Kanzlerkandidatur CSU zwingt Merkel in die Warteschleife

Längst wollte die Kanzlerin erklären, dass sie zur Bundestagswahl wieder antritt. Jetzt muss sie die Verkündung nach SPIEGEL-Informationen erneut verschieben. Schuld ist die CSU.

  Angela Merkel, Horst Seehofer
Getty Images

Angela Merkel, Horst Seehofer


Angela Merkel will ihre Entscheidung, als Kanzlerkandidatin der Union in die Bundestagswahl im kommenden Jahr zu ziehen, voraussichtlich erst im Frühjahr 2017 bekannt geben. Die Verschiebung sei notwendig, weil CSU-Chef Horst Seehofer erst dann entscheiden will, ob seine Partei Merkel wieder unterstützt, heißt es in CDU-Kreisen. Es ist das zweite Mal, dass Merkel die Verkündung ihrer Pläne verschieben muss.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 35/2016
Noten sind nicht alles: Worauf es im Leben ankommt

Eigentlich hätte die Sache längst erledigt sein sollen. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass Merkel schon im vergangenen Frühjahr ihre Absichten erklärt hätte. Doch dann kamen die Flüchtlingskrise und der heftige Streit mit der CSU. Die Kanzlerin entschied, bis zum Herbst zu warten. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Dieses Mal ist die Verschiebung deutlich problematischer für Merkel als beim ersten Mal. Im Dezember findet in Essen der CDU-Bundesparteitag statt. Dort will sich Merkel für weitere zwei Jahre zur Parteivorsitzenden wählen lassen.

Das aber kann sie gegenüber ihrer Partei eigentlich nur vertreten, wenn sie bei der Bundestagswahl wieder antritt. Vom Parteitag sollte das Signal ausgehen, dass die CDU vor dem entscheidenden Wahljahr geschlossen hinter der Kanzlerin steht. Das funktioniert allerdings nicht, wenn die Partei nicht weiß, ob die Regierungschefin weitermachen will.

Verkündung ohne Seehofers Rückendeckung?

Die Alternative wäre aus Sicht Merkels allerdings noch riskanter: In ihrem Umfeld fürchtet man, eine Ankündigung der Kanzlerkandidatur ohne Seehofers Unterstützung könnte Merkel politisch schaden.

Im Merkel-Lager ist man davon überzeugt, dass das gegenwärtigen Tief in den Umfragen weniger mit Flüchtlingspolitik der Kanzlerin als vielmehr mit dem Streit innerhalb der Unionsparteien zu tun hat. Die Spaltung der Union will Merkel nicht vertiefen, in dem sie einseitig ihre Kandidatur verkündet.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

ran

insgesamt 225 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
berlin90210 27.08.2016
1. Es gibt auch andere mögliche Kandidaten
Angela Merkel ist der Hauptgrund für mich, nicht mehr CDU wählen zu können. Ich hoffe sehr, dass die Union einen Ersatz findet. Beispielsweise Seehofer oder Bouffier. Merkel hat es geschafft, Deutschland und Europa zu spalten.
max.fi 27.08.2016
2. Falsche Rücksicht
Wen will den der Trachtenverein sonst unterstützen? Kretschmann vielleicht, oder doch Petry? Es ist höchste Zeit das jemand dieser Splittergruppe mal die Grenzen aufzeigt. Vielleicht kommt es ja dann zu Bayxit.
politisch_nicht_korrekt 27.08.2016
3. Ja, klar....
Ja, klar die schlechten Umfragewerte der Kanzlerin haben nichts mit der Flüchtlingspolitik zu tun, sondern mit dem Streit in der Union. Glauben die das ernsthaft? Die guten Wahlergebnisse der AfD liegen dann wohl daran, dass deren Personal ja so einig ist ;-)
jufo 27.08.2016
4. Ach bitte nicht
Bitte nicht noch eine Legislaturperiode Merkel. Nicht nur weil sie einfach die Grenzen aufgemacht hat. Wir haben in Europa eine ungelöste Schuldenkrise, wir haben eine Vertrauenskrise in Europa weil sich vor allem kleinere Länder von Deutschland überfahren fühlen, wir haben kein Konzept für die Energiewende vor allem für die Trassen, mit etwas Überlegen fällt mir noch mehr ein. Dass es in der Union kaum Alternativen zu Merkel gibt und in der SPD einen Problembären macht die Sache auch nicht besser. Steinmeier, übernehmen Sie bitte!
Palmstroem 27.08.2016
5. Seehofers Schützenhilfe für Rot-Rot-Grün
Schon bei den Landtagswahlen in MecPom und Berlin wird sich wieder zeigen, wem Seehofers Politik wirklich hilft - Rot-Rot-Grün.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.