Merkel zur Gleichberechtigung "Das Ziel muss Parität sein, Parität überall"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mehr Anstrengungen für die Gleichberechtigung von Mann und Frau gefordert. In Kultur und Wirtschaft hinke Deutschland hinterher - aber auch in der Politik.

HAYOUNG JEON/ EPA-EFE/ REX

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bevölkerung aufgefordert, mehr für ein gleichberechtigtes Leben und Arbeiten von Frauen und Männern in Deutschland zu tun.

Beim Festakt zu 100 Jahren Frauenwahlrecht in Deutschland sagte Merkel, nur eine gerechte Gesellschaft sei auch zukunftsfähig, und dafür sei es zentral, dass Frauen und Männer gleichberechtigt seien.

Allerdings gebe es in vielen Bereichen großen Nachholbedarf, besonders in der Politik, in der Kultur und in der Wirtschaft: Der Bundestag sei "in dieser Legislatur kein Ruhmesblatt", so Merkel. Der Frauenanteil liege bei nur 30 Prozent und damit auf dem Niveau des Sudan. In Landesparlamenten liege der Wert teilweise bei unter einem Viertel, und sie sei "schockiert über die Zahl der Oberbürgermeisterinnen".

"Sehr weit entfernt"

Auch die deutsche Wirtschaft habe im internationalen Vergleich großen Nachholbedarf: Seien in den USA in 90 Prozent der großen Unternehmen Frauen in Spitzenpositionen und in Großbritannien und Frankreich immerhin in jedem zweiten, liege der Wert in Deutschland bei nur 16,7 Prozent. Es dürfe aber keine Besonderheit mehr sein, wenn einem Dax-Konzern eine Frau vorstehe, sondern müsse Normalität werden, so Merkel.

Frauenquoten hätten in vielen Gesellschaftsbereichen zwar Gutes bewirkt, doch auch das reiche nicht aus: "Quoten waren wichtig. Aber das Ziel muss Parität sein, Parität überall", sagte Merkel unter lautem Applaus des Publikums. Im öffentlichen Dienst habe man bis 2025 eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Führungsbereichen beschlossen, noch sei man davon aber leider "sehr weit entfernt".

Auch gesellschaftlich sei es wichtig, dass niemand aufgrund seines Geschlechts in Rollen gedrängt werde. "Ich hoffe, dass das nicht weitere 100 Jahre auf sich warten lässt", sagte Merkel unter Anspielung auf die Einführung des Wahlrechts für Frauen.

cht



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