Angebot als EU-Kommissionschef Stoiber wollte nicht nach Brüssel

Der bayerische Ministerpräsident Stoiber sieht seine zukünftigen Aufgaben weiterhin in Deutschland. Bereits Anfang des Jahres lehnte der CSU-Politiker ein Job-Angebot von Bundesregierung und Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac ab, die ihn als EU-Kommissionspräsidenten nach Brüssel schicken wollten.


CSU-Chef Edmund Stoiber: München ist schöner als Brüssel
REUTERS

CSU-Chef Edmund Stoiber: München ist schöner als Brüssel

Am Sonntag bestätigte der CSU-Generalsekretär Markus Söder eine Meldung des Magazins "Focus". Söder sagte, das Angebot sei für Stoiber "natürlich eine große Ehre und Ausweis der anerkannten Fähigkeiten". Der CSU-Vorsitzende habe die Offerte aber dennoch nach kurzem Überlegen im Februar ausgeschlagen, weil er seine entscheidende Aufgabe in Bayern und bei der CSU sehe. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sei von Stoiber unterrichtet worden und eingebunden gewesen, teilte Söder weiter mit.

Laut dem "Focus"-Bericht soll die Idee für das Angebot an den bayerischen Ministerpräsidenten unter größter Geheimhaltung Ende vergangenen Jahres in Paris und Berlin entstanden sein. In vertraulichen Gesprächen sei Stoiber ermuntert worden, die Nachfolge des ausscheidenden Kommissionspräsidenten Romano Prodi anzutreten. Neben dem Amt des Regierungschefs in München hätte Stoiber dafür aber auch den CSU-Vorsitz aufgeben müssen.

Von der Berliner Regierung wurde die Meldung uneindeutig kommentiert. Ein Regierungssprecher wies darauf hin, dass die Entscheidung über den Kandidaten für die Prodi-Nachfolge von den Staats- und Regierungschefs getroffen und vom EU-Parlament bestätigt werden muss. "Aus Respekt vor diesem Verfahren verbietet sich jegliche Personalspekulation. Die Bundesregierung wird sich daran nicht beteiligen. Es gab und gibt keinen deutschen Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten."

Die Staats- und Regierungschef der Europäischen Union wollen auf ihrem Gipfel am 17. und 18. Juni über den neuen Chef der EU-Kommission beraten. Nach der Absage von Stoiber und dem Luxemburger Regierungschef Jean-Claude Juncker gelten jetzt der liberale belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt und der konservative österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als Favoriten.



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