Merkel auf CSU-Parteitag Showtime

Es lag vieles im Argen zwischen den Schwesterparteien, damit soll nun Schluss sein. Auf dem CSU-Parteitag charmiert Gastgeber Seehofer, CDU-Chefin Merkel wirbt um Vertrauen - und sogar ein Witzchen gelingt.

Angela Merkel und Horst Seehofer beim CSU-Parteitag
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Angela Merkel und Horst Seehofer beim CSU-Parteitag

Aus Nürnberg berichtet


Es sieht aus wie vor zwei Jahren in München: Das kleine Pult mit dem Wasserglas, hinter dem Angela Merkel steht. Ihre verschränkten Arme. Und dann Horst Seehofer, der neben ihr am Rednerpult spricht.

Aber in Wahrheit erinnert in Nürnberg kaum noch etwas an den CSU-Parteitag in der bayerischen Landeshauptstadt 2015. Das große Zerwürfnis zwischen den Schwesterparteien, das seinerzeit manifestiert wurde, als Gastgeber Seehofer die neben ihm stehende Kanzlerin eine knappe Viertelstunde lang maßregelte, soll endgültig Geschichte sein. So sehr, dass sich der CSU-Chef und die CDU-Vorsitzende einen Spaß daraus zu machen scheinen, die Szene von damals nachzustellen.

Frei nach dem Motto: Humor hilft heilen

Im vergangenen Jahr war die CDU-Chefin zum ersten Mal während ihrer Kanzlerschaft nicht auf dem CSU-Parteitag gewesen, zu groß waren da noch die Differenzen in der Flüchtlingspolitik, zu tief die Wunden auf beiden Seiten. Aber spätestens nach dem miserablen Ergebnis bei der Bundestagswahl am 24. September haben Merkel, Seehofer und die Strategen beider Parteien realisiert, wie sehr der Zwist der Union geschadet hat.

Alle sollen deshalb in Nürnberg sehen, dass man sich wieder lieb hat oder zumindest lieb haben will. Aber weil man nun auch nicht gleich zu dick auftragen kann, lösen die Kanzlerin und der Noch-Ministerpräsident von Bayern die Sache mit Ironie und Humor. Zur Erinnerung: Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise sprach Seehofer mit Blick auf Merkel von einer "Herrschaft des Unrechts", zeitweise ließ die CSU offen, ob man sich bei der Bundestagswahl hinter der Kanzlerin als Spitzenkandidatin versammeln würde.

"Ob Sie es glauben oder nicht", sagt Merkel zu den rund tausend Delegierten und Gästen in der Nürnberger Messehalle, als sie um kurz vor fünf am Rednerpult steht, "ich freue mich richtig, heute wieder auf einem CSU-Parteitag zu sein." In der ersten Reihe sitzt Seehofer und grinst. Nachdem die CDU-Chefin eine halbe Stunde später ihre Rede beendet hat, revanchiert er sich: "Auch wenn du es mir nicht glaubst - ich freue mich, dass du da bist." Da lacht Angela Merkel, die Arme schon nicht mehr verschränkt, und viele im Saal lachen mit.

"Die letzten zwei Jahre, da sind wir uns einig, waren nicht leicht", sagt sie zu Beginn ihrer Rede. Und findet damit gleich einen passenden Ton. Merkel spricht die Auseinandersetzungen in der Flüchtlingspolitik offen an - aber die seien durch das nach der Wahl von CDU und CSU ausgehandelte Kompromisspapier zur Migration beendet. Ob das stimmt oder nicht: Merkel spricht von einem "schlüssigen Konzept", mit dem man mit Blick auf die hohen Flüchtlingszahlen in der Vergangenheit sicherstelle, dass die Zuwanderung in Zukunft geordnet und gesteuert werden könne.

Dafür bekommt Merkel höflichen Applaus, wie meistens während ihrer Rede - auch das wirkt angemessen angesichts der jüngsten Geschichte zwischen ihr und der CSU. Als einmal besonders laut applaudiert wird, die Kanzlerin hat gerade vom besonderen Augenmerk auf die Herausforderungen im ländlichen Raum gesprochen, die aus ihrer Sicht notwendig sind, sagt sie: "Gab es gerade ein Twitter-Signal, mal zu klatschen?".

Wie gesagt, es ist der Tag der Ironie

Merkel redet über die Herausforderungen in Europa, im Pflegebereich, in der Familienpolitik, dem Arbeitsmarkt in der digitalisierten Welt - ein bisschen wirkt es, als wolle sie ihr künftiges Regierungsprogramm umreißen. Aber auch das ist ja ein Hebel, um die Union wieder zusammenzubringen. "CDU und CSU haben den klaren Regierungsauftrag in Berlin", sagt Merkel. Tatsächlich haben allein die Sondierungen über eine Jamaikakoalition, auch wenn die am Ende scheiterten, positiv für die Schwesterparteien gewirkt.

Der Hinweis darauf ist auch Seehofer wichtig. "Wir sind geschlossen wie lange nicht mehr", sagt er in seiner kurzen Replik auf Merkel mit Blick auf die Wiederannäherung während der Jamaika-Gespräche. Dafür danke er der CDU-Chefin ausdrücklich.

Seehofer und seine Partei hoffen nun, dass es in Berlin wenigstens etwas wird mit der Neuauflage der Großen Koalition. Die SPD will ja nun immerhin mit der Union sondieren. Eine stabile Regierung im Bund ist wichtig für die CSU. Aber noch wichtiger ist für die Partei die bayerische Landtagswahl im kommenden Jahr. Auch dafür braucht die CSU ein gutes Auskommen mit der CDU.

Nach Monaten heftiger interner CSU-Kämpfe hat man sich geeinigt: Seehofers langjähriger Rivale Söder soll im Frühjahr 2018 Ministerpräsident werden und die Partei dann in die Landtagswahl führen. Söder, bislang Finanzminister, wird sicherlich das eine oder andere Sträußchen mit Merkel und der CDU ausfechten. Das gehört ja auch dazu für eine selbstbewusste CSU und einen neuen Regierungschef, der sich profilieren will.

Aber Seehofer wird einen Teil der Macht behalten: Am Samstag stellt er sich in Nürnberg als Parteichef zur Wiederwahl. Und damit dürfte er fürs Erste Merkels Verbündeter in Sachen Unionsharmonie bleiben.

Und was sagt die CSU-Basis? Wir haben uns umgehört:

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
Peter M. Lublewski 15.12.2017
1.
Sagt mir bitte jemand, ob und warum ich dieses Schmierentheater ernst nehmen soll?
Knackeule 15.12.2017
2. Alles paletti !
Jubel, Trubel, Einigkeit, jawohl !! Gute Freunde finden wieder zu einander, kein Blatt Papier passt da mehr dazwischen, gell ! Aber Logo doch, vollkommen glaubwürdig ! Und der Weihnachtsmann bringt die Geschenke, der Osterhase die Eier und der Klapperstorch die Babies. Alles wird gut !
post.scriptum 15.12.2017
3. Plötzlich ist der Seehofer, Horst der ...
... engste Vertraute der geschäftsführenden Kanzlerin. Wenn da bloß der Söder nicht wäre, dem die Landtagswahlen allemal wichtiger sind als eine angehende friedvolle GroKo. Folglich wird er sein Störfeuer eröffnen. Ob das Seehofer passt oder nicht, ist ihm schnurzpiepe. Die Sondierungen mit der SPD werden sich knochenhart gestalten, da die Partei in Sorge ist, sich nach einer nochmaligen GroKo zu verpulverisieren. Das, was die SPD der Union abzutrotzen geneigt ist (Einheitskrankenkasse, Ausweitung des Flüchtlingsnachzuges, Vereinigte Staaten von Europa), wird sie nicht bekommen und damit wahrscheinlich auch nicht das Okay ihrer Basis. Vermutlich wird die GroKo nicht kommen, dafür wird Merkel aber wohl gehen, was auch nicht schlecht ist.
Renoir7 15.12.2017
4. Früher
gab es mal in Deutschland Politiker, die man als Persönlichkeiten bezeichnen konnte; unabhängig von Parteizugehörigkeit. Das Personal, das dem Wähler heutzutage geboten wird, ist ein Graus.
robert_bosch 15.12.2017
5. Diese Überschrift "Showtime"....
...trifft einen der wichtigsten Gründe für die Politikverdrossenheit der Deutschen auf den Millimeter - es ist eigentlich widerlich....
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