Kanzlerin unterwegs im Internet Merkel fühlt sich von Online-Werbung verfolgt

Online-Shoppen, Taxi-Apps und Netzfernsehen: Bei einem Treffen mit Digital-Experten verrät Angela Merkel, wie sie das Internet privat nutzt - und was sie als besonderes Ärgernis empfindet.

Angela Merkel bei der "#cnight": "Ich bin doch nicht blöd!"
DPA

Angela Merkel bei der "#cnight": "Ich bin doch nicht blöd!"


Berlin - Über das Internet plaudern, darin bekommt Angela Merkel (CDU) allmählich Übung. Erst kürzlich sorgte die Kanzlerin mit einer Sprachpanne beim IT-Gipfel für einen kleinen Video-Hit. Am Mittwoch erzählte sie nun ungewohnt ausführlich über ihre eigenen Nutzergewohnheiten. "Ich sehe auch manchmal zeitversetzt fern", erzählte sie bei einer Veranstaltung zur Netzpolitik in der CDU-Bundeszentrale ("#cnight"). Mediatheken und On-demand-Videos sind also anscheinend auch für die Kanzlerin ein interessanter Zeitvertreib.

Merkel kritisierte zugleich hartnäckige Werbung im Internet, die Nutzer gezielt mit Kaufvorschlägen überschüttet. "Man kauft einmal was im Internet - und du wirst verfolgt", klagte Merkel. "Ich selbst kaufe ganz wenig im Internet. Und ich werde noch mehr verfolgt!"

Allerdings wollte die Kanzlerin nicht verraten, welche Produkte sie im Internet bestelle. "Was kriegen Sie für Werbung?", fragte Moderator Cherno Jobatey trickreich nach. "Ich bin doch nicht blöd!", antwortete Merkel. Ob dies eine Anspielung auf einen früheren Media-Markt-Slogan gewesen sein mag, ließ die CDU-Chefin allerdings offen.

"So was wie Studenten-Trampen"

Auch zum viel kritisierten Fahrdienstbetreiber Uber fielen der Kanzlerin ein paar Sätze ein. Allerdings vermied sie es, wie so oft, sich klar zu positionieren. "Wir müssen alle überlegen, wie wir damit umgehen. Ist das jetzt so was wie Studenten-Trampen? Wollen wir das? Wie besteuere ich das Ganze? Das alles müssen wir jetzt mit der Bevölkerung diskutieren", sagte Merkel. Immerhin bemerkte sie ihr eigenes Herumlavieren selbstironisch: "Wir können super ein Problem schildern, haben aber keine endgültige Lösung parat."

Neben der CDU-Chefin war der Zalando-Gründer und Rocket-Chef, Oliver Samwer, eingeladen. "Zalando und Rocket wären mit deutschem Geld nicht möglich gewesen", kritisierte Samwer, und forderte die Politik auf, für mehr Risikokapital in Deutschland zu sorgen. "Wir haben genug Gründer. Was wir brauchen, sind mehr Wagniskapital und IT-Kräfte aus dem Ausland." Merkel signalisierte Verständnis, machte aber keine konkreten Versprechen.

Kritik an der Digitalen Agenda wies die CDU-Chefin hingegen zurück. "Als Grundansatz ist sie richtig", verteidigte sie das Papier. Merkel stellte aber in Aussicht, dass man die Internet-Strategie in ein paar Jahren nochmal überdenken könne. "Wir werden uns in der Politik daran gewöhnen müssen, dass wir nicht Gesetze für Jahrhunderte machen".

Über ihren berühmten Spruch, in dem Merkel das Internet als Neuland bezeichnete, sagte Merkel: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das richtig ist."

amz

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insgesamt 50 Beiträge
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tommirf 05.11.2014
1. Ja, so ist das
eben im Neuland...
Monsterwelle 05.11.2014
2. Willkommen im Leben Fr. Merkel.
Wie schön, dass es Merkelchen so geht, wie uns, dem gemeinen User, der nicht zufällig im Kanzleramt hockt. Willkommen im Leben Fr. Merkel. Dieser Artikel wäre übrigens nur wirklich interessant gewesen, wenn Merkel dank ihre Promi-Statuses eine andere Art von Internat nützen dürfte, als wir Sterblichen.
Levator 05.11.2014
3. Sehr geehrte Frau Merkel
liebe Bundeskanzlerin - auch ich fühle mich verfolgt. Aus gegebenem Anlass wäre beispielsweise ihr "aussitzen/nichtstun/abwägen ob einer Tarifeinheit hier in diesem Lande anzuführen. Kraft ihrer Untätigkeit kann eine Gewerkschaft wie die GDL die halbe Republik mir nichts dir nichts einfach einmal über mehrere Tage lahmlegen... Das - sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin - nenne ich (um bei Ihrer einfachen Wortwahl zu bleiben) schlicht und ergreifend "VERFOLGUNG". Möglicherweise sind Sie völlig losgelöst, zwangsbefreit oder eben einfach nur deswegen so aktionslos, weil Sie des Wählers Stimme derartig in einen Tiefschlaf versetzt hat. Es wird davon auszugehen sein - sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin - dass sie spätestens nach den nächsten Wahlen hierzulande hellwach sein werden. Dann ist es aber bedauerlicherweise zu spät. Und das ist gut so.... Herzlichst Levator
Levator 05.11.2014
4. Sehr geehrte Frau Merkel
liebe Bundeskanzlerin - auch ich fühle mich verfolgt. Aus gegebenem Anlass wäre beispielsweise ihr "aussitzen/nichtstun/abwägen ob einer Tarifeinheit hier in diesem Lande anzuführen. Kraft ihrer Untätigkeit kann eine Gewerkschaft wie die GDL die halbe Republik mir nichts dir nichts einfach einmal über mehrere Tage lahmlegen... Das - sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin - nenne ich (um bei Ihrer einfachen Wortwahl zu bleiben) schlicht und ergreifend "VERFOLGUNG". Möglicherweise sind Sie völlig losgelöst, zwangsbefreit oder eben einfach nur deswegen so aktionslos, weil Sie des Wählers Stimme derartig in einen Tiefschlaf versetzt hat. Es wird davon auszugehen sein - sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin - dass sie spätestens nach den nächsten Wahlen hierzulande hellwach sein werden. Dann ist es aber bedauerlicherweise zu spät. Und das ist gut so.... Herzlichst Levator
Jack 05.11.2014
5.
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