Angebliche IS-Attacke in Hamburg Ärzte sollen bei Tätersuche helfen

Die Hamburger Polizei hat im Fall des tödlichen Angriffs auf einen 16-Jährigen Tausende Ärzte gebeten, Männer mit Schnittverletzungen an der Hand zu melden. Zu der Tat gibt es ein IS-Bekennerschreiben.

Gedenken an ermordeten 16-jährigen Hamburger
DPA

Gedenken an ermordeten 16-jährigen Hamburger


Die Hamburger Polizei bittet Ärzte um Hilfe bei der Aufklärung des Mordes an einem 16-Jährigen. Tausende Mediziner in der Stadt wurden per Mail gebeten, Männer mit Schnittverletzungen an der Hand zu melden, sagte eine Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Es seien über 11.500 Ärzte angeschrieben worden. Zuvor hatte bereits der Sender NDR 90,3 über den Vorgang berichtet.

In dem Schreiben heiße es, es sei möglich, dass sich der Täter bei den tödlichen Messerstichen selbst verletzt hat. Die Hamburger Polizei ermittelt in dem Fall weiter in alle Richtungen. Die angebliche Mitteilung der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) werde dabei auch geprüft.

Hintergrund ist, dass das IS-Sprachrohr "Amaq" in der Nacht zum Sonntag mitteilte, ein "Soldat des 'Islamischen Staats'" habe am 16. dieses Monats zwei Individuen in Hamburg erstochen. Tatsächlich war an diesem Tag ein 16-Jähriger an der Hamburger Alster von einem Unbekannten mit mehreren Stichen getötet worden. Seine 15-jährige Begleiterin attackierte der Angreifer allerdings nicht mit einem Messer; er stieß sie ins Wasser, sie blieb unverletzt. Ob die Terroristen sich tatsächlich auf diese Tat beziehen könnten, hat die Polizei zunächst nicht bestätigt.

Auch der Zeitpunkt des IS-Bekenntnisses ist ungewöhnlich: In der Vergangenheit hatte sich die Terrormiliz nach vergleichbaren Taten meist innerhalb von rund 48 Stunden geäußert. In diesem Fall sind nach der Tat knapp zwei Wochen vergangen.

"Ermittlungen mit professioneller Unaufgeregtheit"

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sagte am Sonntag, man nehme die aktuellen Hinweise auf einen möglichen IS-Hintergrund sehr ernst. Allerdings enthalte die Bekennernachricht des IS auch Ungereimtheiten. "Ziel des IS - auch bei Bekennungen - ist regelmäßig, Angst und Verunsicherung zu verbreiten. Deshalb ist es richtig, dass die Ermittlungen mit Hochdruck, aber auch mit professioneller Unaufgeregtheit und in alle Richtungen weitergeführt werden", teilte Grote mit.

Die Hintergründe des tödlichen Angriffs am 16. Oktober sind bisher völlig unklar. Der Polizei zufolge hatte sich das Verbrechen gegen 22 Uhr unter der Kennedybrücke ereignet, wo die beiden Jugendlichen am Ufer saßen. Der Täter sei etwa 23 bis 25 Jahre alt und 1,80 bis 1,90 Meter groß gewesen. Er habe den 16-Jährigen unvermittelt hinterrücks angegriffen und mit mehreren Stichen verletzt, vermutlich mit einem Messer. Der Jugendliche starb kurz darauf im Krankenhaus. Vom Täter und der Tatwaffe fehlt bislang jede Spur. Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund gab es bei der Tat und unmittelbar danach nicht.

anr/dpa

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