Wiederwahl zur Vorsitzenden Großer Applaus für die Rede von Dr. Angela Merkel beim XXVII. Parteitag der Christlich Demokratischen Union Deutschlands

Mit 96,7 Prozent bestätigt die CDU Angela Merkel an der Spitze der Partei. Die Chefin ist unangefochten und will wohl auch über 2017 hinaus Kanzlerin bleiben. Nur ohne die SPD.

Eine Analyse von , Köln

Jubelnde Merkel: Sie will noch lange unangefochten bleiben
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Jubelnde Merkel: Sie will noch lange unangefochten bleiben


Bei einer Rede ist die Dramaturgie das Wichtigste, vor allem, wenn sie länger dauert. Rund eine Stunde hat Angela Merkel am Dienstag beim Parteitag in Köln alles angerissen, was gerade auf der Agenda steht. Sie hat über Digitalisierung gesprochen, über Demografie, Wachstum, sich Sorgen gemacht über die Ukraine-Krise und den Vormarsch des "Islamischen Staates", die innere Sicherheit.

Aber wer erinnert sich am Ende noch daran? Der letzte Eindruck zählt, das weiß auch die CDU-Chefin, also bedient sie zum Schluss die Abteilung Attacke. Ausgerechnet den eigenen Koalitionspartner nimmt sie ins Visier. "Wie klein will sich die SPD eigentlich noch machen?", ruft sie in den Saal, der nun aufwacht.

Noch zwei drei verbale Ohrfeigen schickt sie hinterher, das reicht, um wenig später nach ihrem Auftritt minutenlang gefeiert zu werden. Vielleicht hat es ihr sogar noch ein paar zusätzliche Stimmen bei der Wiederwahl zur Vorsitzenden gebracht: 96,7 Prozent bekommt Merkel, fast so viel wie vor zwei Jahren.

Die Vorsitzende ist unangefochten in der CDU - und sie will es wohl auch noch lange bleiben. Auch wenn sich Merkel bislang öffentlich nicht festgelegt hat, ob sie 2017 erneut antritt. Dieser Parteitag zeigt: Die Kanzlerin hat die nächste Bundestagswahl längst im Blick. Man dürfe sich auf dem Erfolg der vergangenen Wahl nicht ausruhen, mahnt sie. "Nur eine starke Union 2017 wird Rot-Rot-Grün im Bund unmöglich machen." Dass die Union das allerdings nur mit Merkel schaffen kann, sagt sie nicht. Doch jeder in der Messehalle weiß es.

Bisherige Wahlergebnisse Merkels

2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012
95,9 93,7 88,4 93,1 94,8 90,4 97,9

Angaben in Prozent

Merkel ist die CDU. Ohne Merkel ist die CDU nichts. Das ist den rund tausend Delegierten bewusst. Umso dankbarer ist man, wenn die Parteivorsitzende den Christdemokraten noch lange erhalten bleibt. Doch bei manchem mischt sich in die Dankbarkeit auch die Sorge darüber, was nach Merkel kommt. Was bleibt von der CDU, wenn die Chefin irgendwann weg ist?

Erosion in den Ländern

Für das hier und jetzt fällt die Bestandsaufnahme verheerend aus. Dem großartigen Bundestagswahlergebnis und den stabil guten, bundesweiten Umfragewerten steht eine beängstigende Erosion in den Ländern gegenüber. Die CDU regiert in weniger Ländern mit als die Grünen, es gibt nur noch vier christdemokratische Ministerpräsidenten - die SPD stellt neun. Die nächsten Landtagswahlen versprechen keine Besserung.

Dass die Basis das durchaus umtreibt, zeigt auch dieser Parteitag. Da formierte sich vor dem Treffen eine breite Bewegung, die sich wenigstens ein bisschen mehr Ehrgeiz in der Steuerpolitik wünschte und einen festen Termin für den Abbau der kalten Progression forderte. Die CDU-Spitze wehrte sich lange, machte dann das kleine Zugeständnis, bis 2017 einen "ersten Schritt" zu gehen - wenn es denn Spielräume gibt. Ein mauer Kompromiss, der zu nichts verpflichtet. Man habe "vorsichtig formuliert", räumt die Kanzlerin ein. Man kann es auch schwammig nennen. Oder unambitioniert.

Auch Jens Spahn beklagte im Vorfeld des Parteitags immer wieder die Trägheit und Selbstzufriedenheit seiner Partei. Darum kandidiert der 34-jährige gegen das CDU-Establishment für das Präsidium, den engsten Führungszirkel. Seine Bewerbung will er als Signal verstanden wissen, dass sich die CDU doch noch etwas traut, dass sie jünger und moderner werden will. Ausdrückliche Unterstützung bekam Spahn für seine Kandidatur nicht aus der Parteiführung. Immerhin versuchte sie nicht, ihn davon abzubringen.

Spahn steht auch für eine Öffnung der Partei zu den Grünen. Schwarz-Grün ist für ihn eine echte Option, er trauert der verpassten Chance in den letzten Koalitionsverhandlungen hinterher. Interessanterweise erinnert auch Merkel an jene Tage nach der Bundestagswahl 2013. "Wir wären bereit gewesen, eine solche Koalition zu wagen", sagt die CDU-Chefin. "Manche Grüne waren es nicht. Schade drum." Genauso findet Merkel aber auch warme Worte für die FDP. Sie könne sich nur wundern, "wie die FDP endgültig abgeschrieben wird". Abwarten, rät Merkel und nennt die Liberalen "unseren natürlichen Koalitionspartner".

Kein Wort zur AfD

Was aber ist mit dem aktuellen Partner, der SPD? Ein kleines Lob für die gute Zusammenarbeit? Fehlanzeige. Merkel weiß, die Große Koalition wird nicht geliebt in ihrer Partei, schon gar nicht nach einem ersten Jahr, das die Genossen trotz Wahlniederlage fast nach Belieben dominieren durften. Die Delegierten sind froh, dass die Kanzlerin sich die Sozialdemokraten in ihrer Rede wegen Thüringen zur Brust nimmt und signalisiert: Von 2017 an wollen wir wieder ohne die Genossen regieren.

Ohne die Alternative für Deutschland (AfD) sowieso. Das Bekenntnis, dass es keine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit den Euro-Kritikern geben darf, erneuert Merkel, in dem sie die neue Konkurrenz von rechts mit keinem Wort erwähnt. Unbefriedigend findet das ein Delegierter aus Baden-Württemberg, der sich unmittelbar nach Merkels Auftritt in der sogenannten Aussprache zu Wort meldet. Viele Konservative seien heimatlos geworden, klagt der ältere Mann. "Wir sind stark beliebig geworden."

Ihm hört kaum jemand zu. Die meisten Delegierten haben die Halle längst zum Essen verlassen.



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insgesamt 281 Beiträge
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Seite 1
Petermann 09.12.2014
1. Am Ergebnis hätte er seine Freude....
....der Staatsratsvorsitzende! Obwohl - vor 2 Jahren hatte sie ja noch ein "besseres" Ergebnis - da hatte sie 97,9%! Ob sie wohl die 100 noch schafft! Dann knallen im Himmel die Korken ob seines excellenten Schachzugs posthum.
Tikal69 09.12.2014
2. Ein Untertan
Meine Gratulation an die Vorsitzende der christlich, sozialen Einheitspartei Deutschlands. Möge Mutti ewig und weise regieren.
kappelc 09.12.2014
3.
"Ihm hört kaum jemand zu. Die meisten Delegierten haben die Halle längst zum Essen verlassen." Ist doch klar denn "die Partei, die Partei, die hat immer Recht"!
spon-facebook-10000122439 09.12.2014
4.
Zitat von Tikal69Meine Gratulation an die Vorsitzende der christlich, sozialen Einheitspartei Deutschlands. Möge Mutti ewig und weise regieren.
Danke fur diese Satire,wirklich vom Feinsten.
Xangod 09.12.2014
5. Uff!
Bei der Ankündigung ab 2017 ohne die SPD regieren zu wollen, dachte ich schon an eine Annäherung an die AFD. Das Ziel ist aber eine Koalition mit den Grünen. Ich finde die CDU paßt wunderbar zu den Grünen.
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