Reaktionen auf TV-Auftritt "Wer Merkel will, muss Grün wählen"

Sechs Millionen Menschen sahen Angela Merkel bei Anne Will. Für ihre Aussagen zur Flüchtlingspolitik erntet die Kanzlerin viel Lob - vor allem aus den Reihen einer Oppositionspartei.

Angela Merkel bei Anne Will
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Angela Merkel bei Anne Will


SPD-Vize Ralf Stegner hat Angela Merkel nach ihrem Auftritt in der ARD-Talkshow "Anne Will" Unterstützung zugesagt. "Was die Frage der europäischen Integrationsnotwendigkeit angeht, sind wir an der Seite von Frau Merkel", sagte Stegner im ZDF. Es dürfe keine Alleingänge mit nationalen Maßnahmen geben. Geschlossene Grenzen führten zu mehr Toten unter den Flüchtlingen.

Merkel hatte bei ihrem TV-Auftritt auf der Notwendigkeit bestanden, gemeinsam mit den europäischen Staaten an einer Lösung zu arbeiten.

Die CDU-Chefin warnte vor nationalen Alleingängen mit Grenzschließungen und Obergrenzen. "Das ist genau das, wovor ich jetzt Angst habe, wenn der eine seine Grenze definiert, muss der andere leiden. Das ist nicht mein Europa", sagte Merkel. "Wir müssen Europa zusammenhalten und Humanität zeigen."

Bereits während der laufenden Sendung am Sonntagabend hatten Koalitionspolitiker via Twitter Merkel unterstützt. Allen voran CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

Auch SPD-Politiker lobten die Haltung der Kanzlerin. Etwa der Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby aus Sachsen-Anhalt.

Kritik kam hingegen vom stellvertretenden SPD-Fraktionschef Hubertus Heil. Er zeigte sich enttäuscht von Merkels Absage an ein Solidaritätspaket für Deutsche. "Die SPD und Herr Gabriel machen sich klein", sagte Merkel über die Forderung nach höheren Ausgaben "für die einheimische Bevölkerung".

Der SPD-Abgeordnete Lars Klingbeil sah in Merkels Aussagen bei "Anne Will" vor allem eine Niederlage für CSU-Chef Horst Seehofer, der sich für eine Obergrenze von 200.000 Asylbewerbern pro Jahr ausspricht.

Tatsächlich reagierte Seehofer am Montag betont gelassen: "Ich kenne ihre Position, und ich habe jetzt nicht erwartet, dass sie durch einen Fernsehauftritt neue Positionen verkündet", sagte der CSU-Chef und betonte: "Wer in der Politik wirklich zu Hause ist, konnte das ernsthaft nicht erwarten."

Doch es gab auch Unterstützung aus Bayern: Der CSU-Abgeordnete Hartmut Koschyk lobte Merkel ausdrücklich.

Auffallend viel Zuspruch erhielt Merkel aber von Grünen-Politikern, wie dem Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz.

Sein Fraktionskollege Dieter Janecek hat sogar schon einen Vorschlag für den Bundestagswahlkampf 2017.

Die schärfste Kritik an Merkels Äußerungen zum besseren Schutz der Außengrenzen kam vom Linken-Chef Bernd Riexinger. Er warf der Kanzlerin vor, mit ihren Worten die Militarisierung der Außengrenzen zu verschleiern.

Insgesamt sahen 6,02 Millionen Menschen das Merkel-Interview. Das entspricht einem Marktanteil von 20,2 Prozent.

syd/dpa

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