Angeblicher SED-Dank: Klarsfeld soll 2000 Mark für Kiesinger-Ohrfeige erhalten haben

Dokumente aus der Vergangenheit könnten Beate Klarsfeld in Bedrängnis bringen: Die Präsidentschaftskandidatin der Linken soll 1968 vom SED-Regime 2000 Westmark erhalten haben, laut einem Zeitungsbericht war es ein Dank dafür, dass sie den damaligen Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hatte.

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Beate Klarsfeld: "Nie im Auftrag der DDR gearbeitet"

Berlin - Die Kandidatin der Linkspartei für das Amt des Bundespräsidenten, Beate Klarsfeld, soll einem Bericht zufolge in den sechziger Jahren eine Zahlung der DDR-Staatspartei SED erhalten haben. Die SED habe Klarsfeld im November 1968 2000 D-Mark angewiesen, berichtet die "Welt" unter Berufung auf DDR-Akten. Das Geld soll kurz nach ihrer historischen Kiesinger-Ohrfeige geflossen sein.

Laut dem Zeitungsbericht war das Geld für ihre politische Kampagne gegen den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) und als Dank für die Ohrfeige gedacht, die Klarsfeld dem Politiker am 7. November 1968 auf dem CDU-Bundesparteitag in Berlin verabreicht hatte. Die "Welt" beruft sich in ihrer Darstellung auf eine Hausmitteilung des SED-Politbüromitglieds Albert Norden.

Sieben Tage nach der Kiesinger-Ohrfeige schrieb Norden der SED-Finanzverwaltung, sie solle Klarsfeld diskret "2000 Westmark für weitere Initiativen" bereitstellen. Wörtlich zitiert die Zeitung aus dem Vermerk: "Diese Unterstützung wird ihr aus Sicherheitsgründen offiziell als Honorar ihres Artikel gegeben, den sie für die Auslandszeitschrift 'DDR-Revue' geschrieben hat." Tatsächlich veröffentlichte die "DDR-Revue" wenige Wochen später einen Exklusivbeitrag von der gebürtigen Berlinerin Klarsfeld, in dem die "Demokratie in der DDR" gewürdigt und die Bundesrepublik als Hort von Demokratiegegnern dargestellt wird, so die "Welt".

Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagte Klarsfeld zunächst auf Anfrage der Zeitung, sie könne sich nicht mehr an den Vorgang erinnern. Als die Zeitung der Präsidentschaftskandidatin daraufhin die Dokumente faxte und um Beantwortung von Fragen bat, reagierte Klarsfeld mit einem allgemeinen Statement. "Mein Ziel war es, Nazis zu jagen und ihre Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen, um sie einer gerechten Strafe zu überführen", teilte sie mit. Sie habe "nie im Auftrag der DDR gearbeitet, sondern in meinem eigenen Auftrag", zitiert die "Welt" Klarsfeld.

Die heute 73-Jährige war weltbekannt geworden, als sie den ehemaligen Bundeskanzler Kiesinger auf einem Parteitag für dessen frühere NSDAP-Mitgliedschaft ohrfeigte. Die Linke war von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als einzige der sechs im Bundestag vertretenen Parteien von der Suche nach einem Konsenskandidaten für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten ausgeschlossen worden. Als Reaktion darauf hatte die Linke die langjährige Nazi-Jägerin Klarsfeld als eigene Kandidatin aufgestellt.

lgr/AFP/dapd

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1. Ich...
monsieurK 07.03.2012
Zitat von sysopDokumente aus der Vergangenheit könnten Beate Klarsfeld in Bedrängnis bringen: Die Präsidentschaftskandidatin der Linken soll 1968 vom SED-Regime 2000 Westmark erhalten haben - laut einem Zeitungsbericht war es ein Dank dafür, dass sie den damaligen Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hatte. Dank der SED: Klarsfeld soll 2000 Mark für Kiesinger-Ohrfeige erhalten haben - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,819994,00.html)
lege noch einen Tausender extra drauf! Courage, Beate!
2. kein Titel!
friedrich_eckard 07.03.2012
Wenn es denn so war, war das redlich verdientes Geld, und es wäre eine nette Geste der DDR gewesen, Frau Klarsfeld einen Zuschuss zu den Anwalts- und Gerichtskosten zu gewähren; denn für sehr viel mehr dürfte der Betrag kaum ausgereicht haben. Aber wie gross muss in interessierten Kreisen die Sorge sein, dass in der Bundesversammlung zu viele Wahlleute aus der Hürde des Gauck-Blocks brechen könnten, wenn solch ein Aufwand getrieben wird, um Frau Klarsfeld irgendetwas anzuhängen...
3. Sauber, sauber!
Heinz-und-Kunz 07.03.2012
Zitat von sysop"Mein Ziel war es, Nazis zu jagen und ihre Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen, um sie einer gerechten Strafe zu überführen", teilte sie mit. Sie habe "nie im Auftrag der DDR gearbeitet, sondern in meinem eigenen Auftrag", zitiert die "Welt" Klarsfeld.
Taten zählen aber mehr als Worte! Offensichtlich hat sie das Geld nicht nur angenommen, sondern sich auch noch dafür bedankt: ---Zitat--- Tatsächlich veröffentlichte die "DDR-Revue" wenige Wochen später einen Exklusivbeitrag von der gebürtigen Berlinerin Klarsfeld, in dem die "Demokratie in der DDR" gewürdigt und die Bundesrepublik als Hort von Demokratiegegnern dargestellt wird, so die "Welt". ---Zitatende--- Na, das ist doch ne saubere Dame. Zu der Zeit war die DDR eine lupenreine Diktatur die ihre Untertan einsperrte und bei Fluchtversuch ermordete und die BRD eine parlamentarische und rechtsstaatliche Demokratie. Aber für sie ist die DDR das besseres Land? Naja, Linke standen mit der Realität schon immer auf Kriegsfuß.
4. Nullmeldung
Stelzi 07.03.2012
Ich lese in dem Artikel rein gar nichts was nicht zur Linken passen würde, insofern ist Klarsfeld gerade wegen diesem Vorgang die bestmögliche Kandidatin für diese Partei.
5. ...
beuerlein 07.03.2012
Zitat von sysopDokumente aus der Vergangenheit könnten Beate Klarsfeld in Bedrängnis bringen: Die Präsidentschaftskandidatin der Linken soll 1968 vom SED-Regime 2000 Westmark erhalten haben - laut einem Zeitungsbericht war es ein Dank dafür, dass sie den damaligen Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hatte. Angeblicher Dank der SED: Klarsfeld soll 2000 Mark für Kiesinger-Ohrfeige erhalten haben - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,819994,00.html)
2000 DM zu den Zeiten war wohl mehr als was ein Wochenende auf Sylt kostete.
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Vom Kandidaten zum Präsidenten
Wer wählt den Bundespräsidenten?
Die Bundesversammlung, die sich aus den Abgeordneten des Bundestages und einer gleichen Zahl von Wahlmännern beziehungsweise -frauen aus den Ländern zusammensetzt. Letztere werden von den Länderparlamenten entsprechend den jeweiligen politischen Stärkeverhältnissen gewählt. Derzeit gehören dem Parlament 620 Abgeordnete an. Die Bundesversammlung umfasst somit 1240 Wahlleute.
Wie wird gewählt?
Das Staatsoberhaupt wird geheim und ohne vorherige Aussprache gewählt. Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Die Wiederwahl ist einmal möglich. Wählbar ist jeder Deutsche, sofern er das 40. Lebensjahr vollendet hat. Sollte kein Bewerber im ersten oder zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen, reicht im dritten Wahlgang die relative Mehrheit. Drei Mal waren bislang drei Wahlgänge erforderlich: 1969 bei Gustav Heinemann, 1994 bei Roman Herzog und 2010 bei Christian Wulff.
Wann wird gewählt?
Laut Gesetz muss die Bundesversammlung spätestens 30 Tage vor dem Ende der Amtszeit des Bundespräsidenten zusammentreten. Sollte eine Amtszeit verfrüht enden muss die Bundesversammlung spätestens dreißig Tage später den Nachfolger wählen. Als spätester Termin für die Neuwahl kommt somit der 18. März in Frage. Einberufen wird die Versammlung vom Bundestagspräsidenten.
Wer hat die Mehrheit?
Die parteipolitische Mehrheit der Bundesversammlung muss nicht identisch sein mit den Mehrheitsverhältnissen im Bundestag. Nach Berechnungen des Portals wahlrecht.de hätte Schwarz-Gelb derzeit nur eine Mehrheit von zwei bis vier Stimmen in der Bundesversammlung. Da SPD und Grüne mit im Boot sind, gilt die Wahl von Joachim Gauck als sicher.