Collagen in Mailand Merkel als Ikone

Angela Merkel bei der Personenkontrolle und mit halbverhungertem Kind auf dem Arm: So setzt der Street-Art-Künstler Beast die Kanzlerin in Mailand in Szene. Es ist eine Art Liebeserklärung.

Beast / www.beastmaster.tv

Welche Bilder werden uns in zehn Jahren an das erinnern, was momentan passiert auf der Welt?

Das Foto des kleinen Alan Kurdi etwa, dessen lebloser Körper an die türkische Küste gespült wurde, steht ikonografisch für die dramatische Flucht von Millionen Menschen. Seine Familie war mit ihm vor dem syrischen Bürgerkrieg geflohen, der Junge ertrank auf dem Weg nach Griechenland. Oder das Bild eines weinenden Mannes mit seiner Tochter im Arm, der mit seiner Familie gerade die Küste von Kos erreicht hatte. Dazu die Tausenden Aufnahmen von Menschen an Grenzzäunen, die sich gegen die Gitter pressen oder Kinder durch Stacheldraht auf die andere Seite reichen.

Graffito des toten dreijährigen Alan Kurdi in Brasilien
AFP

Graffito des toten dreijährigen Alan Kurdi in Brasilien

Es werden aber ebenso Politiker sein, die mit dieser Zeit unweigerlich verbunden sind - allen voran Angela Merkel. Collagen von ihr sind nun im Mailänder Stadtbild zu sehen: Merkel als Grenzschützerin, mit einem ausgemergelten Kind auf dem Arm, mit langen Haaren und "Love"-Schriftzug. Ein viertes Bild zeigt sie seltsam entrückt mit transparentem Schleier über dem Gesicht.

Der italienische Künstler Beast hat die Bilder geschaffen. Seit 2009 will er mit seinen Werken im öffentlichen Raum in Europa und den USA politische und soziale Debatten abbilden. Nun hat Merkel ihre eigene Reihe bekommen. Warum? "Sie ist definitiv eine Ikone unserer Zeit", sagt er. "Sie muss stärker sein als ihre Gegner und die verbreiteten Ängste. Sie ist die einzige europäische Politikerin, die die Macht hat, etwas zu ändern."

Den Titel seiner Arbeit - "Check.Save.Love.Repeat" - erklärt er so: "Natürlich müssen alle Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten registriert werden, aber es bringt nichts, Mauern zu bauen, um sie abzuhalten. Wir müssen die Menschen vor Kriegen und Elend schützen, und es ist ein Prozess der Nächstenliebe, ihnen die gleichen Möglichkeiten zu geben, die wir in der Vergangenheit hatten." Das alles verbindet sich in seiner Bilderreihe mit einem Gesicht - dem von Angela Merkel.

Beast will mit den leicht konsumierbaren und Mainstream-tauglichen Collagen Politik zugänglich machen. "Es mögen sehr einfache Gedanken sein", sagt der Italiener, "aber für mich gibt es keine anderen Optionen."

vks



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
ofelas 10.05.2016
1.
fuer die Kosten fuer jaehrlich 20 Milliarden haette Merkel 5/7/10x so vielen Heimatnah helfen koennen - es fragt sich wirklich ob es ihr um die Menschen ging
geando 10.05.2016
2. Die Geschichte von Alan Kurdi
...steht für die Instrumentalisierung tragischer Schicksale für politische Zwecke. Die Familie Kurdi lebte zum Zeitpunkt ihrer "Flucht" nach Europa bereits in der Türkei. Der Vater hatte dort bereits seit zwei Jahren eine Arbeit gefunden. Für die Überfahrt kaufte der Familienvater Abdullah Kurdi lediglich für sich selber eine Schwimmweste, mit dieser konnte er den Untergang des Schiffes schliesslich überleben. Seine Frau und seine zwei Kinder ertranken, weil sie keine Rettungswesten hatten. Diese Familie ist kein gutes Beispiel für eine vermeintliche "Schuld" des Westens oder dessen humanitäres Versagen. Die Überfahrt wurde nicht aus der unmittelbaren Bedrohung des Krieges heraus gemacht, sondern auf persönliches Betreiben des Vaters, der sich in Europa eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation erhoffte. Wieso wird diese Geschichte immer noch derart instrumentalisiert?
salsabiker 10.05.2016
3. Meine Stimme geht an Merkel,
die aus dem "Lager des natürlichen Feindes" kommt. Vorher für mich absolut unwählbar. In der Flüchtlingskrise ist sie der Fels in der Brandung, die ihre Karriere riskiert, in dem sie de facto gegen alle Widerstände Leben rettet in hoher Zahl. Sie hat dem "Pack" gezeigt, wie man Mensch ist, statt Hyäne. Wagenknecht machte sich in der Zeit Sorgen weil Linkswähler zur AFD abgehauen sind. Lieber mache ich meinen Stimmzettel ungültig, als beim nächsten Mal DIE LINKE zu wählen, denen ich vorher schon zweimal meine Stimme gegeben hatte. Es ist schön Merkel aus einer ganz anderen Sicht zu sehen, sie hats verdient.
widder58 10.05.2016
4. Sieht mehr nach
Fotoshop-Fälschungen aus, denn was da auf den Bildern zu sehen ist, ist nicht die Kanzlerin, sondern eine Wunschvorstellung des "Künstlers". Es ist doch zudem seltsam, dass wir in Deutschland Milliarden für Flüchtlinge übrig haben, für die verbesserung der Lage in der Herkunftsländern jedoch nur Peanuts.
tomymind 10.05.2016
5.
Wie wäre es mit Merkle-photo und 50%? Um soviel hat sie 2014 die Hilfe für die Flüchlingslager gekürzt und damit den ganzen Wahnsinn gestartet
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