Merkel bei Anne Will "Es gibt den Aufnahmestopp nicht"

Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte bei einem Solo-Auftritt in der Sendung "Anne Will" ihren Kurs in der Flüchtlingskrise. Zu nerven sei keine Kategorie, so ein Seitenhieb in Richtung Horst Seehofer. "Ich muss diese Aufgabe lösen."

Will, Merkel: "Diese Aufgabe ist lösbar"
DPA

Will, Merkel: "Diese Aufgabe ist lösbar"


Von allen Seiten wird sie wegen ihrer Flüchtlingspolitik angegriffen - Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer attestiert ihr, keinen Plan zu haben, CDU-Bürgermeister und -Landräte verfassen einen Protestbrief, Demonstrationen gegen Zuwanderung erhalten immer mehr Zulauf.

Jetzt versuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Befreiungsschlag. Sie wolle sich trotz des Drucks auch aus den eigenen Reihen nicht von ihrem optimistischen Kurs in der Flüchtlingspolitik abbringen lassen. "Wir schaffen das, da bin ich ganz fest davon überzeugt", sagte die CDU-Politikerin am Mittwochabend in der ARD-Talkshow "Anne Will". "Stellen Sie sich vor, wir sagen: 'Wir schaffen es nicht'. Und dann?" konterte Merkel eine Frage Wills, ob sie das Land überfordere.

Eine Begrenzung der Flüchtlinge, die ins Land gelassen werden, lehnte Merkel erneut ab. "Wie soll das funktionieren? Sie können die Grenze nicht schließen. Es gibt den Aufnahmestopp nicht."

Sie sei "der festen Überzeugung, dass das geht". Als Bundeskanzlerin habe sie in einer solchen historischen Bewährungsprobe die Aufgabe, "alles daran zu setzten und den Optimismus und auch die innere Gewissheit zu haben, dass diese Aufgabe lösbar ist. So gehe ich da ran." Sie wolle nicht in einen Wettbewerb treten, "wer in Europa die Menschen am unfreundlichsten behandelt".

"Nerven ist keine Kategorie"

Auch in den eigenen Reihen und vor allem von CSU-Chef Horst Seehofer war ihr Kurs beim Flüchtlingsthema scharf kritisiert worden. Merkel sagte im Interview, Seehofer gebe wieder, was viele sagen: "Ich weiß nicht, was morgen ist." Und die Kanzlerin räumt ein, dass auch sie es nicht wisse: "Aber als Bundeskanzlerin muss ich dafür sorgen, dass es weitergeht."

Ob es nicht nerve, dass Seehofer dauernd unterstelle, Merkel würde die Dinge nicht zu Ende denken, fragte Will. Merkel darauf lakonisch: "Nerven ist keine Kategorie. Wir sind ein freies Land. Meine Aufgabe ist aber eine andere als jene von Horst Seehofer. Ich muss diese Aufgabe lösen."

Merkel betonte, dass sich die Flüchtlinge in die Gesellschaft integrieren und hiesige Gesetze und Regeln achten müssten. Auf die Frage, ob Merkel bereit sei, für die Flüchtlingsfrage ihre Kanzlerschaft zu riskieren, antwortete sie ausweichend: "Ich bin bereit, so hart zu arbeiten, wie ich nur kann. Ich muss meinen Weg gehen."

Will und Merkel im TV-Studio
DPA

Will und Merkel im TV-Studio

sun/dpa

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