenten gekommen sein.

Grund für die Entlassung ist laut HU nicht Holms Tätigkeit für die Stasi, sondern dass er "hinsichtlich seiner Biographie getäuscht und auch an dem wiederholt vorgebrachten Argument der Erinnerungslücken festgehalten hat". Der 46-Jährige hatte in einem Personalfragebogen 2005 verneint, hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter gewesen zu sein.

Bereits am Montag war Holm vom Posten des Bau-Staatssekretärs in Berlin zurückgetreten. Er kam mit diesem Schritt seiner von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) angestrebten Entlassung zuvor.

Der Berliner Bürgermeister hatte Holm mangelhafte Vergangenheitsbewältigung vorgeworfen: Interviews und Aussagen Holms zeigten aus der Sicht Müllers, "dass er zu dieser Selbstprüfung und den dazugehörigen Rückschlüssen nicht ausreichend in der Lage ist".

Der 46-jährige Stadtsoziologe war erst vor einem Monat in die Regierung berufen worden. Er selbst erklärte zu seinem Rücktritt als Bausekretär: Die Diskussionen um das Sicherheitspaket, der Verlauf der Parlamentsdebatte und der mehrfache Bruch von Vereinbarungen zwischen den Koalitionspartnern zeigen, dass die Koalition selbst in der Krise ist. Ich werde der zerstrittenen SPD nicht den Gefallen tun, sie auf meinem Rücken zerplatzen zu lassen."

Eigentlich hatten die Koalitionspartner verabredet, vor einer Entscheidung über die Zukunft Holms eine Stellungnahme der Humboldt-Universität abzuwarten. Die prüfte personalrechtliche Schritte gegen ihren bisherigen Angestellten, weil er 2005 in einem Fragebogen eine hauptamtliche Stasimitarbeit verneint hatte.

Die unzutreffende Information im Fragebogen der Humboldt-Universität erklärte der 46-Jährige mit Erinnerungslücken. Er habe nicht wissentlich falsche Angaben gemacht.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Holm habe seinen Uni-Posten wegen seiner Stasi-Vergangenheit verloren. Das ist falsch: Die Kündigung der HU beruht nicht auf seiner Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit, sondern laut Mitteilung darauf, "dass Herr Dr. Holm die HU hinsichtlich seiner Biographie getäuscht und auch an dem wiederholt vorgebrachten Argument der Erinnerungslücken festgehalten hat". Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

mho/dpa

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